Eine Wanderung durch Bruchtal – Wasser & Lebenseinstellung: Slow Living

Inspiriert von der „Slow Travel“-Kategorie auf 1Thingtodo habe ich festgestellt, dass es dieses Konzept ist, das ich seit einiger Zeit versuche, auf mein Leben zu übertragen. Mein Leben war bisher von verschiedenen Phasen geprägt. Begonnen in der Pubertät, als ich wollte aber nicht durfte, über die Jahre danach, als ich das Gefühl hatte, alle Zeit der Welt zu haben und mit dieser höchst verschwenderisch umging, indem ich sie einfach ungenutzt verstreichen ließ, über den Knack- und Wendepunkt, an dem ich angefangen habe, jede Minute mit Lebenswertmomenten vollzupacken, um Verlorenes aufzuholen und ja nichts Weiteres zu versäumen, das mehr an bulimisches Erleben erinnert hat als an das Leben an sich, bin ich nach einer ziemlichen Notbremse meines Körpers an dem Punkt angelangt, an dem ich versuche, mein Tempo zu finden und auch zu respektieren.

Slow Travelling bedeutet im Endeffekt nichts anderes, als sich für kleinere Räume mehr Zeit zu nehmen, anstatt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen. Es geht vom Sehen und Abhaken weg zum Erleben und Empfinden. Diese Strategie lässt sich genauso auf das tägliche Leben anwenden. Der Körper und die Seele brauchen Ruhephasen, sich jeden Tag strikt durchzuplanen, um seine Zeit zu nutzen, lässt irgendwann einmal die Sicherungen durchbrennen.

Ich will wieder lernen, bewusst zu leben. Nicht immer drei Sachen gleichzeitig machen, jeden Moment mit dem Auge auf dem Smartphone. Hinaus in die Natur gehen, den Durft von Flieder und frisch gemähten Wiesen einatmen. In mich hineinhören: „Was gibt mir ein gutes Gefühl?“ und weg von der Frage: „Was sieht gut in meinem Instagram-Stream aus?“. Ich gebe es nicht gerne zu, aber meine Besessenheit vom Wegfahren, die ich im vergangenen Jahr an den Tag gelegt habe, hatte auch damit zu tun, dass es mir ein gutes Gefühl gab, zu wissen, dass andere mich darum beneideten. Nicht jeder Trip kam von Herzen, obwohl alle tolle Erfahrungen waren, aber es war soviel, dass ich das Erlebte kaum verarbeiten konnte, bis schon wieder das nächste Erlebnis anstand. Ich will die Ausflüge, in die nähere und fernere Fremde wieder in vollen Zügen genießen und nicht aus Bestätigung tun.

Der Wert meines Lebens lässt sich nicht an der Anzahl der Grenzüberquerungen innerhalb eines Jahres messen.

Mein Jahr 2015 war aufregend, rückblickend gesehen fühle ich mich wie Super Mario in einer der vielen Jump and Run-Welten. Die vielen Trips waren wichtig, um mir trotz meines Rückens das Gefühl zu geben, etwas erleben zu können. Jetzt bin ich an einem anderen Punkt – an einem Punkt, an dem ich vor allem von dem Stress wegkommen will, den ich mir selbst gemacht habe. Die Welt hat soviel Schönes zu bieten und etwas davon möchte ich sehen. Aber es muss nicht immer so weit weg sein. Vor der Haustür wartet so vieles, das ich noch nicht kenne. Wie zum Beispiel die Myrafälle, die wir an einem traumhaften Herbsttag letztes Jahr besucht haben.