Monochrome Strukturen zwischen des Übels Wurzel und dem Licht.

Letzte Woche habe ich 171 Seiten meiner Jugend gesichert. Händisch. Es hat drei Stunden gedauert, alle Texte, die ich von 2001 bis 2013 im Jetzt-Kosmos geschrieben habe, in ein Word-Dokument zu übertragen. 171 Seiten voller Gedanken und Gefühle, mit denen ich erwachsen geworden bin. 171 Seiten, die mich daran erinnern, was für ein Mensch ich war, was ich empfunden und gedacht habe, was mir wichtig war und was mich bewegt hat.

Jetzt.de war eine Bloggercommunity, bevor es den Begriff Blogger gab. Es war ein Ort, an dem öffentlich Tagebuch geschrieben wurde und es einfach noch Tagebuchschreiben hieß. Bis sich der Episodenfilm etabliert hatte, war dort mein Denkarium angesiedelt.

Schreiben begleitet mich seit ich denken kann. Und seit dem Text von letzter Woche weiß ich auch wieder warum. Denn schreiben hilft ordnen. „Schreiben hilft ordnen, aber nicht lösen“ habe ich eines Tages, vor vielen Jahren unter dem Titel „Erkenntnis“ in eben diesem Netzwerk gepostet. Das stimmt auch heute noch. Lösen muss man selbst, mit Aktionen. Aber lösen kann man erst, wenn man erkannt hat. Zum Erkennen benötige ich klare Strukturen und die ergeben sich erst durch das Schreiben.

Letzte Woche habe ich einen Text darüber veröffentlicht, dass es mir nicht gut geht. Dass ich müde bin und ausgelaugt und erschöpft. Dass es keinen Grund dafür gibt und ich es mir darum nicht eingestehen will. Ein paar Tage danach habe ich festgestellt, dass das so nicht ganz stimmt. Es gibt sehr wohl einen Grund, doch ich konnte ihn lange nicht sehen. Warum? Vermutlich, wie meistens, weil diese Gründe unangenehm sind. Weil immer die Frage ist: wie ändert man die Auslöser? Und weil man manchmal schon so lange müde, ausgelaugt und erschöpft ist, dass man meint, dafür keine Kraft zu haben. Also macht man eben weiter. So lange, bis das Unterbewusstsein dem Körper sagt: Stopp. Es reicht jetzt. Und einen damit zwingt, sich auf die Suche nach den Gründen zu begeben.

Ich habe in den letzten Wochen die mir fast schon liebgewordene Melancholie, den Schwermut, der mich oft Ende des Jahres besucht, für ein Ergebnis des letzten Geburtstages gehalten und den Ursprung dort gesucht. Auch das ist zwar in mir vorhanden, aber nicht der Grund für meinen physischen Knock-out. Es geht um etwas anderes, das sich oft erst auf Umwegen offenbart.

Immer geht es um etwas anderes. Und fast immer geht es um Dinge, die irgendwo in der Kindheit ihren Ursprung haben. Ihr Ursprung findet sich in in diesem Fall im eingebläuten Grundsatz:

Enttäusche nie die Erwartungen (anderer Menschen).

Ich habe Schwierigkeiten damit, wenn Menschen, die hierarchisch über mir stehen, Erwartungen in mich setzen, denen ich mich nicht gewachsen fühle. Insbesondere dann, wenn ich dafür bezahlt werde und das Menschen dementsprechend auch gewissermaßen das Recht auf ihre Erwartungen gibt. Wenn andere etwas in mir sehen oder ich das Gefühl habe dass sie etwas in mir sehen, das ich nicht bin, das ich nicht sein kann und auch nicht sein will.

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Enttäuschte Erwartungen. Versagensängste. Unerreichbare Ziele. Angst vor falschen Entscheidungen und Konsequenzen. Vor zuviel Verantwortung.

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Ich glaube, ich habe endlich die Wurzel des Übels, das mich nun seit geraumer Zeit begleitet, gefunden. Nun bleibt noch die Frage, wie sie behandelt werden muss, damit es am Ende des Tunnels wieder heller wird.


 

Diesen Beitrag passt ganz zufällig grade noch wunderbar zu den 12 magischen Mottos dieses Monat und soll deswegen auch zusätzlich dazu unter dem Motto „Strukturen & Rhythmen“ veröffentlicht werden.