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Die letzten Sonnenstrahlen in Schönbrunn Pt. I: Blätter & Schönheit von außen und von innen

Die Tage sind merklich kürzer, die Sonnenstrahlen wärmen uns angenehm ohne uns den Schweiß aus den Poren zu treiben. Wir suchen sie, die letzten goldenen Tage. Wir saugen sie in uns auf, weil wir wissen, dass sie weniger werden und wenn das nächste Mal die Sonne wirklich wärmt, werden wieder einige Monate vergangen sein. Dennoch hat genau diese Stimmung ihren eigenen Charme und ihre eigene Schönheit.

Blätter, vor allem die bunten, sind eine meiner großen fotografischen Lieben (gibt es Plural von Liebe?). Ich liebe es, wenn sie von der Sonne angeleuchtet werden. Wenn sie mit Wasser betropft sind. Wenn sie in all den Farben des Spektrums leuchten. Wenn sie matt und trocken raschelnd den Boden bedecken. Blätter sind von unscheinbarer Schönheit, vor allem einzeln betrachtet. Jedes für sich ist ein Unikat, jedes hat seine eigenen perfekten und unperfekten Stellen, jedes hat seine eigene Geschichte zu erzählen und jedes einzelne wird zum Motiv, wenn man sich ihm widmet. Selbst die vertrocknetsten Blätterskelette können, aus manchen Perspektiven betrachtet, Schönheit verkörpern.

Das ist es mitunter, was ich an der Fotografie liebe. Das sich-auseinandersetzen mit Motiven, sie genau betrachten und den Blickwinkel finden, der zeigt, was sie sein können. Genau hinschauen und Unscheinbares entdecken. Manchmal auch Schönheit im Hässlichen finden.

Und dann frage ich mich: wieso machen wir das bei leblosen Dingen, aber nicht bei Menschen? Wieso nehmen wir uns so selten die Zeit, das Schöne in anderen zu erkennen und zum Vorschein zu bringen? Wieso suchen wir nach der verborgenen Schönheit von Dingen, die nicht sprechen können, während wir für die innere Schönheit von Menschen so oft keine Zeit haben? Auch einer meiner letzter Artikel handelt von diesem Thema.

Als wir an einem Oktoberwochenende meinen Wunsch erfüllten, eine Semmering-Wanderung zu machen, trafen wir einen Mann. Eigentlich trafen wir einen Hund. Denn am ersten Aussichtspunkt schnüffelte mir aufgeregt eine schwarze, feuchte Nase entgegen. Ich kraulte einmal kurz den Kopf (und hatte natürlich schon wieder mein Herz verloren), widmete mich dann aber dennoch dem Ausblick, auch, um nicht unhöflich zu sein (fremde Menschen und ihre Hunde, man weiß ja nicht so genau ob die das mögen). Wie das bei solchen Wanderungen am Land nunmal ist, begegneten wir uns kurze Zeit darauf am Weg wieder. Der Hund begrüßte mich wie eine alte Freundin, verfing sich vor lauter Begeisterung kurz in meinem Tuch und um mich war es natürlich komplett geschehen. Scherzhaft sagte ich zum Besitzer „nicht, dass ich ihn noch mitnehme.“, worauf er mit einem leicht gequälten Lächeln sagt: „Naja, einer muss ja auch bei mir bleiben.“

Der Mann war – im Gegensatz zu mir – alleine unterwegs und in dieser Aussage lag soviel Schmerz wie ich vermutlich in meinem ganzen Leben noch nicht von einem völlig Fremden in nur einem Satz wahrgenommen habe. Er wirkte freundlich. Vielleicht um die 40, rundlich, mit Halbglatze. An sich unauffällig. Nicht mit dem besten Aussehen beschenkt, aber warum ist das immer noch so wichtig? Diese Frage dreht sich seit Wochen häufig in meinem Kopf. Warum kommt man in einer jahrhundertelang zivilisierten Gesellschaft immer noch nicht über die grundlegenden Muster von Säugetieren hinweg?

Warum ist es wichtig, wieviele Haare wir haben? Warum fühlen wir uns menschlich unzulänglich, weil unser BMI zu hoch oder zu niedrig ist? Warum halten sich alle für schlau, aber nicht für schön? Wäre es nicht manchmal anders rum besser? ^.^

Im Grunde braucht es nicht viel. Kein Mensch braucht 100 Freunde – aber wenigstens einen. Und deswegen wünsche ich mir für jedes Kind, das vielleicht das Pech hat, in diese Gesellschaft geboren zu werden ohne ganz den optischen Anforderungen zu entsprechen, dass es auf ein anderes Kind trifft, dessen Eltern es ermutigen, ihm eine Chance zu geben, damit es seine wahre Schönheit entfalten kann. Denn wer in der Kindheit alleine gelassen wird, hat es auch später oft schwer…

Den Text bis hierher habe ich geschrieben, kurz nachdem wir diesem Mann begegnet sind. Einige Wochen später entdeckte ich die Blogparade #NoMobbing. Ich finde, das ist ein enorm wichtiges Thema, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, weswegen ich mich daran auch beteiligen möchte.

Ich war als Kind an sich (und bin es bis heute) ein Gerechtigkeitsfanatiker. Ich habe Menschen meistens nur dann abgelehnt, wenn sie mir einen Grund dazu gegeben haben und habe es selten geglaubt, wenn mir andere von jemandem abgeraten haben – auch wenn ich damit dann oft genug auf die Nase gefallen bin.

Während ich einige Artikel zur Parade gelesen habe, hat auch meine Erinnerung gearbeitet. Bei den ersten Artikeln kommentierte ich, dass ich nichts mit Mobbing zu tun hatte und mir sowas nicht begegnet ist. Beides stimmt nicht, denn leider habe auch ich einmal ein Mädchen schlecht behandelt. Ich kann bis heute nicht sagen, warum es dazu gekommen ist. Es war Tenniscamp, wir waren zu dritt eine Woche lang in der Gruppe, eine Freundin, ein unbekanntes Mädchen und ich. Warum wir sie nicht aufgenommen haben weiß ich heute nicht, weil das eigentlich nie meine Art war. Vermutlich durch die Dynamik mit meiner Freundin, da wir ansonsten immer in einem gewissen Wettkampf standen – und wenn einmal dieser Schalter fällt, dann ist es schwer, ihn wieder umzulegen, obwohl ich gegen Ende der Woche schon ein richtig schlechtes Gewissen hatte. Ich weiß noch, dass ich versucht habe, aus dem Muster rauszukommen, aber meine Freundin hat mich immer wieder aufgestachelt und so war es für das dritte Mädchen vermutlich eine ziemliche Horrorwoche. Ich habe bis heute ein schlechtes Gewissen und würde mich wohl immer noch gerne bei ihr entschuldigen. Jedenfalls habe ich mich durch und durch falsch verhalten – und war mir dessen bewusst. Es gab nicht mal einen Grund dafür, es ist einfach passiert – weil ich es konnte und weil ich mitgezogen wurde. Und es fühlte sich furchtbar an. Ich habe niemals wieder etwas Ähnliches gemacht und als Wiedergutmachung immer wieder versucht, einzugreifen und zu helfen, wenn mir etwas Derartiges aufgefallen ist. Ich war damals 9 Jahre alt und halte bis heute daran fest.

Dass es Mobbing bei Kindern und Jugendlichen gibt und wie furchtbar die Folgen davon sein können – das wissen wir, auch wenn nicht-Betroffene sich das Ausmaß vermutlich nur schwer vorstellen können. Mobbing endet aber nicht mit dem Erwachsenwerden und vermutlich werden mehr Menschen als man denkt Opfer von solchem Fehlverhalten anderer. Das ist auch mir passiert. Zweimal. Und beide Male auf eine ähnliche Art und Weise. Beim ersten Mal betraf es meine Studienkollegin, mit der ich Praktikum in einer Eventagentur gemacht habe. Nach einiger Zeit bin ich dahintergekommen, dass sie mich fälschlicherweise angeschwärzt und Lügen über mich erzählt hat – weil sie nach dem Praktikum dortbleiben wollte und mich sicherheitshalber rausekeln. Da ich kein Interesse hatte, in dieser Firma Wurzeln zu schlagen, hatte sich das Problem nach ein paar Monaten von selbst erledigt und außer, dass es mich genervt hat, hatte es keine sonderlich schlimmen Auswirkungen. Beim zweiten Mal war es wesentlich schlimmer – zumal es das zweite Mal war und dann die Fragen beginnen: was mache ich falsch? Habe ich meine soziale Kompetenz verloren? Ich war immer ein extrovertierter Mensch, dem es nicht allzu schwer fiel, mit Leuten in Kontakt zu kommen und irgendwie klappte es nicht mehr. In der FH hatte ich mich nicht wohlgefühlt, das Praktikum war gewissermaßen in einem sozialen Fiasko geendet und mein erster Vollzeitjob sollte ebenso beginnen.

Beim Probearbeiten war es super und das Team hat mich freundlich behandelt, mit mir geplaudert, alles war in Ordnung. Ich fing an, hatte erstmal ein paar Tage Schulung, bevor ich in die Abteilung kam – und plötzlich war alles anders. Meine Chefin war ein sehr sachlicher Mensch und meine anderen beiden Kolleginnen schwiegen mich an. Meine Kommunikationsversuche scheiterten kläglich. Während wir es in der Runde der „Neuen“ sehr lustig gehabt hatten, herrschte in meinem Team mir gegenüber eisiges Schweigen. Ich wurde nicht oder nur widerwillig zum Essen mitgenommen, mehr als „Guten Morgen“ und „Tschüß“ wurde mit mir nicht gesprochen. Da ich neu war kannte ich natürlich auch außerhalb der Abteilung niemanden, ich wusste nicht, wer zu wem gehörte und wer mit wem befreundet war oder mit wem ich hätte reden, wen ich um Unterstützung hätte bitten können. Ich verzweifelte langsam, weil so ein Zustand mehr als energieraubend ist und hoffte, meine Chefin würde mich eines Tages darauf ansprechen, da es ihr ja immerhin auch auffallen musste. Das tat sie aber nicht. Nach etwa 3 Monaten – die sich in meiner Erinnerung wie 3 Jahre anfühlen – habe ich sie um ein Gespräch gebeten. Noch heute muss ich sagen, dass ich das in ihrem Aufgabenbereich gesehen hätte, aber ich bin stolz auf mich, den Schritt getan zu haben. Ich habe sie gefragt, ob ich etwas falsch gemacht habe und ob sie weiß, warum die Stimmung mir gegenüber so war wie sie war. Sie konnte dazu eigentlich nicht wirklich viel Hilfreiches sagen, außer mir zu bestätigen, dass meine Kolleginnen wohl ein Problem mit mir zu haben schienen, das auf der menschlichen und nicht auf der beruflichen Ebene lag.

Besonders schwierig ist es, wenn man die Menschen nicht kennt und einschätzen kann, denn wie ich im Laufe der Zeit herausgefunden habe, hatte sich die Geschichte meines Praktikums einfach wiederholt. Ich war jung, hatte eine Ausbildung, war engagiert und motiviert – und eine Gefahr für meine ältere Kollegin, die versucht hat, mich rundherum schlecht zu machen und meine andere Kollegin davon abzuhalten, mit mir zu sprechen.

Ich habe all meinen Mut zusammengenommen (nachdem ich herausgefunden hatte, wer wo wie verantwortlich war) und sprach mit der Kollegin, die die „Mitgefangene“ war und langsam entspannte sich unser Verhältnis, da sie merkte, dass ich nicht so unsympathisch war, wie ihr die andere immer einreden wollte. Mit der Zeit traute ich mich auch mit anderen zu reden und fand immer mehr Anschluss. Ich erfuhr, dass ich lang nicht das erste Opfer der guten E. war. Der schönste Tag war der, als bei uns Büros übersiedelt wurden und ich endlich nicht mehr mit ihr in einem Zimmer sitzen musste. Ich hatte dann kaum noch mit ihr zu tun und habe mich letztendlich im Team sehr wohl gefühlt.

Heute bin ich wirklich stolz darauf, dass ich dieses Problem angegangen bin und gelöst habe. Ich hätte auch einfach kündigen können, aber ich wollte nicht aufgeben. Als ich dann das Unternehmen verlassen habe, wurde ich von allen mit einem riesigen Berg Geschenke und herzlicher Worte verabschiedet. Außerdem weiß ich jetzt auch, dass meine unbewusste Angst und Sorge, dass sich so etwas wiederholen könnte, nicht gerade hilfreich war – Stichwort „Gesetz der Anziehung“. Letztendlich waren es drei harte Monate und die Sache ist gut für mich ausgegangen. Zum Glück. Weil ich in den vielen Jahren davor immer Glück hatte. Weil ich ein gutes soziales Netzwerk außerhalb der Arbeit habe. Kinder haben das nicht. Darum möchte ich den Aufruf von weiter oben noch ausweiten: ich wünsche es nicht nur den Kindern, ich wünsche es jedem. Wenn ihr merkt, dass eine einzelne Person von einer Gruppe anderer Menschen ausgegrenzt wird, gebt demjenigen eine Chance. Es ist so unendlich viel wert, wenn man merkt, dass einem jemand die Hand reicht. Und glaubt mir eines: das vergisst man nicht.

35 comments on “Die letzten Sonnenstrahlen in Schönbrunn Pt. I: Blätter & Schönheit von außen und von innen

  1. Zauberhaft schön, deine Blätteraufnahmen…

    Meine Mobbing-Erfahrungen behalte ich mal lieber für mich, Menschen können seeeehr unmenschlich sein, leider…

    Zum Thema BMI und eigenes Aussehen habe ich mal einige Sätze in einem meiner Marc Aurel Einträge etwas geschrieben (ca. Mitte bis Ende), die deinen feinen Worten zu diesem Thema sehr nahe stehen:

    https://finbarsgift.wordpress.com/2015/02/02/flug-nach-rom-zu-meinem-freund-marc-1/

    Liebe Morgengrüße vom Lu

    • ich dnake dir liebe lu. und über mobbingerfahrungen brauchst du nicht schreiben. ja, menschen können grausam sein, egal wie alt sie sind. eigentlich sehr traurig, dass es sichtlich in der menschlichen natur zu liegen scheint, sich über andere zu erheben.
      deinen beitrag seh ich mir gern einmal an!

  2. Leider kann ich zu diesem Thema gerade nichts sagen, weil ich mich noch zu schwach fühle, sich die Gedanken und fragen im Kreis drehen. Ein Kampf mit sich selbst der aussichtslos scheint, nicht wissend wie es weitergehen soll. aber es ist ein schöner Beitrag. Ehrlich und tiefsinnig und sehr gefühlvoll. Vielleicht kann auch ich irgendwann mal etwas dazu beitragen.

    • ohje liebe netti, das hört sich aber gar nicht gut an! ich hoffe, dass dieses schwindlige gedankenkarussell einmal bremst und dich aussteigen lässt. und danke sehr für die lieben worte zu diesem beitrag. er kam mir selbst sehr holprig vor und wäre mir das thema nicht so wichtig gewesen, hätte er es möglicherweise gar nicht an die oberfläche geschafft…

  3. Mobbing-Erfahrungen haben wir glaube ich alle schon gemacht, mehr oder weniger heftig. Ich hatte eine Chefin, (wir saßen gemeinsam im Büro) die, wenn sie schlecht drauf war 2-3 tage nicht mit mir gesprochen hat….
    Es gehört viel Mut dazu den Stier bei den Hörnern zu packen und das „Problem“ anzugehen, je jünger man ist,desto schwieriger ist es. Hut ab, dass Du versucht hast die Situation zu klären….
    und wunderschöne Fotos – ich liebe den herbst ❤

    • eigentlich echt furchtbar und erschreckend, wieviele menschen so etwas mitmachen müssen.
      danke für deine aufmunternden worte. es war tatsächlich damals fast eine übermenschliche anstrengung und hat mich unheimlich viel kraft gekostet. heute bin ich dafür unbeschreiblich froh, mich dem gestellt zu haben.
      und danke auch für die lieben worte zu den bildern. mit dem herbst geht es mir ebenso ❤

  4. Ich finde es gut das das Ding, Mobbing, ja mittlerweile einen Namen hat. Weiß gar nicht mehr ob es zu meiner Hauptschulzeit, wo ich das selber erlebt habe, schon ein Bezeichnung für sowas gab.
    Schöne Aufnahmen, guter Text! Immer wieder spannend deine Beiträge zu lesen.

    • ich glaube, dieser begriff ist so um die jahrtausendwende entstanden und etwas später populär geworden. in meiner schulzeit hat man da noch nicht so intensiv drüber geredet, kommt mir vor. zumindest nicht auf diese art und weise..
      vielen dank für deinen kommentar – ich schrieb es schon bei netti, grad bei diesem beitrag war ich mir nicht sicher, ob er gut genug ist, um ihn zu veröffentlichen, aber das thema war mir enorm wichtig.

  5. Mobbing… manchmal denkt man, das ist noch gar kein Mobbing, was die da mit mir machen. Wichtiges Thema!

    • ja, das stimmt. man merkt es oft zu spät und leider gibt es tatsächlcih gar nicht soviele möglichkeiten, etwas dagegen zu tun…

  6. Du, vielleicht haben wir uns schon mal in Schönbrunn getroffen :o) … du warst nicht zufällig die, welche ich gefragt habe, ob ich das Blatt, das sie grade photographieren wollte, halten soll? Wär‘ witzig … :o) (PS: wunderschöne Bilder!)

    • vielleicht haben wir das – das wäre tatsächlich lustig! ich finde es immer wieder genial, wenn ich durch instagram streife und sehe, wieviele menschen die ich kenne an dem tag eventuell acuh am gleichen ort waren und man sich dennoch nicht begegnet ist.
      leider war ich das aber nicht, schade! und danke für die lieben worte zu den bildern!

  7. Also erstmal ein großes Lob zu den Bildern!! Blätter und Du, das passt 😉 Ich mag das erste Bild total gern!! Dann zum eigentlichen Text, ich hab mich „durchgekämpft“ (ja, das ist ne Menge Text) 😉 und bin beeindruckt. Toll in welche Richtung sich Dein Blog gerade bewegt. Ich mag diesen kritischen und hinterfragenden Weg. Allein dieser Text bietet sehr viel Redestoff, leider kann man sich mal nicht eben auf ein Bierchen treffen, daher werd ich den Text jetzt auch mal in mir arbeiten lassen, er darf sich ganz selbstständig seinen Raum suchen und dann auch wieder erscheinen, wenn die Zeit dazu ist 😉

    • dankeschöööN! ja, blätter und ich – eine ewige romanze 🙂 und es gibt noch sooo viele zu verbloggen O.o
      ja, ich weiß – der text ist lang geworden. eigentlich sollte er das nicht, aber manchmal hat man das gefühl, nicht mit weniger worten auszukommen… es freut mich aber und ich finde es großartig, dass die beiträge dennoch gelesen werden, einfach weil ich weiß, wieviel zeit das in anspruch nimmt.
      ja es ist schade, dass das beamen immer noch nicht erfunden ist. wirklich ein jammer und eines der größten mankos der gegenwart! falls der text bei dir etwas triggert, freue ich mich. obwohl ich natürlich hoffe, dass dem keine allzu schlimmen erfahrungen zugrunde liegen..

  8. sehr schöne Bilder und dein Text ist echt gut , schönen Wochenteiler wünsche ich

  9. zuerst einmal: wirklich sehr schöne Bilder! Danke fürs Teilen.
    und noch mehr danke fürs Teilen zu dem Thema. Es ist echt ein schwieriges Thema und danke für deine offenen und überlegten Worte.
    Menschen sind schon grausam und das schlimmste ist, wenn man merkt – dass man selber auch mal zu jemanden ungerecht war.
    Das gute ist, der Mensch ist lernfähig – traurig ist es, wenn man den Fehler nicht mehr beheben kann. Besser auf jeden Fall, dass man sowas nicht als Fehler sieht, sondern normal.

    Eine ehemalige Kollegin hat aus Gründen, die ich nicht weiß mich auf einmal geschnitten und nicht mehr mit mir geredet und wenn nur das notwendigste. Das hat mich schon in einem gewissen Psychostress versetzt und nagte an mein Selbstbewusstsein, ob ich eh normal bin. Die anderen haben das aber ignoriert. Im Prinzip war es von ihr Mobbing, aber ich habe es nicht gleich erkannt.

    • liebe weltbeobachterin, danke für deine lieben worte, es bedeutet mir viel, dass dieser ellenslange text tatsächlich gelesen wurde… ja, das thema ist schwierig und eigentlich der wahnsinn, weil man oft sehr hilflos ist und man menschliches sozialverhalten schwer beeinflussen kann.
      ich denke, es hat vermutlich jeder von uns schon fehler gemacht im umgang mit anderen, andere verletzt und schlecht behandelt. wichtig ist, dass man dieses verhalten so oft wie möglich bemerkt und das gleiche so selten wie möglich wiederholt.

      solches verhalten von kollegen kann echt schwierig sein. das habe ich acuh schon erlebt, in der schule. zum glück habe ich letztendlich meistens rausgefunden, was der grund war. manchmal konnte es aus dem weg geräumt werden und manchmal war es besser, den kontakt zu vermeiden. zum glück ging das in vielen fällen und da mein soziales netz sonst gut war, ist mir dabei nichts schlimmes passiert.

      • das menschliche Sozialverhalten ist schon schwer.
        Ja, jeder macht da mal Fehler auch ich, aber selten gibt es jemand zu. und ja, auch ich pass auf, damit ich das nicht mache – bzw. versuche ich schon mich hüten etwas zu tun, was mir bei anderen missfällt.
        ja, Kontakt zu meiden ist das beste und ohne Freunde ist man hilflos.

        • fehler zuzugeben ist auch nicht einfach, aber ich finde es wichtig, für einen selbst und für das gegenüber. außerdem bin ich der meinung, dass das sympathisch und menschlich macht. und wichtig ist auch, dass es einem nicht egal ist.

  10. Bist du eigentlich eine fotografierende Philosophin, oder eine philosophierende Fotografin? 😀

    Wie auch immer: Schöne Fotos UND Worte.

    Und hier:

    „Ich war als Kind an sich (und bin es bis heute) ein Gerechtigkeitsfanatiker. Ich habe Menschen meistens nur dann abgelehnt, wenn sie mir einen Grund dazu gegeben haben und habe es selten geglaubt, wenn mir andere von jemandem abgeraten haben – auch wenn ich damit dann oft genug auf die Nase gefallen bin.“

    Wir sind Brüder im Geiste. Ääääähhhh.. Hmmm… Schwestern im Geiste… Hmmmm… Du weißt was ich meine! 😀

    • was für eine schöne und schmeichelhafte frage 🙂 ich glaube, das kommt sehr auf die tagesverfassung an 😉 vermutlich aber eher eine ph. f. 😀
      geschwister heißt das zauberwort, liebster applejünger 😀 und ja, mögilcherweise sind wir das ^.^

  11. Ein Gerechtigkeitsfanatiker war ich auch schon immer. Mich hat aber wesentlich mehr gestört, wie die Lehrer manchmal mit uns umgegangen sind. Vielleicht hatte ich einfach Glück, aber im Großen und Ganzen war die Klassengemeinschaft bei uns okay und ich könnte nicht sagen, dass jemand ausgeschlossen worden wäre (sieht sicher in anderen Klassen oder Schulen ganz anders aus).
    Aber der ein oder andere Lehrer… puh. Und die Art von Ungerechtigkeit habe ich auch nie gut ertragen können. Gerade, wenn es total sinnlos war und nur der Machtausübung diente. Wir hatten halt auch einen Lehrer, der leider sehr anzügliche Kommentare etc gemacht hat und dem wir in all den Jahren nicht Herr geworden sind.

    Ich hab den Föhn gehasst und bin froh, wenn ich den dir überlassen kann. Der kam mit einem richtigen Sturm und war heftig. Mal von den Temperaturen abgesehen war’s einfach unangenehm. Wir hatten aber auch wirklich einen schönen Herbst, ich hab da jetzt keine Lust mehr drauf. 😉

    Ja, da hast du natürlich sehr recht. Das versuche ich mir dann auch immer klar zu machen (und auch alle anderen um mich herum), wenn ich mal zu arg anfange zu zweifeln und zu hadern. Aber manchmal nervt’s halt auch einfach, dass es so gelaufen ist wie es war.
    Klar, generell hat sich dadurch sicherlich viel für mich gebessert. Allerdings war ich halt schon immer ehrgeizig und ungeduldig; das hat sich auch die Zwangsauszeit nicht wirklich geändert. Da denkt man sich manchmal schon: Puh, ich wär jetzt lieber schon zwei Schritte weiter.

    • ja das problem mit lehrern gab es bei uns schon auch. ich glaube, das hab ich oft nicht hinterfragt sondern so hingenommen, die mochte eh keiner und zumindest waren sie nicht existenzgefährdend, menschlich ernstgenommen wurden sie dann halt von niemandem von uns. ich habe das gefühl, dass man auf solche dinge heute sensibilisierter ist als wir das damals noch waren.
      in unserer klasse war es an sich auch ok, obwohl wir dann schon eine kleine außenseitergruppe hatten, allerdings hatte das gewisse gründe…

      wir hatten heuer mit dem herbst kein glück, kaum sonne und fast nur trübes wetter und viel feucht. der föhn ist bei uns jetzt auch vorbei, jetzt ist es richtig kalt und das hab ich eigentlich gar nicht sonderlich gern.

      was deine „zwei schritte weiter“ anbelangt: das versteh ich nur allzu gut. wem sagst du das? ich denke mir das mit dem rücken auch immer. aber es nützt ja doch nix – man muss es nehmen, wie es ist…

  12. Sorry, Paleica ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und ich hab es nicht gesehen, ich kränkelte ein wenig in der Wochenmitte.

    Mobbing habe ich beruflich einmal erfahren, bin dann auch dort gegangen, das ist meist die beste Lösung. Ich habe schon erlebt, dass mich eine Kollegin dazu aufforderte doch mitzumachen gegen eine Kollegin, die sie einfach nicht mochte. Wo Frauen beruflich aufeinander treffen ist Mobbing leider keine Seltenheit, was früher als Stutenbissigkeit galt, ist heute Mobbing in einer ganz anderen Dimension. Das hat eine andere Qualität, weil Lügen erzählt werden und man versucht einen ganz bewusst auszubremsen mit Hilfe anderer.

    Die Beweggründe sind oft Neid, Angst vor Benachteiligung durch die neue Kollegin. Ich bin auch extrovertiert und gewinne schnell die Sympathie der Menschen, ich glaube, dass mögen Mobber nicht.

    Meine Tochter ist in der Grundschule massiv gemobbt worden, Das ging über verbale Beleidgungen bis hin zum körperlicher Gewalt durch mehrere Kinder. Die Schule hat immer weggeguckt und mir versichert, dass alles ganz normal ist. Bis es irgendwann so schlimm war, dass wir sie nicht mehr zur Schule geschickt haben. Komischerweise will einem nur keiner glauben, weder das Schulamt noch die Lehrer oder die Schulleitung. Bis mich eine Mutter unterstütze, deren Tochter die Prügelattacken mitbekommen hatte und es zu Hause erzählt hat. Seitens der Schule kein einziges Wort der Entschuldigung, ich kann meine Machtlosigkeit und Trauer darüber bis heute kaum in Worte fassen. Meine Tochter musste fast zwei Jahre therapiert werden und ist heute immer noch sozial ängstlich.

    Herzliche Grüße, Bee

    • liebe bee, das macht doch nix. geht es dir schon besser?

      leider ist es wirklich so, dass es in vielen fällen die einzige lösung ist, zu gehen. es kommt halt auf die umstände an – ich hatte glück, dass es sich anders hat lösen lassen. ich fürchte auch, dass vor allem frauen in mobbing involviert sind, obwohl auch männer betroffen sein können.

      dass deiner tochter das passiert ist tut mir wahnsinnig leid. das ist absolut furchtbar und ich fürchte, dass man sein leben lang zu tun hat, das zu verarbeiten. gut, dass sie therapie bekommen hat. und absolut erschreckend, dass die schule da einfach wegschaut. eigentlich muss man sowas ja medial öffentlich machen.

      • wir hatten auch über diese Möglichkeit nachgedacht, aber in erster Linie war uns wichtig, dass unsere Tochter zur Ruhe kommt. Und es öffentlich zu machen ist doch eine langwierige, sehr unkalkulierbare Angelegenheit. Das ist jetzt 6 Jahre her und heute (sie ist jetzt 13) geht es besser, doch manchmal kommt es wieder hoch und sie ist dann wie in einer anderen Welt und kaum ansprechbar. Ich habe von der Schule, die sie jetzt besucht, sehr viel Anfangshilfe bekommen, weil der Wechsel auf die weiterführende Schule nicht einfach für sie war.

        • das kann ich mir vorstellen. ist in dem moment auch das wichtigste und hat oberste priorität. vermutlich wissen das die entsprechenden stellen auch und kommen daher auch immer wieder mit derlei fehlverhalten davon. ich hoffe sehr für euch, dass sie das eines tages ganz zurücklassen kann.

  13. Ui ich glaube als Kind könnte mir man auch den ein oder anderen Vorwurf machen… Mir kam es so vor, dass es nur 2 Gruppen gab – entweder die Mobber (auch wenn man nur stillschweigend mitmacht) oder die Gemobbten, und zu Letzterem will man auf keinen Fall gehören 😦 Ich bin nur froh, dass das Thema Cybermobbing bei uns noch kein Thema war… Aber zu deiner Geschichte: Ich finde das extrem mutig und ich hoffe dass ganz viele (inklusive mir) deinem Aufruf jemandem die Hand zu reichen, folgen werden!

    • ich fürchte, dass es öfter passiert, dass man als kind in diese gruppe reinrutscht. je älter man wird, desto bewusster sollte man halt (hoffentlich) damit umgehen, als erwachsener kann man sich doch leichter gegen einen gruppenzwang stellen und sollte das auch tun. ich hoffe auch sehr, dass diese parade dazu dient, dass da und dort jemand aufsteht und auf jemanden zugeht, der unterstützung braucht. man kann zwar nicht die welt retten, aber manchmal kann man die welt einer person retten. und das ist unglaublich viel wert.

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