Lieblingsort im Schnee und ein Eingeständnis vor mir selbst.

Es zieht mich immer wieder da hin. Weil es immer wieder so wunderschön ist. Weil die Blickwinkel manchmal die gleichen sind und doch immer wieder anders aussehen. Ich sehe mich nicht satt dran. Es wird nicht langweilig. Es hat immer und zu jeder Zeit seinen Zauber. Und im Schnee ganz besonders.

Ich wollte diese Woche eigentlich sonst nichts mehr posten. Aber manche Gedanken müssen raus, wenn sie frisch sind, denn erstmal von der Seele geschrieben wiegen sie nicht mehr ganz so schwer wie im Mantel des Schweigens.

Ich habe euch ja unlängst davon erzählt, dass ich mich grade ein bisschen düster fühle. Das zuzugeben war vor allem vor mir selbst ein großer Schritt. Ich will das nicht darauf schieben, dass es mir körperlich nicht so gut geht, denn ich bin der Meinung, dass das eine nicht unabhängig vom anderen ist, ganz im Gegenteil und dass sich nur körperlich manifestiert, was ich seelisch versuche seit einer Weile zu ignorieren.

Denn ich habe keinen Grund. Es gibt in meinem Leben keine faktische Rechtfertigung für dieses Gefühl. Ich bin mit der Erfüllungen der maslow’schen Bedürfnisse ganz gut aufgestellt. Ich habe zu Essen, zu Schlafen, Freunde, Familie und Beziehung, einen Job, der mich ein im weltweiten Vergleich gesehen komfortables Leben leben lässt und die Möglichkeit, meine Interessen in meiner Freizeit zu leben. Es gibt keinen Grund. Aber dennoch ist es so. Ich fühle mich schwach und erschöpft und ausgelaugt und lustlos und müde. Ich habe in den letzten Monaten viel Zeit und Energie dafür verwendet, diesen Zustande zu ignorieren. Denn es gibt keinen Grund. Das einzige, wozu diese Taktitk geführt hat, ist Antibiotika, Physiotherapie, Krankenstand und was da eben noch so alles dabei war.

Aber manchmal ist es nicht so einfach. Gefühle lassen sich nicht rational erklären und „wegrationalisieren“. Es ist glaube ich gut und wichtig, mir bewusst zu sein, dass ich Glück habe und großartige Voraussetzungen und dass ich was das betrifft ein unglaublich privilegierter Mensch bin. Dass das aber nicht heißt, dass ich von mir selbst erwarten kann oder muss, deswegen ununterbrochen glücklich zu sein. Ich bin manchmal traurig. Ich bin manchmal einsam. Ich bin manchmal erschöpft. Überfordert. Müde. Ohne Motivation. Und jetzt ist eben gerade manchmal. Und manchmal ist manchmal auch öfter. Ich weiß, dass ich versuche, dagegen zu kämpfen – aber wie Melanie unlängst sagte: hör auf zu kämpfen. Ich glaube, es gibt Zeiten, in denen man kämpfen muss. Aber es gibt auch Zeiten, in denen man die Waffen niederlegen muss, gegen sich selbst, gegen die anderen, gegen die Welt. Zeiten, in denen man sagt: ja ich weiß, dass ich alles habe, was 98% der Menschen auf der Welt nicht haben. Aber es geht mir nicht gut. Trotzdem. Manchmal auch deswegen. Ich habe ein schlechtes Gewissen und will das alles nicht denken, sagen oder fühlen, weil ich mir damit doch im Grunde selbst auf die Nerven gehe. Weil ich finde, dass ich „aus dem Alter draußen bin“. Weil ich mein Umfeld damit nicht belasten will. Und vermutlich noch aus hundert anderen Gründen. Aber das ist mir jetzt egal. Ich bin jetzt eben ein Grinch. Gargamel. Und das liegt nicht am Job, an der Familie, der Beziehung, den Freunden oder der Gesundheit. Das liegt an mir. Das liegt in mir.

Während ich durch das verschneite Schönbrunn spaziere, der wattige Boden meine Schritte schluckt und die Schneeflocken kalte Rinnsäle auf meinen Wangen hinterlassen, spüre ich mich. Und das Leben mit seinen schönen Seiten. Es ist momentan nicht ganz nah, aber es ist nicht so weit weg, dass ich es nicht immer mal wieder zu fassen kriege.