#travelathome: ein Wochenende in der Steiermark & [Wort] Tugend/haft

Ein Wortgeschenk von Moni.

Ein Wochenende in der Steiermark: Schokoladenmanufaktur Zotter, Foltermuseum auf der Riegersburg, Strandbad Stubenbergsee und Tierpark Herberstein und dazu ein Zitat des berühmt-berüchtigten Giacomo Girolamo Casanova:

 Wer schläft, sündigt nicht. Wer vorher sündigt, schläft nachher besser.

Interessant ist, dass es diese Worte gibt, die sich besser durch ihr Gegenteil beschreiben lassen oder durch die Abwesenheit von etwas. Tugend bzw. tugendhaft ist bei mir so ein Wort. Die Tugendhaftigkeit ist etwas, das man heute kaum noch kennt. Es ist ein Wort, dessen Bedeutung und vor allem assoziative Energie sich über die Zeit sehr verändert hat.

Ein tugendhaftes Leben war vor über 100 Jahren noch etwas, das gesellschaftlich angestrebt wurde, insbesondere für Frauen. Heute hat der Begriff in meinen Ohren einen sehr negativen Beigeschmack. Er erinnert mich an Unterdrückung, an Einschränkung des freien Willens im Bezug auf persönliche Freiheit, durch Familie und Gesellschaft. Es kommt gleichzeitig daher mit den Eigenschaften „emsig“ und „fromm“.

Der Duden gibt dem Wort noch zwei weitere, synonyme Bedeutungen:

  1. sittlich wertvolle Eigenschaft (eines Menschen)
  2. (veraltet) Keuschheit
    (veraltet) Jungfräulichkeit

und schlägt folgende Synonyme vor:

  • Anständigkeit, Integrität, Makellosigkeit, Moral, moralische Reinheit, Redlichkeit, Unbescholtenheit, Unverdorbenheit;
  • (veraltend) Sittsamkeit;
  • (gehoben veraltend) Keuschheit;
  • (scherzhaft, sonst veraltet) Züchtigkeit
  • Eigenschaft, Qualität, Stärke

Ein tugendhaftes Leben ist also gewissermaßen die Abwesenheit der katholisch definierten Todsünden, insbesondere der Wollust. Schneewittchen zum Beispiel, war tugendhaft. Oder Cindarella. Dornröschen – die hatte durch den hundertjährigen Schlaf auch nicht viel Möglichkeiten zu sündigen. Grimm’sche Prinzessinnen, Vorbilder der Tugendhaftigkeit, die vermutlich erstrebenswerteste aller Eigenschaften vorangehender Jahrhunderte. Gwenhwyfar, glaube ich ebenfalls als tugendhaft in Erinnerung zu haben (oder gab es da etwas mit Lancelot?), Kriemhild (im Gegensatz zu Brunhild, versteht sich!), selbst Eowyn bei Tolkien vereint diese Eigenschaften in sich.

Tugend oder tugendhaftes Leben ist etwas, das nur mit viel Selbstdisziplin – oder Repression von außen – erreichbar ist.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

…sagte scho Matthäus, der Evangelist.

Heute gibt es eine grundlegend andere Einstellung zu Genuss und einem selbstbestimmten Leben. Mit sich mehr und mehr verringerndem Einfluss der Kirche auf das tägliche Leben eines Einzelnen hat sich der Fokus vom Jenseits über viele Jahrzehnte ins Diesseits verschoben. Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, möchte das Leben vor dem Tod möglichst angenehm verbringen. In diesem Leben hat Tugendhaftigkeit, harte Selbstdisziplin und Zurückhaltung keinen Platz. Hier geht es vorrangig um das Ausleben des Genusses und um die Selbstverwirklichung, um das Nachgeben von körperlichen Bedürfnissen, um ein körperliches und seelisches Glücksgefühl, das vorrangig durch all jene Dinge erreicht werden kann, die ein tugendhaftes Leben einem verwehren würde.

Nicht alles ist gut an dieser Gegenwart, in der Geduld eine Tugend und Bescheidenheit eine Zier ist. Dennoch würde ich nicht tauschen wollen. Ich will selbst über mein Leben bestimmen und entscheiden, wie wollüstig und völlernd ich es verbringen will. Zum Beispiel an einem Wochenende in der Steiermark. Mit Schoko-Tour durch die Zotter Schokoladenmanufaktur.

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In Erinnerungen an eine Zeit, in der Tugendhaftigkeit sehrwohl noch ganz weit oben auf der Liste stand, im Foltermuseum auf der Riegersburg:

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Und bei meinem liebsten Löwenpärchen im Tierpark Herberstein, die von all diesen Bewertungen und Schubladen der seltsamen Gestalten, die sie tagein, tagaus anstarren, gar nichts verstehen.

Das Programm (mit Ausnahme der Riegersburg) gibt es bei Übernachtung in einem Betrieb, der an der "Genusscard" teilnimmt, übrigens gratis. Und ich erzähle euch das nicht, weil ich drum gebeten wurde (der Beitrag ist tatsächlich ungesponsert!), sondern weil ich das seit einiger Zeit im Zweijahresrhythmus mache und es immer wieder schön ist.

Die Genusscard gibt es ab der der 1. Nächtigung gratis, wenn man von Anfang März bis Ende November Urlaub im Thermenland Steiermark und der Oststeiermark macht. Mittlerweile gibt es 120 teilnehmende Betriebe, Verkostungen, Bäder, ein vielfältiges kulturelles Angebot und alles weitere auf www.genusscard.at