Irland im Winter? oder Dublin Details ohne Farbe

Diese Woche wird es ruhiger hier, da ich Messedienst schiebe und abends wohl todmüde und kopfleer auf die Couch fallen werde und der Computer eher ausgeschalten bleiben wird. Dennoch will ich euch bis zum nächsten magischen Motto (das im übrigen schon fertig ist und ebenfalls farblose Bilder beinhaltet ^.^) visuell nicht auf dem Trockenen sitzen lassen und zeige ein paar Bilder aus Irland. Ihr wisst ja, dass ich mich, wenn es der Ort und die Zeit zulassen, gerne den Details einer Stadt widme, weil sie das sichtbar machen, was im großen wirkt, aber meistens nicht fassbar ist.

Langsam, seit die merklichen irlandbedingten gesundheitlichen Einschränkungen weniger werden, kommen auch andere Dinge in der Erinnerung wieder in den Vordergrund. Was bleibt von 8 Tagen Irland im Winter?

Ich gebe zu, dass der Reisezeitpunkt für Irland über Silvester, also quasi im tiefsten Winter, etwas gewagt war, aber das Internet hatte mir zuvor versichert, dass es nicht ganz so verrückt wäre, wie es sich im ersten Moment anhörte. Letztendlich hatten wir mit Storm Frank einfach ein bisschen Pech, weil das sonst so angepriesene wechselhafte irische Wetter an einigen Tagen zu stürmischem Dauerregen geworden war. Aufgrund dessen mussten wir auch unsere Reiseroute anpassen, da auf vielen Straßen, die keine Hauptverkehrsrouten darstellten, Überschwemmungen vorhergesagt waren und eine unserer Zielstationen (Letterkenny) überhaupt ein wenig unter Wasser stand. Statt einer kleinen Rundreise wurde daraus dann halt eine Hin- und Herreise, von Dublin nach Belfast und wieder zurück. Das wichtigste für mich war, dass wir die Möglichkeit hatten, die Dark Hedges und den Giant’s Causeway zu sehen. Und als Bonus gab es dann noch das Titanic-Museum dazu.

Vermutlich werde ich nie an Irland denken, ohne dass mir im selben Atemzug sowohl der Sturm als auch die Heimreise einfallen. Manchmal gibt es schon so etwas wie eine Ironie des Schicksals, denn die letzten beiden Tage des alten Jahres zogen wir es wegen dem Unwetter stark in Erwägung, frühzeitig abzureisen und statt am 6. schon am 2. Jänner nachhause zu fliegen. Hätten wir das gemacht, wäre mir das wohl alles erspart geblieben.

Ich glaube aber, dass es nicht die einzigen und vordergründigen Erinnerungen bleiben werden und damit hat es sich dann unterm Strich ja wenigstens trotzdem irgendwie ausgezahlt, oder 😉 ?

Wenn ich an Irland denke, dann denke ich an keltische Symbole, die eine magische Ausstrahlungskraft haben.

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An wunderschön verzierte Fenster.

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An Verspieltes und Geradliniges.

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An alte Backsteinbauten und wunderschöne Straßenlaternen.

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An die vielen Spiegelungen, die die Welt so unwirklich erscheinen lassen.

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Wenn ich an Irland denke, dann denke ich an unsere ersten Tage in Dublin (über die Tage in Belfast erzähle ich euch ein andermal).Ich denke an den Regen, der nach Stunden des Umherlaufens gefühlt in jede Pore gedrungen ist. An heillos überfüllte Pubs, die wir nur von außen betrachtet haben, weil drinnen kein Platz zu bekommen war. An unglaublich weite Fußwege, weil es keinen Busfahrplan gibt und das Geheimnis ihrer Strecken für Touristen und Ortsunkundige damit verschlossen bleibt. An einen DART, der uns wirklich JEDES Mal (statistisch unmöglich!) vor der Nase davon gefahren ist. An die vielen Sehenswürdigkeiten, die man nur mit Führung besuchen kann und die immer schon Stunden im voraus ausgebucht sind.

Ich denke aber auch an die zweisprachigen Straßenschilder in englisch und gälisch, die mir das Gefühl geben, als würde für Elben geschrieben. An irlandverliebte irische Taxifahrer, die uns davon erzählen, dass DER Film über Schottland, Braveheart, in Irland gedreht wurde – und noch 100 andere Anekdoten, die ihre Liebe zu diesem Land ausdrücken. An den Moment, wenn der Regen aufhört, der Himmel blau wird und die kleine Stadt zum Leuchten bringt. An die alten Gemäuer, die soviel Geschichte erzählen.  An die Kellnerin in unserem Stammrestaurant im etwas abgelegenen aber dafür umso gehobeneren Stadtteil Sandymount, die uns am dritten Abend schon wie alte Bekannte begrüßte. An das beste genialste (kalorienreichste) Dessert meines Lebens: das Banoffee. Und an einen Strandabschnitt mit Muscheln in der untergehenden Abendsonne, auf dem ich die Fähigkeit, das Schöne in den kleinen Dingen zu sehen, wiederentdeckt habe.