Frühsommertag im Belvedere & Serienempfehlung: Downton Abbey mit einem Exkurs zum Thema Emanzipation und Feminismus

Das vermutlich bekannteste Schloss in Wien (schätzungsweise allerdings NACH meinem Lieblingsort Schönbrunn ^.^) ist das Schloss Belvedere. Es steht noch viel mehr mitten in der Stadt als das kaiserliche Sommerschloss und ist ebenfalls von einem zauberhaften Garten umgeben.

Das Belvedere besteht eigentlich aus zwei Gebäuden: dem oberen und dem unteren Belvedere. Wenn man „Belvedere“ sagt, meint man allerdings im landläufigen Sinn das obere Belvedere. Beide Gebäude sind heute Museen, im oberen ist der berühmte „Kuss“ von Gustav Klimt ausgestellt.

Erbaut wurde es im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts für Prinz Eugen. Politisch relevant war es noch einmal im 20. Jahrhundert, als dort 1955 der österreichische Staatsvertrag unterschrieben wurde. Für alle die mehr wissen wollen, einmal weiter zu Wikipedia 🙂

Und da Schlösser im barocken Stil immer an vergangene Zeiten erinnern, passt die Kulisse gut für die schon länger geplante Serienvorstellung. Unsere jüngste Amazon Prime-Leidenschaft:

Downton Abbey

Ich weiß, dass mir die Serie empfohlen wurde, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, von wem. Aber das macht ja nichts. Unbekannt ist sie nicht, aber in der heutigen Zeit verliert man ja leicht den Überblick und ich dachte, sie ist es wert, ein paar Worte darüber zu verlieren.

Die erste Staffel beginnt im Jahr 1912, der Ort des Geschehens ist Downton, ein fiktiver Ort in Yorkshire und wir lernen die Familie Crawley kennen. Die Serie dreht sich in 6 Staffeln vordergründig um die Familie, das Personal und das Leben auf Downton Abbey. Hintergründig werden aber unglaublich viele Elemente eingearbeitet, die sich sehr subtil entwickeln und viel Gefühl über die Ereignisse geben, die das frühe 20. Jahrhundert geprägt haben. Wikipedia verriet mir außerdem, dass die Serie 2011 ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen wurde als „von Kritikern am besten bewertete Fernsehserie des Jahres“ und das wundert mich nicht.

Natürlich muss man, um sich Downton Abbey anzuschauen, ein gewisses Interesse an zwischenmenschlichen Verstrickungen haben. Interessant ist sie aber auch, weil sie sehr detailgetreu darstellt, wie die Gesellschaft damals getickt hat. Vor allem aber enthält die Serie mehr politische Elemente, als es zuerst den Anschein hat. Insbesondere die Frauenbewegung ist etwas, das – ohne aufdringlich zu sein – einen gewissen Platz in der Handlung einnimmt.

Frauenrechte, Emanzipation und Feminismus sind ja an sich bis heute schwierige Themen. Vor allem ist es ein Bereich, über den ich mich üblicherweise nicht öffentlich auslasse, aber ein Chat mit der wundervollen FrauHeldin hat mich nicht nur dazu veranlasst, euch hier die Serie Downton Abbey vorzustellen, sondern auch, dieses Thema aus meinem Gehirnaktenordner hervorzuholen. Es ist nämlich ein Thema, das mir am Herzen liegt, das mir wichtig ist und für das es dennoch aus verschiedenen Hintergründen oft schwer ist, einzustehen.

Die Zeit, in der diese Schlösser belebt waren, ist verknüpft mit Historiendramen und viel Romantik, mit Pomp und Protz, mit rauschenden Festen und glühenden Lieben. Doch so glamourös, wie es uns scheint, war es wohl oft nicht. Frauen durften nicht wählen, nicht erben, hatten kein Mitspracherecht in öffentlichen Dingen und waren im Allgemeinen in vielerlei Hinsicht immer irgendwie von irgendeinem Mann abhängig. Das alles zu hören klingt für mich wie aus einem schlechten Roman, aber es war Realität und ist es in vielen Ländern heute noch. In unsere Sprach- und Lebensraum haben wir vieles geschaffen und darüber bin ich außerordentlich glücklich. Gleichzeitig nehme ich mir aber das Recht heraus, es als selbstverständlich anzusehen. Vielleicht ist das anmaßend, aber für mich ist es das auch und ich lebe danach. Ich hatte in meinem Leben alle möglichen Selbstzweifel, aber niemals welche aus dem Grund, dass ich eine Frau bin und bisher bin ich abgesehen von einem ärgerlichen Intermezzo in meiner alten Autowerkstätte auch noch nie mit derlei Vorurteilen konfrontiert worden.

Zu meinem Glück bin ich in einem Umfeld aufgewachsen und wurde auch danach erzogen, dass sich das bei mir ausprägen konnte. Meine Mutter hat schon studiert, beide Großmütter haben gearbeitet (zumindest zeitweise) und hatten auch ihren eigenen Kopf. Rollenbilder gab es, aber weil man es sich so ausgemacht hatte, nicht, weil es von der Gesellschaft so verlangt wurde. Allerdings wurde dieser Umgang mit Geschlechtern bei uns nie Feminismus genannt, es war eben einfach wie es war. Ich habe keine Geschwister und habe als Einzelkind sowohl mit Lego und Matador, als auch mit Puppen gespielt. Ich war immer besser mit Worten als mit Zahlen, schrieb das aber nie meinen Chromosomen zu.

Dennoch staunte mein Vater nicht schlecht, als ich gesagt habe, mein Freund und ich kochen gemeinsam und ich erwarte von ihm, dass er seine Hemden bügeln kann wenn er welche hat – immerhin arbeiten wir beide Vollzeit, also gehört es sich auch, dass wir die anfallenden Arbeiten teilen. Es macht nicht jeder alles und ich überlasse ihm den Werkzeugkoffer und er mir die Waschmaschine, aber nicht aus Prinzip, sondern weil es sich so ergeben hat und keinen von uns stört. Und das ist ein Punkt an der Sache, der mir wichtig ist.

Ich schrieb weiter oben: es fällt mir schwer, für dieses Thema einzutreten, obwohl es mir wichtig ist. Warum? Das ist einfach zu beantworten. Weil in meinen Augen und nach meinem Gefühl im heutigen feministischen Diskurs der westlichen Welt viel zuviel „muss“ und viel zuviel „Urteil“ liegt. Mein grundsätzliches Verständnis von Emanzipation ist Gleichberechtigung im Sinne dessen, dass jeder Mensch, unabhängig davon, wer oder was er ist, sein Leben so gestalten kann wie er möchte. Lassen wir diesen hehren Gedanken bitte vorerst einfach so stehen. Ich bin der Meinung, dass man nicht durch die Gesellschaft (durch welche auch immer) unter Druck gesetzt werden sollte in dem, was man tut. Und ich spreche hier nicht über den klassischen politischen Feminismus, denn vermutlich verstehe ich zu wenig um mir Urteile um Gehaltsscheren, Frauenquoten u.Ä. anmaßen zu können. Aber ich verstehe eines und das ist, dass von mir als Frau erwartet wird, irgendwie alles unter einen Hut zu bringen. Es wird erwartet, dass ich unabhängig bin – emotional wie finanziell. Es wird erwartet, dass ich Kinder in die Welt setze, ohne mein eigenständiges Leben aufzugeben. Dass ich keine Zugeständnisse im Beruf machen muss, „nur“ weil ich Kinder habe und dass gleichermaßen meine Kinder keine Zugeständnisse machen müssen, „nur“ weil ich arbeite. Sage ich, ich möchte eine Familie und meine Berufstätigkeit reduzieren, bin ich ein konservatives Hausmütterchen, sage ich ich möchte zwar eine Familie, aber meine Karriere nicht beschneiden, bin ich eine schlechte Mutter und will ich keine Kinder bin ich ein Egoist.

Der letzte Absatz ist natürlich gespickt mit einer Prise Zynismus und die Lage der Frau in Österreich im 21. Jahrhundert ist selbstverständlich mit der vor 100 Jahren nicht zu vergleichen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass wir uns von einer Misere in die nächste manövrieren. Ich wünsche mir von einer emanzipierten Welt, dass jedem Menschen die Entscheidung darüber, wie er/sie sein Leben plant und führt, selbst überlassen wird, ohne dass x andere Personen mit Argosaugen drumherumstehen und tuscheln (solange keine andere Person deswegen zu Schaden kommt). Ich wünsche mir, dass jeder Familienmensch, sei es Männlein oder Weiblein, sich so oft reproduzieren kann wie er möchte, seine berufliche Laufbahn (in Abstimmung mit der in die Welt gesetzten Familie) soweit einschränkt oder erweitert, wie es alle Beteiligten glücklich macht und dass all jene, die der Meinung sind, ihre Gene nicht weitergeben zu wollen oder zu müssen, dies auch unbehelligt tun dürfen.

Interessant an dieser Sache finde ich übrigens auch (wenn auch schmerzlich interessant), dass das Werten und Urteilen sehr sehr oft gar nicht von Männern, sondern von Frauen ausgeht. Warum ist das nur so? Warum freuen wir uns nicht miteinander, wenn jemand seinen Weg gefunden hat, mit dem er/sie glücklich ist?

So, und jetzt zerfleischt mich bitte nicht. Kritische Auseinandersetzung ist selbstverständlich erlaubt, sofern konstruktiv auch erwünscht, aber Netiquette und so.

PS: Ich habe hier nur die weibliche Situation beleuchtet, weil mir die nunmal nahe liegt. Es ist mir durchaus bewusst, dass auch für Männer in dieser Welt nicht alles rosarot und Eitelsonnenschein ist, darüber sollte aber bitte ein Mann einen Text verfassen, den ich dann mitfühlend und verstehend kommentieren kann 🙂