#travelathome: Das Paradies vor der Haustür || Ötscher:Reich: Erlaufsee und Lunzer See

Allem voran: ihr seid DEFINITIV die beste Community aller Zeiten. Danke für eure persönlichen und wunderbaren Kommentare zur letzten Blogparade. Diese Art von Austausch ist es, die mich so süchtig nach diesem Hobby macht. Man kann auf einmal am Leben so vieler Menschen teil haben und Teil ihrer Gedanken werden, man darf Persönliches geben und bekommt es zurück. Ihr seid einfach der Wahnsinn! Ich liebe euch 🙂

So, und jetzt zum Artikel… Ich habe mir selbst den Anstoß zu einer neuen Kategorie gegeben: #travelathome. Ich kann noch nicht sagen, was sich daraus entwickelt, ob sich daraus was entwickelt oder ob es ein „Einzelfall“ bleibt. Aber ich möchte zumindest den Gedanken dazu erstmal festhalten und ihn nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber mich drückt das Fernweh, die Sehnsucht nach exotischen, fremden, neuen Orten. Es ist etwas, das immer dabei ist, wie ein kleines Wölkchen. Etwas, das immer so ein ganz klein wenig unglücklich macht: der Gedanke an die große weite Welt, von der man doch immer nur so kleine Ausschnitte sieht. Dabei vergisst man oft eines, nämlich: was es zuhause alles zu entdecken gibt.

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Ich habe das Zitat des Dalai Lama kürzlich erst verwendet, es will hier aber noch einmal bemüht werden:

Once a year, go someplace you’ve never been before.

Dieses Zitat kann man, denke ich, auf zwei Arten interpretieren. Erstens: geh wohin, wo du noch nie warst. Wo es fremd ist. Wo du dich herausforderst, wo du deine Grenzen testest, wo du weit weg von zuhause bist und dich neu kennenlernst – das ist die, so glaube ich, momentan sehr gängige Art und Weise, dieses geflügelte Wort zu interpretieren und es ist auch das, was ich lange Zeit darin gesehen habe.

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Ich sehe heute aber auch etwas anderes darin, nämlich: geh raus aus deiner Haustüre und biege einfach mal wo anders ab. Wir alle haben im Alltag unsere Trampelpfade. Unsere Routinen und Gewohnheiten. Brich aus aus deinen Gewohnheiten, tu etwas, das du normalerweise nicht tust. Und dafür muss ich nicht erst zum Flughafen fahren. Dafür kann ich mal eine Ubahnlinie nehmen, mit der ich sonst nie fahre und an einer Endstation aussteigen, an der ich noch nie war. Ich kann anstatt nach Perchtoldsdorf einmal nach Klosterneuburg zum Heurigen gehen. Anstatt auf den Anninger auf den Kahlenberg. Ich kann mich ins Auto setzen und den Neufelder See gegen den Erlaufsee tauschen, statt nach Salzburg einfach mal nach Budapest fahren.

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Fernweh kommt (bei mir) oft daher, weil ich ausbrechen will aus meinem Leben, aus dem Trott, weil ich Abwechslung und Tapetenwechsel suche. Nicht, weil mein Leben furchtbar ist, aber weil es die Akkus auffüllt, den Kopf mit Erinnerungen und das Herz mit Glücksgefühlen. Der Frust kommt (bei mir) oft aus dem Gefühl, dass ich  dafür zu wenig Urlaubstage übrig habe, zu wenig Geld, zu wenig Zeit und zu wenig Möglichkeiten.

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Aber wenn man es genau nimmt und auf das reduziert was es ist: einfach mal raus aus der Gewohnheit, dann gibt es noch viele, viele unbekannte Spots, weiße Flecken auf der Landkarte im Radius „erreichbar für ein Wochenende“, die man noch nicht kennt.

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Warum ist das so? Weil man zu bequem ist, für vermeintlich unspektakuläre Minireisen: früh aufzustehen. Sich aus seiner Komfortzone zu bewegen. Zu recherchieren. Weil es immer da ist und man es auf morgen verschiebt. „Das möcht ich auch einmal machen.“ – wie oft schrieb ich diesen Kommentar auf Blogs von Menschen, die Wochenendausflüge in meiner Region gemacht, Restaurants ausprobiert, Ausstellungen besucht haben?

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Wieso nicht am nächsten freien Tag? Wer, wenn nicht wir? Wann wenn nicht jetzt?

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Lange Zeit war Fernweh etwas, das mir nicht bekannt war. Weil ich in der Lage war, mich vom Kleinen begeistern zu lassen. Ich war verliebt in Italien und fasziniert von österreichischen Seen und Burgen. Ich konnte nicht genug bekommen vom Bergpanorama, von frischer Regenluft und Seensonne.

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Dann kamen Pinterest, Travelblogs, die Verwirklichung meines USA-Traums und auf einmal erschien mir dieses Land so klein und unbedeutend.

Wenn du die Größe der Welt erfassen willst, dann geh zu Fuß.

Ich habe verlernt, mir Zeit zu nehmen. Kreuzfahren und Roadtrips verwöhnen das Reiseherz, sie füllen einen voll mit Eindrücken, die man kaum verarbeiten kann. Es gibt ununterbrochen etwas Neues zu sehen, im Stundentakt will eine neue Erinnerung gespeichert werden.

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Die Schlagzahl der Ereignisse ist berauschend. Es bleibt keine Zeit für Details und für die kleinen Momente. Und das ist die Stärke des Kleinen und Nahen. Man kann sich Zeit nehmen den Ort zu erspüren. Seine Eigenheiten mitzunehmen. Die Luft zu atmen und den Wind zu spüren, ohne ein Pflichtfoto nach dem anderen zu schießen.

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Man hat Zeit, das Gras zu riechen und das Sonnenspiel auf dem Wasser zu beobachten. Und vielleicht, vielleicht hat man sogar die Zeit, für einen ganz kleinen Moment zur Ruhe zu kommen und sich daran zu erinnern wie es war, damals, als sich die Welt noch groß anfühlte, weit, fremd und geheimnisvoll und nicht wie eine To Do Liste auf Papier gebannt, die es abzuhaken gilt.

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Erlaufsee:
Der Erlaufsee ist ein Bergsee auf 827m Seehöhe, nordöstlich von Mariazell, am Fuße der Gemeindealpe, in der Nähe von Mitterbach am Erlaufsee (Niederösterreich). Er ist 58ha groß - davon 1,5km lang und an der tiefsten Stelle 38m tief.
Wikipedia sagt, dass ein Text über den Erlaufsee sogar von Franz Schubert vertont wurde. 

Lunzer See:
Der Lunzer See liegt auf einer Seehöhe von 601m am Fuße des Dürrensteins. Im Sommer wird der See bis 25 Grad warm. Er hat eine Fläche von 68ha und ist 1,7km lang. An der tiefsten Stelle ist er 34m tief. 
Mehr Informationen zum Lunzer See auf der Website von Lunz.

Ötscher-Reich:
Beide Seen liegen in der Ötscherregion, die heuer sogar Thema der Niederösterreichischen Landesausstellung ist. Das Ötscher-Reich liegt im niederösterreichischen Mostviertel und wird in 15 Stationen aufgeteilt. Eine davon ist zB der berühmte Wallfahrtsort Mariazell.
Ich habe die Landesausstellung leider selbst nicht gesehen, wer sich dafür interessiert kann aber einen Blick auf die Website werfen.