Lost Place – eine verlassene Heilanstalt mit Schwimmbad & ein alter Text über das Warten.

Last but not least der allerletzte Beitrag von meiner Lost Place Tour im Großraum Berlin im Frühjahr und der Ort, auf den ich mich am meisten gefreut hab: das alte Schwimmbad.

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Dieser “Lost Place” wurde um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert erbaut, um die Tuberkulose, die in Berlin gewütet hatte, einzudämmen, indem die Kranken räumlich von den Gesunden getrennt wurden. Man hatte gerade herausgefunden, dass Tuberkulose eine übertragbare Krankheit war und reagierte auf das “Aussterben” der Stadt. Das Gebiet dort ist idyllisch und wunderschön, auch die Häuser wurden ansprechend und liebevoll gestaltet, um den Patienten das Gefühl zu geben, sich hier wohlfühlen zu können. Da es noch kein Antibiotikum gegen die Krankheit gab, war das das einzige, was man tun konnte, um die Heilung zu unterstützen. Zum Teil sieht man diese Bemühungen heute noch, beispielsweise in den Fliesenböden oder an den Wanddekorationen. Sie wurde als Trainingscenter für die olympischen Spiele genutzt und später als Krankenhaus für NS-Funktionäre. In diesem Krankenhaus selbst wurden keine Menschenexperimente von Nazis durchgeführt, man weiß allerdings, dass in Gesprächsrunden Pläne darüber geschmiedet wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das ehemalige Krankenhaus umfunktioniert zu einer russischen Militärkaserne, als die es auch bis zur Wende 1989 benutzt wurde. In der Nacht, als die Russen Deutschland verlassen mussten (so berichten Augenzeugen), wurde in riesigen LKWs die gesamte verblieben Einrichtung (Heizhaus, Sanitäranlagen, etc.) abgebaut und mitgenommen, weswegen auch innen alles leer ist.

Vor einiger Zeit stolperte ich auf der Suche nach etwas ganz anderem auf meiner alten, externen Festplatte wieder über alte Texte. Einen davon habe ich hierher mitgenommen, da ich mich wieder daran erinnert hatte, ihn geschrieben zu haben und ihn rückblickend als eine Art Knackpunkt empfunden habe.

Warten
Morgens, bis das Wasser kalt ist.
Bis der Tee fertig ist.
Bis ich den richtigen Sender gefunden habe.

Warten, bis die Internetverbindung aufgebaut ist.
Warten, bis es Zeit ist zu gehen.

Warten auf die erste Straßenbahn.
Warten, bis sie die Endstation erreicht hat.
Dort, warten. Auf die Anschlussbim.

Warten, bis der Unterricht beginnt.
Und bis er wieder endet.
Warten, auf die nächste Vorlesung, oder
Bis die Verkehrsmittel ankommen
Und mich wieder nachhause bringen.

Warten, bis das Essen warm ist.
Bis wir bei Tisch sitzen.

Bis das Abendprogramm anfängt.
Warten, bis wir müde sind und schlafen gehen.
Warten, bis du merkst, dass ich weine (vergebens).
Warten, bis ich einschlafe.

Warten
Morgens, bis das Wasser kalt ist.
Bis der Tee fertig ist.
Bis du den richtigen Sender gefunden hast.

Warten, ob du gemerkt hast, dass ich geweint habe (vergebens).
Warten, bis die Internetverbindung aufgebaut ist.
Bis es Zeit ist zu gehen.

Warten auf die Badner Bahn,
Warten auf das Auto, das mich abholt und nachhause bringt.
Auf dich, bis du wiederkommst und wir essen.

Warten, bis das Essen fertig ist,
Dass ich mit dem Lernen weitermachen kann,
Damit ich das Semester abschließe.

Warten
Bis das Semester vorbei ist.
Der Ferialjob beginnt.
Die Ferien beginnen.
Die Fh vorbei ist.

Warten
Ja – worauf eigentlich?

Paleica,  27.06.2007