Irland: Rund um den Giant’s Causeway & die Beständigkeit der Natur im Gegensatz zur Unbeständigkeit des Menschen.

Jeder Mensch hat Gründe, aus denen heraus er Dinge tut oder nicht tut. Vieles davon kommt aus dem Unbewussten (worüber in nächster Zeit noch ein ausführlicher Artikel erscheinen wird), andere Dinge entstehen ganz bewusst. Gründe sind auch etwas anderes, als der Sinn, den man in etwas sieht, obwohl diese zwei Aspekte eng miteinander verknüpft sind. Über den Sinn habe ich in den letzten Monaten zwei verschiedene Beiträge verfasst, einen, warum wir nicht (oder vielleicht doch?) schlauer, schöner und schlanker werden, wenn wir bloggen, und einen über das Spuren hinterlassen, der sich nicht so sehr nur auf das Bloggen konzentriert, aber auch – aber darüber will ich heute nicht sprechen.

Der Grund, warum ich so sehr an meinem Blog hänge, ist aber eine andere Facette davon und hat damit zu tun, dass ich in meinem Leben oft genug die Erfahrung gemacht habe, dass Menschen unzuverlässig sind. Menschen kommen und gehen. Das gilt für alle. Eines Tages wird jeder gehen – wenn nicht freiwillig, so müssen sie irgendwann sterben. In Wahrheit ist das Leben geprägt von Verlust, oder Veränderung. Je nachdem, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Das klingt jetzt möglicherweise sehr düster, aber pragmatisch gesehen ist es wohl doch recht nah an der Wahrheit.

Es gibt Menschen, die kommen damit gut zurecht, die schwimmen vielleicht mit auf dieser Welle oder gehören zu denen, die gehen. Ich bin ein Mensch, der bleibt. Das habe ich über die letzten Jahre oft festgestellt, egal, ob es die Realität oder die Virtualität betrifft. Viele von euch wissen es vielleicht, vor allem jene, die zu anderen Riege gehören. Paleica gibt es seit 2001 im Internet. Wer mich googelt, der findet mich. Seit 2008 unter derselben Domain, am selben Ort. Und ich wüsste nicht, warum sich das in den nächsten 8 Jahren ändern sollte. Ich werde da sein.

Ich habe auch hier so unendlich viele Menschen kommen und gehen gesehen. Manche von ihnen haben mich nur leicht gestreift, andere tief berührt und ich vermisse sie bis heute. Dennoch gibt mir dieses eigenartige ungreifbare Internet eine Stabilität, die mir die Realität oft nicht geben kann. Das Internet ist zuverlässig, weil immer jemand da ist. Ich kann immer, zu jeder Tages- und Nachtzeit, durch die unzähligen Blogs surfen, ich werde immer neue finden können, ich werde immer jemanden finden, der gerade da ist, auch, wenn es im „echten Leben“ vielleicht gerade nicht so ist.

Das Internet spielt seit vielen Jahren eine große und bedeutende Rolle in meinem Leben und es gab eine Zeit, in der diese Rolle so übermächtig war, dass ich es eigentlich schon als Problem bezeichnen würde. Mittlerweile hat sich das alles gut stabilisiert und es ist für mich zu einem Zufluchtsort geworden, zu etwas, das auf Abruf für mich da sein kann, zu einem Ventil, zu einem Medium, das mich auf meinem Weg zu mir selbst begleitet und das geduldig meine Launen, Stimmungen, Freuden und Schmerzen erträgt.

Außerhalb des Internets, in dem Leben, in dem ich nicht Paleica bin, gibt es eine handvoll Menschen, die mir viel bedeuten. Auch sie begleiten mich schon lange, die meisten davon seit der Schulzeit. Seit der Arbeitsalltag die meisten von uns verschluckt hat, sind es jedoch weniger geworden, weil mit den größer werdenden Verpflichtungen leider die Stunden des Tages nicht mehr werden und Kontakt nicht im selben Maß aufrecht erhalten werden kann wie zu flexiblen Studienzeiten. Irgendwann werden manche von ihnen auch Eltern werden und auch das wird die Kontaktfrequenz verringern, wie die Erfahrung zeigt.

Ich habe viele schöne Zeiten mit ihnen verbracht und es verbindet mich eine tiefe Zuneigung zu diesen Menschen, weil sie mich so lange und in so vielen Lebenslagen kennen, dass ich kein Blatt vor den Mund nehmen muss, wenn ich etwas zu sagen habe, weil ich weiß, dass sie mich verstehen. Ich liebe diese Menschen aus tiefstem Herzen, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die mich so gut kennen, dass ich – trotz aller Wirrungen, die mir auf meinem Lebensweg begegnen – nicht ganz verloren gehen kann. Wenn ich nicht mehr weiß wer ich bin, dann gibt es Menschen, die ich danach fragen kann. Und manchmal passiert es trotzdem, dass ich einen von ihnen gehen lassen muss, weil sich Lebensumstände verändert haben und Zeit und Raum uns auseinanderdriften haben lassen.

In diesen Momenten bin ich unendlich dankbar dafür, mich dem Episodenfilm zuwenden zu können, meine Finger auf die Tastatur zu legen, in mich hineinzuhören und auf die Worte zu warten, die beginnen aus meinem Herzen auf den Bildschirm zu fließen. Solange ich schreiben kann und solange ich von euch gelesen werde, bin ich nicht alleine.

Und weil ich Dinge mag, die bleiben, mag ich die Natur. Darum fotografiere ich viel mehr Dinge als Menschen. Darum fotografiere ich überhaupt. Es zeigt mir, dass es etwas gibt auf der Welt, das mehr als ein Menschenleben Bestand hat. Das Meer wird auch noch da sein, wenn es mich nicht mehr gibt.


Ich frage mich nun ehrlich nach dem Mehrwert für euch in diesem Beitrag und bleibe ein wenig ratlos zurück. Darum danke ich euch an dieser Stelle fürs Lesen und zwar nicht nur heute und für diesen Beitrag, sondern allgemein. Denn ohne euch – und ich weiß, dass dieses „euch“ in zwei Jahren ein anderes sein wird, aber das ändert nichts an dem Wert, den es für mich hat – wäre der Episodenfilm für mich nicht dieser Ort. Ohne euch wäre ich manchmal weniger ich.

Und wer das blöd findet, der hat ja immer noch die Bilder.

Die Galerie entstand Anfang Jänner während unserer Irland-Reise in Nordirland rund um den Giant's Causeway, oder, wie die Iren ihn nennen, "Clochán". Dieser ist etwa eine gute Autostunde entfernt von Belfast und mit Mietauto unkompliziert zu erreichen. 

Wikipedia sagt, dass er seit 1986 zu den UNESCO Weltkulturerbestätten gehört und aus etwa 40.000 gleichmäßig geformten Basaltsäulen besteht, die vermutlich aufgrund eines Vulkanausbruchs entstanden und um die 60 Millionen Jahre alt sind. Ein paar mehr Details inklusive der netten und gefühlt typisch nordischen Legende erfahrt ihr direkt hier.