Frühling in der Stadt: Wiener Stadtsichten / Viennese Cityscapes & [Wort] bräsig

Am 19. September 2016 schenkte mir die liebe Moni ein Wort. Seitdem nagt es an mir, da sich der passende Beitrag dazu einfach noch nicht gefunden hatte. Nun ist es soweit – was lange währt wir endlich gut (oder so). Liebe Moni, heute gibt es ein lang ersehntes Hakerl auf der Wörterliste und ich atme auf 😉

bräsig

Ein Begriff, den ich hier in Wien oder sonstwo noch niemalsnienicht gehört habe. Moni liefert mir aber auch gleich Definitionen dazu:

  1. Das niederdeutsche Wort „bräsig“ ist ein Adjektiv und bedeutet
    wohlgenährt, mit roten Wangen versehen.
  2. träge, behäbig, unwillig, phlegmatisch
  3. auf eine dickfellige Art unflexibel

Und auf einmal ist er da, der Bezug. Bräsig ist meine Stadt. Wien. Wenn ich mir Wien als Mensch vorstelle, dann sehe ich die Person wohlgenährt und mit roten Wangen, von Wiener Schnitzel, Sachertorte, Kaffee mit Schlag und a bisserl an Spritzer.

Wien ist träge, behäbig, manchmal etwas unwillig und phlegmatisch. So ganz haben wir uns hier mit unserer Rolle als Hauptstadt eines sehr kleinen Landes noch nicht abgefunden, waren wir doch einmal das Zentrum des Kaiserreichs. Es hat uns auf eine dickfellige Art unflexibel werden lassen. Aber dennoch ist das alles nicht zwangsläufig und unbedingt negativ. Klar, es färbt auf die Menschen ab und Bewohner einer bräsigen Stadt sind mit Sicherheit ein eigenes Völkchen (und das sind die Wiener in jedem Fall). Aber es ist auch eine Filterblase, es ist zwar wie an manch anderen Orten durch die prächtigen Altbauten ebenfalls ein lebendes Museum, aber dieses Museum lebt tatsächlich. Denn die Wiener (und nichtwienerischen Bewohner Wiens – da muss man unterscheiden!) tummeln sich überall zwischen den Relikten aus der Vergangenheit. Unterm Strich haben wir’s halt gern a bisserl gemütlich und nehmen’s mit dem Stress net ganz so genau, gö’ns, gnä‘ Frau! Werter Herr, lassen’S mi bitte vorbei, i möcht rückwärts aussteigen, es is a bisserl gnädig.

Otto Wagner überall!
Die Votivkirche
Blühende Bäume im Stadtpark
Blühende Bäume um die Hauptuni
Derf's a bisserl gülden sein?
Weiße Details
Motive im Zentrum
Verbliebene Blüten

Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, Freudianer, Tolkienist, Freizeitfetischist, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Träumermädchen. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

31 Kommentare zu „Frühling in der Stadt: Wiener Stadtsichten / Viennese Cityscapes & [Wort] bräsig

      1. dankeschön ❤ obwohl es in der entstehung meist andersrum ist. die bilder sind da und es braucht zeit, bis ein text dazu entsteht…

  1. Bräsig gibt es bei uns im schwäbischen auch nicht. Ich habe erst mal deine Erklärung durchgelesen und dann langsam nach Wiener Art mir deine wunderschönen Fotos von Wien angeschaut. Ein toller Beitrag von Wien und ein Besuch würde ich gerne mal wieder machen
    LG und einen schönen Mittwoch
    Andrea

  2. Bräsig ist aber schon alt, oder??? Ich kenne es in der Anwendung 2 und 3 deiner Liste, es gehört aber definitiv nicht in den neueren Sprachgebrauch meiner Zwerge – ich bin da in einer fortwährenden Nachschulungsphase 😉 Denke bräsige findest du überall und zunehmend mehr – habe ich den Eindruck 😉

    Es ist immer wieder schön mit Dir und Deiner Sichtweise durch Städte zu wandeln …

    Und ich weiß immer noch nicht, warum das liken bei dir nicht geht …

    1. ja, lt. der quelle, die ich gefunden hab, ist es kein gebräuchliches wort mehr. aber ich finde es immer toll und schön und spannend, solche ausdrücke kennenzulernen und irgendwann etwas mit ihnen zu verbinden.
      wie du sagst, auch wenn die nutzung des wortes verebbt, die bedeutung tut das (oft leider) nicht…
      das mit dem liken ist doof -.- es ist echt seltsam, außer dir hat noch keiner gesagt, dass das problem ebenfalls auftritt. umgelehrt können markus von point blank und ich bei werner von alleaugenblicke nicht mehr kommentieren. wordpress macht grade wohl komische dinge.

  3. Mal wieder mit Dir unterwegs und durch Deine Augen geschaut … sehr schön, Dein Wien. Genauso kann ich mir die Stadt vorstellen, ein wenig bräsig eben ….. danke fuilmals gnä Frau!

    1. liebe marion, wie schön von dir zu lesen!
      ich habe das gefühl, den eindruck gut vermittelt zu haben, das freut mich sehr! im sommer ist wien übrigens besonders bräsig. wobei. im winter eigentlich auch 🙂 (außer zur weihnachtszeit).

  4. Wunderbar 🙂
    Das Wort kannte ich bisher auch nicht. Schön dass man hier immer wieder was dazu lernt.

    Deine Bilder sind traumhaft und der Text passt super zu dem Wort. Deine Beschreibung von Wien, das harmoniert einfach und passt auch bei mir im Kopf zusammen. Wien habe ich auch letztens wieder genau so wahr genommen. Irgendwie Großstadt und irgendwie halt trotzdem noch … bräsig? 🙂
    Wien ist einfach wunderbar, weitläufig mit so vielen wunderschönen Flecken, mit grün und netten Leuten, mit einem herrlichen Slang, den ich doch auch immer ein bisschen im Ohr habe, wenn ich von dir etwas lese.

    P.S. heute ist es sich endlich mal wieder ausgegangen, dass ich kommentiere. ❤
    So tiefe Liebe zu dir und zu Wien, der bräsigen Stadt 🙂 🙂 🙂

    1. Ja, das finde ich auch. Es ist tatsächlich immer wieder spannend – und passiert von Mal zu Mal wieder – dass ich ein Wort geschenkt bekomme und mir denk: „Häh?“ und irgendwann einmal sind Bilder da, das Wort taucht auf und die Verbindung ist klar. Das ist das besonders Schöne an diesem Projekt.

      Ach es freut mich sehr, dass du Wien so magst ❤ und auch, dass ich dich hier mal wieder lesen kann ❤ ❤ ❤

  5. Klasse interpretiert und wunderschön bebildert, liebe Paleica,
    so ganz und gar nicht „bräsig“! 😉
    Wien darf so sein wie es ist, mit allem „Küss di Hand, gnä‘ Frau“ etc. Das gehört einfach zu Wien, gell.
    Danke für die Mühe, die Du Dir mit diesem alten Adjektiv gemacht hast.
    Liebe Grüße
    moni

    P.S.: Hast Du eigentlich noch „Wörter“? Oder bist Du inzwischen wortlos zufrieden….

    1. vielen dank liebe moni und danke auch an dieser stelle nochmal für die inspiration, auch wenn sie mich zwischendurch zur verzweiflung getrieben hat 😉
      und ja, du sagst es. wien wäre nicht wien, wäre das anders.
      ich nehme immer gern neue wörter, mittlerweile habe ich die liste ja schon einigermaßen abgearbeitet ^.^

  6. Bräsig? Wirklich? Vor 13 Jahren habe ich Wien besucht, aber bräsig wäre mir da nicht als Beschreibung in den Sinn gekommen. Und ich kenne das Wort. Von meiner Oma. Sie benutzt es, aber nie in Bezug mit Wien. Allerdings kennt sie wiederum Wien nicht. Vielleicht würde sie Deine Ansicht teilen 😉

    Alles in allem mag ich Deine hier gezeigten Ein- und Ansichten von Wien – ob bräsig oder nicht bräsig, spielt ja nun wirklich keine Rolle so lange es gefällt …

    1. wien hat vermutlich viele verschiedene seiten und je nachdem auch, in welcher stimmung man zu besuch kommt, nimmt man eine andere seite wahr. falls du mal wieder nach wien kommen solltest, kannst du es ja mal aus diesem blickwinkel betrachten 🙂
      danke für deine lieben worte, es ist immer so schön, wenns gefällt!

  7. ‚Bräsig‘ kenne ich als Bezeichnung für ‚ein bisschen dämlich‘ 😀 So kommt mir deine Stadt gar nicht vor … aber ich war ja noch nie dort, deshalb kann ich es gar nicht beurteilen. Die Bilder sind so gar nicht bräsig, vllt gemütlich und vllt sehr historisch, nach hinten gerichtet, man möchte nicht so rehct gestört werden, aber wer will das heute schon noch? Wobei ’sich stören lassen‘ durchaus zu unerwarteten Erlebnissen und Bereicherung führen kann. Und zur Lebendigkeit beiträgt.
    Aber nicht immer, manchmal mach ich auch lieber ungestört (bräsig) in meiner Filterblase ein eigenes Ding 😉 …

    1. ja, diese bedeutung gibt es auch – die hätte ich hier aber auch nicht unbedingt verwendet. obwohl ich sagen muss, dass es das schon gibt. also man findet so eine spezielle spezies an wienern, auf die das definitiv zutrifft 😉
      dieses nicht gestört werden wollen ist hier eine große sache, sowohl in der stadt, als auch in der wirtschaft, als auch im leben von jedem einzelnen. das ist der große unterschied zu rom. rom lebt mit der antike, mit dem barock, mit allen zeiten. wien ist da anders, wie es venedig auch ist. jede stadt hat ihren eigenen puls.

  8. 😂🤣 ‚bräsig‘ …ein cooles Wort, allein schon der Klang verbreitet eine Aura, bei der man nur schmunzeln kann.
    Aber, liebe Paleica, meinst du echt, das Wien bräsig ist? Vielleicht kann man ja ein ganz neues Wort erfinden, das es noch gar nicht gibt… ’schmäähl‘ oder so … 😁😊

  9. Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich war noch nie in Wien. Dabei will ich da schon so lange hin…daher kann ich das jetzt mit bräsig und Wien überhaupt nicht beurteilen. Macht nix. Dafür finde ich deine Bilder wie immer große klasse!

    Ganz liebe Grüße!

    1. ach das macht doch nix. wien rennt nicht davon, ein paar jahre wirds schon hoffentlich noch stehen 🙂 aber wenn du mal nach wien kommen solltest, dann meld dich gern bei mir 🙂
      ich freu mich sehr, wenn die bilder gefallen! ❤

  10. Deine Beschreibung für Wien ist so treffend! Und jetzt aus der Ferne betrachtet, denke ich mir „Wien, bleib so wie du bist“. Hach wie ich meine Heimatstadt gerade vermisse 😦

    1. ohhhh 😦 ja, wien ist einfach was ganz eigenes, in so vielen belangen. manchmal wenn man mittendrin ist super anstrengend und nervig, aber trotzdem so zuhause…

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