#travelathome Österreich Highlights: Ausblicke auf den Großglockner & [Wort] Heimat

Langsam wird es Zeit für den letzten Beitrag von unserer Frühsommerösterreichrundfahrt 2016. Wahnsinn, wie lang es immer dauert, bis ich es dann schaffe, alle Beiträge zu einem Trip zu veröffentlichen. Ich finde es ja schon sehr bewundernswert, dass so viele Blogger das Talent haben, eine ganze Reise in nur einen Post zu packen, ohne dass der Leser in einer Bilderflut ertrinkt. Mich kurz zu fassen war aber noch nie meine Kernkompetenz. Ich wollte immer alles wissen und Details haben. Damit müsst nun auch ihr, liebe Leser, leben!

Unser letzter „To Do-Stopp“ auf der Österreich der Superlative Tour war die Großglockner Hochalpenstraße. Der Großglockner – oder „Glockner“, wie der Österreicher ihn liebevoll nennt – seines Zeichens höchster Berg Österreichs mit 3.798 m (ich gebe zu, dass ich das auf Wikipedia nachlesen musste), ist einer der bedeutendsten Gipfel der Ostalpen (auch das hat mir die Online-Enzyklopädie geflüstert).

Da es aber vermutlich für euch jetzt nicht spannend ist, hier den Wikipedia-Artikel zu lesen (den ihr ja ohnehin auch jederzeit ohne meine Hilfe finden könnt), werde ich nun nicht mehr mit Fakten um mich werfen, sondern lasse einfach die Bilder auf euch los und hoffe, dass sie ihre Wirkung tun.

…und wenn ich diese Berge sehe, komme ich nicht umhin, an ein Lied* zu denken, das für viele wohl die inoffizielle österreichische Bundeshymne ist.

Da kann ma´ machen was ma´ will,
da bin i her, da g´hör´ i hin,
da schmilzt das Eis von meiner Seel´
wie von an Gletscher im April.
Auch wenn wir´s schon vergessen hab´n,
i bin dei Apfel, du mein Stamm.
So wie dein Wasser talwärts rinnt,
unwiderstehlich und so hell,
fast wie die Tränen von an Kind,
wird auch mein Blut auf einmal schnell,
sag´ ich am End´ der Welt voll Stolz
und wenn ihr a wollt´s
auch ganz alla –
I am from Austria

Rainhard Fendrich

…fragt mich nicht warum, denn eigentlich war ich bis heute sicher, dass „der Glockner“ in diesem Lied vorkommt. Tut er nicht. Beim Gletscher war es jedoch immer er, der mir dazu einfiel. Daher verbinde ich auch seinen Anblick mit diesem Lied und seiner Message. Assoziationen sind tatsächlich etwas Starkes und Spannendes. Und aus diesem Grund widme ich diesen Post nun dem Wort „Heimat“, das mir tatsächlich schon vor so langer Zeit von Christina geschenkt wurde (obwohl ich zu Beginn etwas ganz Anderes vorhatte). Dieser Post ist aktuell der letzte aus der Kategorie #travelathome (da könnte ich glatt noch das geschenkte Wort „Hashtag“ einbauen – das hebe ich mir aber für ein andermal auf 🙂 ), der in meinen Entwürfen liegt. Es ist eine Kategorie, die ich ins Leben gerufen habe für alles, das ich in Österreich (das ich salopp als meine Heimat bezeichnen würde) anschaue und wo ich dennoch Tourist bin. Tourist zuhause, Tourist im eigenen Land. Manchmal ist es dieser Blick, der einem erst bewusst macht, was Heimat ausmacht (Anmerkung: Heimat ist nicht „zuhause“! – das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe!).

Ich fühle mich an Orten zuhause, die nicht meine Heimat sind. Und nur, weil ich mich in meiner Heimat befinde, heißt das nicht, dass ich mich dort immer und zu jeder Zeit wohlfühle, nicht einmal, dass ich da immer zuhause bin. Aber sie ist ein Teil von mir und hat mich geprägt, in einem Ausmaß, das ich nur vermuten kann. Wer wäre ich, wenn ich an einem anderen Ort der Erde geboren worden wäre? Wie wäre die afrikanische, die arabische, die asiatische Version von mir?

Heimat ist meist an einem Ort lokalisierbar, aber dennoch ist es letztlich nicht der Ort, der sie ausmacht. Vor allem sind es die Menschen, ist es die Kultur. Meine Heimat ist ein Land mit hohem Wohlstand, hoher Sicherheit und hohem Grantigkeitsfaktor. Meine Heimat ist ein kleines Land mit einer kleinen Bevölkerung und einer kleinen Großstadt. Ein demokratisches Land mit einer langen und bewegten Geschichte. Ein Land mit wunderschönen Bergen, aber ohne Meer. Sie ist das Land von Wolfgang Amadeus Mozart, Maria Theresia, Sigmund Freud, Gustav Klimt, Karl Landsteiner, Bertha von Suttner,  Friedensreich Hundertwasser, Maximilian Schell, Udo Jürgens, Romy Schneider, Falco, Christoph Waltz und Arnold Schwarzenegger. Das Land von Mannerschnitten und Red Bull. Von anderen Dingen und Personen, über die wir nicht gerne sprechen.

Ich glaube an das Konzept der „kulturellen DNA“. Wir wachsen auf inmitten einer Gesellschaft, die oft ein gewissen geschichtlichen und politischen Fokus hat, der von dem anderer Kulturen abweicht. Wo es eine gewisse Übereinstimmung gibt in einem kulturellen/gesellschaftlichen Gedächtnis und einem medialen Umfeld, das auch an uns übertragen wird. Wir sind, wie wir sind, weil wir da waren, wo wir waren. Diese Heimat ist ein Teil von uns. Wir können sie auf- und annehmen, oder wir können uns dagegen auf- und sie ablehnen, aber wir werden immer in irgendeiner Form darauf bezugnehmen in unserem Denken, Fühlen und Handeln.

Schenkt mir Wörter!

* den gesamten Text findet ihr hier.