Blogparade Urlaubserinnerungen

Auch wenn ich noch weit entfernt davon bin, euch überhaupt alle meine Urlaubsfotos 2015 gezeigt zu haben, möchte ich gern an der Blogparade von reisen-fotografie.de zum Thema Urlaubserinnerungen teilnehmen. Die Parade läuft bis 15. Dezember 2015.

Wie konserviert ihr eure Urlaubserinnerungen?

…wollen Melanie und Thomas wissen.

und ich persönlich finde ja, dass das eine sehr schöne Frage ist, die ich mir auch immer wieder stelle. Denn ja – wie konserviert man Erinnerungen? Wenn ich an frühere Urlaube und Reisen denke, noch mit der Familie oder mit dem Herrn Punkt – da sind die Erinnerungen schon sehr endenwollend. Klar gibt es Eckpunkte, die hängen geblieben sind, besondere Momente und gedankliche Momentaufnahmen.

Ich erinnere mich zum Beispiel noch an meinen allerersten Urlaub, ich war damals 3 1/2. Meine Begeisterung für fremde Länder (Zypern, griechischer Teil) hielt sich in Grenzen. Ich mochte das Essen nicht, es schmeckte nicht wie zuhause. Auf Fuerteventura (ich war 5) gab es riiiiiesige Sanddünen, die verflucht heiß waren. In Amerika Klappe die I. gab es gelbschwarze Spinnen (irgendwann erzählte ich schonmal davon), squirrel, gegrillte Hühnerbrust, Pizza mit Käserandfüllung (essen war wohl schon immer wichtig :D), schwitzige Plastikmatratzen, eine Übernachtung auf einer Luftmatratze, Space Mountain, Splash Mountain, Hot Dogs, 6 Dollar am Schwimmbadgrund, Angst vor Krokodilen (Regenüberflutung in den Everglades), Delfin- und Orcashows (würde ich mir wohl heute nicht mehr ansehen), Back to the Future in den Universal Studios und lesen auf der Rückbank ohne Übelkeit dank schnurgerader Straßen. Am Gardasee gab es Marcel und eine Igelfamilie, Wasserspritzpistolen und ein Glas Rotwein auf der weißen Hose von Marcels Vater (habe ich auch schon erzählt), in Tunesien gab es Anja und bemalte T-Shirts, beim zweiten Mal Amerika war da dieses verflucht volle, verflucht hektische und unglaublich hohe New York, und viele, viele Schokocroissants zum Frühstück, die mir der der entzückende Kellner immer reservierte, beim dritten Mal eine Grassnake, Langeweile, Rochen, Waschbären und viele Einkaufscenter. In Portugal gab es Alex, Sara, Andi, Nina, Antje, Svenja, Wasserball, Beachvolleyball und unendlich viele Tränen, in Saloniki Jens, in Andalusien traf ich Andi wieder mit seinem Cousin Tim und verbrachte die meiste Zeit mit der Animateurin meines Herzens, Kathrin, die Guns’n’Roses einen immer wehmütigen Beigeschmack gab und von der ich mein Langzeitlieblingsparfum „Deep Red“ mitnahm. Außerdem hörte ich Sportfreunde Stiller, Murder on the Dancefloor und Moskau von Dschingis Khan. In Rovinj hielten mich die Möwen vom Schlafen ab, am Wörthersee konnte ich mich jeden Tag mit Veri treffen und telefonierte die restliche Zeit mit Niki, Kapi, Dani und Herrn Punkt, auf Kos las ich im ersten Jahr 2.000 Seiten und schrieb im zweiten Jahr zwei Blöcke Kreuzworträtsel aus. Ich stand vor einem geschlossenen Seegrasteppich und heulte, weil meine lebende Gewässerpanik mich eher ertrinken als dort durchgehen hätte lassen. In Lignano hatten wir schlechtes Wetter und das Essen schmeckt nach Österreich, in Grado ist das Parken teuer, die Toskana isst gefühlt sehr un-mediterran, mit Italienern kann man sich wunderbar ohne gegenseitige Sprachkenntnisse verständigen, Lucca wurde zu einer der ersten Städte meines Herzens und Florenz die zweite, während Pisa so gar nicht sehenswert ist. In Rimini haben alle Italienerinnen cellulitefreie Beine und San Marino ist ein verflucht steiles Pflaster.

Dies beschreibt etwas kompakt zusammengefasst alle meine Reisen bis zu dem Zeitpunkt, als die Fotografie in mein Leben getreten ist. Natürlich gibt es da und dort noch Dinge, die ich in diesem Textwust ausgelassen habe, aber im Wesentlichen ist es das, was von den Urlauben übrig geblieben ist. Seit ich fotografiere ist das anders. Seit mich die Kamera begleitet, kann ich anhand der Bilder die Tage sehr genau rekonstruieren. Das Bild zeigt mir nicht nur einen Ort und friert einen Moment ein. Das Bild speichert auf seltsame Art und Weise viel mehr. Stimmung, Gefühl, alles das kann ich abrufen, wenn ich mir ein Foto ansehe. Meine Fotos sind mein ausgelagertes Gedächtnis.

Fotos von heute sind die Erinnerung von morgen.

Kurz gesagt: ich fotografiere. Mit der Spiegelreflexkamera, wenn es um das Motiv geht. Mit dem Apfel, wenn es um den Moment geht. Ich kann so im Wesentlichen alles, was mir an einer Reise wichtig war, wieder abrufen. Doch was macht man mit 100en Bildern auf der Festplatte, wenn man nachhause kommt? Nun… man postet sie in sozialen Netzwerken. Früher mein Facebook-Stream, heute mein Instagram-Grid – sie geben eine Übersicht für mich, mit kurzen Statements und wenn ich durchscrolle, erlebe ich jedes Mal ein klein wenig von der Situation neu.

Doch: virtuelle Daten sind unzuverlässig.

Also mache ich meist, wenn alles ein wenig gesickert ist, ein Fotobuch. So stehen sie, feinsäuberlich aufgereiht, in meinem Bücherregal. Ich muss sie nur in die Hand nehmen, die Bilder fokussieren und die Erinnerungen werden lebendig.


Es war mal wieder Zeit für eine kleine optische Adaption – Weihnachtsoutfit im Episodenfilm! Gefällt es euch?