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Winterknistern in der Morgensonne & [Wort] Selbstermächtigung

Vor einer Weile schenkte mir David das schöne, aber auch schwierige Wort: Selbstermächtigung. Zugegebenermaßen war mir dieser Begriff zuvor nicht wirklich bewusst begegnet und erst einige Zeit später kam er mir dann auch in einem Zeitungsartikel unter.

Wikipedia sagt:

Mit Empowerment (von englisch empowerment „Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung“) bezeichnet man Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen sollen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten.

Meinem Gefühl nach ist dieses Wort – pragmatisch gesehen, und auch, wenn es heute oft anders verwendet wird – der ganz eigentliche Prozess des „Erwachsenwerdens“. Es bedeutet für mich, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen un sich bewusst werden, dass Fremdbestimmung oft dadurch zustande kommt, dass man sie zulässt. Es ist der Zeitpunkt, sich zu fragen: in welchem Maß akzeptiere ich das, welche Konsequenzen hat das, es nicht zu tun und wie finde ich den besten Weg, in meiner Gesellschaft und in meiner Welt zu leben und ich zu sein, zu bleiben und zu werden.

Sich seiner selbst zu bemächtigen, nachdem man ein Leben lang fremdbestimmt war – von Eltern, Lehrern, Auszubildenden, Vorgesetzten, ist ein Prozess wie ein Sonnenaufgang an einem von Tiefnebel verschleiertem Tag. Ich erahne das Licht dahinter und eine Zeit lang steht es auf der Kippe, wird die Sonne durch die Nebel brechen oder bleibt der Tag wolkenverhangen?

[Zum Abschluss noch eine Seifenblase, die an diesem Wintermorgen auf einem Teppich von Schneekristallen entstanden ist und eben nicht zum vorigen Beitrag gepasst hat, auch wenn sie ebenso ramponiert und unperfekt ist.]

44 Antworten auf „Winterknistern in der Morgensonne & [Wort] Selbstermächtigung Hinterlasse einen Kommentar

  1. Egal, wie entsprechende Wörter heißen, es ist wichtig, den Zeitpunkt selbst zu erkennen und selbst wahrzunehmen, wann mann/frau beginnt sein Buch des Lebens selbst zu schreiben und nicht andere schreiben zu lassen…
    Du machst das doch schon seit Jahren selbst… und gut🌟
    Toll wieder, die feinen Bläschenbilder!
    Liebe Morgengrüße vom Lu

    • du sagst es. aber oft habe ich das gefühl, dass viele menschen sich gar nicht bewusst sind, dass sie die macht haben, ihr leben selbst in die hand zu nehmen.
      ich selbst muss ehrlich sagen, habe auch oft entscheidungen getroffen, indem ich die verantwortung dafür auf andere abgewält habe und habe andere menschen viel zu stark mein leben bestimmen lassen. erst in den letzten jahren beginne ich zu begreifen, dass ich JEDE entscheidung selbst treffen kann und man einfach die konsequenzen daraus abwägen muss.
      liebe vormittagsgrüße zurück!

  2. Die wenigsten Menschen werden das Wort „Selbstermächtigung“ schon mal gehört haben.
    Ich habe das Gefühl, dass Selbstermächtigung nicht gewollt ist.
    Weder von der Politik, noch von der Wirtschaft.
    „Selbstermächtigung“ bedeutet denkende, unbequeme Menschen und man will uns lieber als angepasste Lemminge.

    • damit hast du sicher recht. menschen, die fragen, sind unbequem. menschen, die sich mit antworten abspeisen lassen, auf fragen, die sie nicht selbst gestellt haben, sind da viel praktischer. und das frustrierende ist: alle information, die es gibt, wurde von menschen bereitgestellt und ein mensch ist nicht zu objektivität fähig. ein henne-ei-problem.

      • „alle information, die es gibt, wurde von menschen bereitgestellt“

        So ist es! Und was macht der Mensch? Er vertrödelt seine Zeit sinnlos auf Facebook.Da darf man sich nicht wundern, warum die Welt so ist, wie sie ist.

      • ja, der mensch per se ist halt eher nicht so intelligent. also jetzt so im durchschnitt. leider. daran haben auch 5000 jahre mal mehr, mal weniger zivilisation nix geändert.

  3. Ein schönes und mir ebenfalls neues Wort! Schön das dieses Projekt mit den Wörtern immer noch lebt… Find ich persönlich sehr spannend und immer wieder genial was Du daraus machst… Bilder passen wunderbar und die „angeschlagene“ Seifenblase wirkt für mich hier wie eine Art Sinnbild für das Wort „Selbstermächtigung“…

    • es schlummert im moment etwas, aber grade letzte woche habe ich 3 ganz wunderbare neue wörter geschenkt bekommen. es ist oft eine tolle inspirationsquelle, ohne die so manch ein beitrag nicht entstanden wären, darum schätze ich dieses kleine dauerprojekt sehr ❤ es sind oft wörter, zu denen ich auch erst einmal selbst keinen bezug hab (wie dieses) aber da ich ja sprache gerne mag, finde ich es umso spannender, mich mit neuen begriffen auseinanderzusetzen, zumal einige davon ja auch durchaus zwiespältig sind.
      die seifenblase passt für mich auch gut. schön, dass bei dir eine ähnliche semantische assoziationskette abzulaufen scheint 🙂

      • Natürlich ist es auch einfacher die Verbindung zwischen Wort und Bild zu knüpfen nachdem ich den Beitrag gesehen und gelesen hab, allerdings schaffst Du es schon immer wieder das Gefühl zu vermitteln, dass alles genauso stimmig ist 😉

      • das stimmt – aber so darf es ja trotzdem auch sein 🙂 und das ist schön. oft entstehen die verbindungen ja auch bei mir durch ein gefühl. entweder ist da ein gedanke und ich frage mich, welche bilder dazu passen könnten – oder eben umgekehrt. aber es ist und bleibt definitiv jedes mal immer wieder spannend zu sehen, ob auch die leser diese verbindung spüren können.

  4. Selbstermächtigung, da hätte ich auch erste einmal darüber nachdenken müssen. Sehr gut herauskristallisiert und auf einen Punkt gebracht. Bei mir, ich erinnere mich noch sehr gut, war dies ein eher schmerzhafter Prozess, vor allem im Beruf plötzlich alleine verantwortlich zu sein … Aber da muss man durch, der eine genießt es, der andere tut sich eher schwer. Sehr schöne Bilder hast Du dazu ausgesucht. LG von Marion

    • vielen dank liebe marion! das wort war tatsächlich eine ordentliche herausforderung. solche begriffe mag ich gern, auch wenn sie meist einige zeit brauchen, bis ich es schaffe, sie zu verarbeiten.
      ich glaube, dass das auch auf alle anderen bereiche zutrifft. für manche ist es leicht, geht es wie von selbst, für andere immer ein kampf. aber so ist das leben wohl.
      es freut mich sehr, dass auch die bilder dazu gefallen ❤

    • so eins hab ich auch schon mal gesehen, das ist sooo toll. allerdings frage ich mich, welche bedingungen da genau dafür notwendig sind, denn ich hab es schon bei unterschiedlichsten temperaturen versucht und so ist es mir noch nie gelungen.

  5. Zu Selbstermächtigung hatte ich auf das erste Lesen eher eine negative Assoziation: selbst, ohne Legitimation durch andere, gar gegen den Willen von anderen, die Macht an sich reißen.
    Aber Du hast recht, das Wort lässt sich auch in einem ganz anderen Kontext sehen und verstehen. Ich werde da mal in Ruhe darüber nachdenken.
    Sei herzlich gegrüßt
    Agnes

    • ja, das hatte ich auch. ich habe auch einen artikel gelesen, in dem das recht negativ dargestellt wurde und dieser begriff hat zweifelsohne auch eine dunkle seite. aber es kommt wohl drauf an, woher man kommt, wie man es sieht.

      • Ich gebe Dir da recht. Eigentlich ist es bei vielen Begriffen so, dass wir sie – je nachdem wie wir geprägt sind, was wir gelernt und erfahren haben – ganz unterschiedlich nicht nur bewerten, sondern auch überhaupt für uns übersetzen und deuten.

        „Selbstermächtigung“ wird für mich immer nach Ermächtigungsgesetz und damit negativ klingen, aber das, was andere damit meinen – sich selbst zu aktivem Handeln (und vorherigem Denken bittesehr) befähigen, eigenverantwortlich zu leben usw., ist von der Sache her grundsätzlich gut, wenn es nicht bedeutet, die Gesellschaft aus der Verantwortung für jene zu entlassen, die aus ganz verschiedenen Gründen gerade auf Hilfe angewiesen sind. Es ist eben nicht so, dass jede ihres Glückes Schmiedin ist, insofern würde Herstellung von Chancengerechtigkeit zur Teilhabe wohl auch dazu gehören.

        Aber wie schon geschrieben, ich habe von diesem Begriff zum ersten Mal bei Dir gelesen und hatte noch nicht viel Gelegenheit, mich damit auseinanderzusetzen, er könnte aber durchaus interessante Aspekte haben.

        Sei ganz herzlich gegrüßt und habe eine wundervolle Osterzeit
        Agnes

      • liebe agnes, das denke ich auch. jeder begriff ist subjektiv konnotiert und mit eigenen assoziationen aufgeladen.
        spannend finde ich, dass „empowerment“ viel positiver klingt und ein englischer begriff ist. bei solchen empfindungen frage ich mich auch immer, inwieweit kulturelles verständnis da mitspielt.
        prinzipiell würde ich diesen begriff eher in den bereich des persönlichen wachstums verorten und damit nicht in zusammenhang damit bringen, dass es bedeutet, andere menschen sich selbst zu überlassen und kollektive verantwortung abzugeben.

        danke für deine lieben wünsche, ich hoffe, du hattest schöne ostertage, trotz all der unbillen der letzten zeit!

      • Allerdings, „empowerment“ klingt wirklich viel besser (den Begriff kenne ich auch von „Früher“, habe ihn gar nicht mit dem deutschen „Selbstermächtigung“ in Zusammenhang gebracht, eben wohl weil ich den Begriff ganz anders assoziiere und fühle).

      • hätte ich auch nicht. aber bei begriffen, zu denen ich erstmal keinen bezug hab, befrage ich mal die bunte suchmaschine und dort habe ich diese verbindung dann gefunden. es wäre natürlich auch eine möglichkeit gewesen, auf die verschiedenen wahrnehmungen dazu einzugehen, aber auf die idee kam ich da erstmal nicht ^.^

      • Das musst Du ja auch nicht, Du hast den Artikel aus Deiner Perspektive geschrieben und mir damit Denkanstöße gegeben. Das ist doch toll.
        Sei herzlich gegrüßt
        Agnes

  6. Deine Gedankengänge mag ich sehr, wieder ein Wort, über das ich noch nicht gestolpert bin, das mich aber zum Nachdenken anregt. Gepaart mit deinen Bildern ist es immer ein Genuss und eine echte Inspiration, mal selbst darauf herumzuphilosophieren. Lieben Dank dafür

    • liebe andrea, das ist ein sehr schönes kompliment und das freut mich wirklich außerordentlich 🙂 ich danke dir vielmals und wünsche dir einen wunderbaren start in die woche!

  7. Ein interessanter Begriff, vor allem im Zusammenhang mit der Frage, wollen wir uns unser selbst ‚ermächtigen‘? Es ist immer wieder leicht verwirrend, festzustellen, wie weit das reicht und in wie vielen Bereichen unseres Lebens wir wie automatisiert dazu neigen, genau das nicht zu tun, sondern uns letztlich anderen oder anderem unterzuorten und unsere Selbstermächtigung nicht anzunehmen. Kompliziert 😀 Aber vmlt. hat sowohl das eine als auch das andere in dem Moment für uns einen Sinn, selbst wenn wir es gern anders hätten 😉 Wertfrei betrachten hilft auch hier … 🙂
    Schöner Beitrag …

    • OH JA! ich glaube, dass man es manchmal gar nicht aushält, das wirklich in allen bereichen zu tun und vielleicht ist es auch gar nicht notwendig. wichtig ist (mMn) – wie so oft – das bewusstsein darüber. solange wir mit fremdbestimmung (sage ich mal so flapsig) zufrieden sind, kann man ja den bequemeren weg gehen, das ist total in ordnung. ich zum beispiel kann mir nicht unbedingt vorstellen, mich beruflich selbständig zu machen – aber in einem angestelltenverhältnis werde ich bis zu einem gewissen grad immer fremdbestimmt sein. die „opportunitätskosten“ wären mir einfach zu groß. letztlich kann das jeder nur für sich selbst entscheiden.

  8. Irgendwie konnte ich mit dem englischen Begriff „empowerment“ mehr anfangen, weil ich Selbstermächtigung so vorher noch nie gehört habe, aber jetzt bin ich wieder ein klein bisschen schlauer 😉 Danke für die kurze Lektion 🙂

    • das stimmt – der englische begriff ist irgendwie geläufiger und gefühlt auch positiver besetzt. aber ich habe ja das deutsche wort dazu geschenkt bekommen 🙂 allerdings ist genau das auch sehr spannend. ein begriff, den man mehr als anglizismus kennt, der in der eigenen sprache ganz anders drüberkommt.
      hihi jederzeit gerne wieder 🙂

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