Verbaler Exkurs: Mein Senf zur „Generation Y“ und ein paar Bilder aus dem botanischen Garten: Einzelgänger

Lange ist es her, seit ich hier in dieser Art und Weise Gedankenoutput produziert habe. Als ich letztens aber mal wieder ein paar Stunden wach gelegen bin, kam mir dieses Thema in den Sinn. Ich lese ja viel dazu und darüber, weil man als Mensch auf Identitätssuche und dem Weg zu sich selbst gern auch externe Referenzquellen integriert, die einem vielleicht sagen können, warum man da und dort so oder anders funktioniert. Dies ist meist natürlich über einen Kamm geschert aber es gibt die Chance auf Denkanstöße, die in einem derartigen Prozess manchmal richtig und wichtig sind.

Nun ist mir also in diesem Fall ein Radiobeitrag untergekommen. Zur „Generation Y“. Die Generation Ypsilon, also die, die nach der Generation X kam. Die Generation Y, nach dem englischen „why“, die immer warum fragt, alles hinterfragt und in Frage stellt. So werden wir genannt. Wir, die Menschen, die zwischen 1980 und 1990 (oder später???) geboren sind. Wir, die als Kinder noch analog fotografiert wurden, während wir unsere Studienzeit schon mit dem Internet bestritten haben. Wir, die DFÜ Verbindung kennen und trotzdem Instagram nutzen. Wir haben schon einen Namen, während wir unsere Verhaltensmuster noch entwickeln. Wir, die akademischen Großstädter, die Hipster und Bobos und wie wir alle heißen.

Wir sind in einem Umfeld des Wohlstands und Friedens aufgewachsen. Selbst unsere Eltern sind bereits die Nachkriegsgeneration und den meisten von uns hat es in der Kindheit und Jugend – zumindest am Materiellen – bestimmt nicht gemangelt. Wir sind die erste Generation, die (so der Radiobeitrag) auch in Österreich ein bisschen amerikanischen Traum leben konnte. Zumindest in der Vorstellung unserer Eltern. Wir dürfen alles werden und wir können alles werden. „Man konnte sich schon als Kind entscheiden: will man Blockflöte lernen oder Klavier. Will man Tennis oder Fußball spielen.“ so oder so ähnlich der Wortlaut einer Wortspende. Die Konsequenz daraus: aber niemand hat gesagt, was besser oder schlechter ist, hat einem eines nicht so viel Spaß gemacht, hat man einfach auf etwas anderes gewechselt.

Was aber bei all dieser Entscheidungsfreiheit in der Erziehung vieler offenbar vergessen wurde: die Konsequenz daraus. Laissez-faire in allen Ehren, aber langfristig gesehen muss man im Leben die eine oder andere Entscheidung treffen, die man nicht zwei Wochen später wieder über den Haufen wirft. Und das scheint mir ein ganz großes Thema zu sein, im Großstadtakademikerdasein meines Umfelds. Und manchmal auch meines. „Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten.“ Wir haben erlebt, wie viele (viele!) aus der Generation unserer Eltern frustriert und gescheitert waren, mit lebenslangen Ehen und lebenslangen Jobs zielsicher Richtung Midlife-Crisis unterwegs.

Wir „müssen uns ausleben“. Wir „müssen alles ausprobieren“. Wir „müssen rausfinden, was wir wollen“. Wir „müssen andere Kulturen kennenlernen.“ Und vor allem „Müssen wir nichts müssen müssen.“ Und das am besten, bis wir 25 sind. Das funktioniert aber nicht. Denn wir HABEN alle Möglichkeiten. Ich hab es schonmal in einem ganz anderen Artikel geschrieben, in dem es um die Problematik der Zeit ging. Wir können alle Sportarten machen, alle Musikinstrumente lernen, alle Länder bereisen. Und ich möchte in keinem Fall die Großartigkeit dieser Möglichkeit schmälern. Ich möchte nur festhalten, dass es schwierig ist, diese Möglichkeiten irgendwann aufzugeben um sich auf ein kleines Spektrum daraus zu beschränken, da wir nie wirklich gelernt haben, zu wissen, was wir wirklich wollen – da wir ja immer alles machen konnten. Und wir nicht mehr in einer Zeit leben, in der unser Umfeld etwas von uns will oder wollen darf. Dies zeichnet sich heute überall ab: in oft und schnell wechselnden Jobs, Wohnsitzen und Beziehungen. Wir alle sind irgendwo, irgendwie immer auf der Suche nach dem Quäntchen mehr. Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Spaß, mehr Zuneigung, mehr Bestätigung, mehr Verwirklichung. Ich sehe viele Menschen, die ich sehr mag, wie sie einen Schritt nach vor gehen und zwei zurück, weil sie vor einer Endgültigkeit zurückschrecken. Vor einem Weg, der sich nicht so leicht wieder ändern lässt. Wir sind Ende 20 und kaum jemand hat Kinder und noch weniger sind verheiratet. Manchmal fühlt es sich an wie „Generation Belanglosigkeit“. Oder „Generation Angst vor dem Scheitern.“ Denn wir dürfen alles und können alles. Nur nicht scheitern.

An dieser Stelle sei nochmal gesagt: ich will hier nicht über unsere Möglichkeiten jammern. Ich will nur sagen, dass ich sehe, wie viele in dem ewigen Studentendasein schwimmen und sich davon nicht lösen können. Dass es auch für mich schwierig war, der Zeit der unbegrenzten Wege auf Wiedersehen zu sagen. Dass es das manchmal immer noch ist und mir Angst macht und ich mich in die Zeit zurückwünsche, in der alles offen war. Aber: ich sehe unsere große Aufgabe nicht in der Rebellion, im Umsturz und Ausbruch, sondern in der Selbstfindung zu einer Gesellschaft, die trotz all der Freiheit miteinander in einem gewissen Verbund leben kann. Glücklich sein ist unsere Maxime und das einzige, was von uns erwartet wird. Aber das ist so nicht ganz richtig, denn in Interaktion mit anderen Menschen muss man gezwungenermaßen Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Manchmal ist ein kurzfristiger Kompromiss notwendig, um langfristig das Leben zu führen, das man gerne führen möchte. „Happy by choice, not by chance“

PS: ich wollte hier für nichts und niemanden verallgemeinern, sondern nur meine Wahrnehmung zu einem Thema schreiben, von dem ich mich immer wieder beschrieben, klassifiziert und gelegentlich auch distanziert fühle.

*

Für alle, die noch nicht die Nerven gekübelt haben (und natürlich für alle, die gelesen haben, als Belohnung ^.^) gibt es nun auch ein paar Fotos.

Wieder ‚mal „inspired by Christina“ waren Herr Eulerich und ich mit der Kamera draußen. Diesmal im botanischen Garten. Steht seit Ostern 2011 auf der „To do again“-Liste. Allerdings wollte ich wiederkommen, wenn MEHR blüht. Epic fail sag ich nur, es war überraschend kahl. Ein paar Klassiker habe ich aber mitgebracht, Frühlingsbilder, die einfach dazugehören, ohne bahnbrechend neu oder kreativ zu sein, dafür immer wieder schön. Und das Makro freut sich ja ohnehin immer über Ausgang.

blog_botanischergarten1404-02

blog_botanischergarten1404-04

blog_botanischergarten1404-07

blog_botanischergarten1404-09

blog_botanischergarten1404-10

blog_botanischergarten1404-12

blog_botanischergarten1404-14

blog_botanischergarten1404-16