Manche von euch haben vielleicht vor einiger Zeit das Posting über mein erstes Unterwassererlebnis gelesen. Für alle anderen: ich hatte Zeit meines Lebens so viel Angst vor lebenden Gewässern, dass es mir nicht möglich war, die traumhafte Unterwasserwelt mit eigenen Augen zu sehen. Ich habe es 2015 tatsächlich geschafft, mich dieser Angst zu stellen und arbeite jetzt Stückchen für Stückchen daran, mich meinem Traum zu nähern, diese Welt selbst zu erkunden. Heuer in Kroatien war es wieder so weit.

Ein wundervoller, leerer Strand, nur 10 Autominuten von unserem Apartment entfernt, auf der Insel Ciovo, in der Nähe von Trogir. Wunderbar klarer Einstieg, weitgehend seeigelfrei, türkisblaues Wasser und weiße Kieselsteine.

Zum Wiedereingewöhnen erstmal viel Ruhe. Und eine Krabbe.

Ein paar Tage später, unsere Lieblingsbucht in Brela, mit Schriftbarschen.

Einzelne Schwimmkünstler, die wir ein bisschen in der Bucht verfolgt haben.

Zaubermomente, in denen zwei Universen aufeinandertreffen.

Kleine verrückte Fischschwärme. Wunderschön einfallende Lichtstrahlen. Und diese unbeschreiblichen Abstufungen aller Türkis- und Blautöne.

Für Schnorchel- und Taucherfahrene mag das Mittelmeer, besonders in der Gegend, langweilig erscheinen. Aber das ist es für mich nicht. Jeder Fisch ist ein kleines Wunder, jede Krabbe ein Lebewesen außergewöhnlicher als alle Aliens, die sich Menschen je ausdenken konnten. Atmen unter Wasser, eintauchen in ein völlig anderes Universum, nur einen Schritt von meinem entfernt. Absolute Stille, in der nichts hörbar ist als der eigene Atem. In der die Zeit stillsteht und Stunden wie Minuten verrinnen. Faszination im Hier und Jetzt. Ein Stück Himmel auf Erden.


Es ist ein unbeschreiblich faszinierendes Universum, das sich uns unter Wasser auftut. Eine Welt, die der an Land manchmal gleicht und die manchmal so anders ist. Ein sensibles Ökosystem, in dem der Mensch noch keine Hochhäuser und Fabriken gebaut, aber dennoch sehr stark eingegriffen hat.

Natürlich war mir immer bewusst, dass es wichtig ist, achtsam mit diesem Planeten umzugehen. Es machte mich schon immer wütend und verzweifelt zu lesen, wie ignorant viele Nationen dabei sind, unseren Lebensraum für alle, die darauf leben, zu schützen. Und auch, wenn mein ökologischer Fußabdruck kein vorbildlicher ist, gebe ich mir Mühe, wo ich kann – denn irgendwo muss man beginnen. Ich wünsche mir, dass das unnötige Plastik aus unseren Supermärkten verschwindet und dass wir das, das wir benutzen, zumindest ordnungsgemäß entsorgen. Ich wünsche mir, dass Menschen beim Zähneputzen das Wasser abdrehen und dass jeder, der zwei gesunde Füße hat, 200m nicht mit dem Auto zurücklegt. Ich wünsche mir, dass ich mich selber bessere, wo ich heute vielleicht unbewusst und unachtsam Schlechtes tue. Ich wünsche mir, dass nach umweltfreundlicheren Alternativen geforscht wird und es den Menschen leichter gemacht wird, sich dafür zu entscheiden. Und dass die Verantwortlichen für Deep Water Horizon irgendwann ihr Karma trifft.

Seit ich meinen Kopf unter Wasser gesteckt habe, habe ich zum ersten Mal einen Begriff davon bekommen, was mit der Verschmutzung der Meere gemeint ist. Es krümmt mir den Unterleib zusammen, wenn ich lese, dass Wale sterben, weil ihr Magen voll von menschlichem Unrat ist. Es drückt mir die Luft ab, wenn ich sehe, wie sich Delfine in Fischernetzen verfangen und verenden und es bricht mir das Herz, wie Haie mit eingewachsenen Angelhaken in den Flossen leben müssen oder mit abgeschnittenen Flossen zurück ins Meer geworfen werden.

Natürlich bin ich keine Heilige und schade mit meinem Lebensstil oft der Umwelt. Das ist mir bewusst. Auch, dass es viel Verbesserungsbedarf in meinem Alltag gäbe. Manchmal frustriert es mich so sehr, dass ich das Gefühl habe, so lange Industrienationen keine Verantwortung übernehmen, ist alles andere ohnehin zwecklos. Aber wenn wir alle so denken, wird es nie Veränderung geben. Darum versuche ich, zumindest kleine Dinge zu tun, die weder aufwändig noch schmerzhaft sind. Dazu gehört für mich zu aller oberst: Plastik gehört in den dafür vorgesehen Müll. Nicht auf die Straße. Nicht in die Wiese. Und schon gar nicht ins Wasser. Plastik wird von der Natur niemals abgebaut. Es integriert sich nicht in einen Organismus. Aber es kann recycelt werden. Denn Verpackungsmaterial, Kanister, Plastiksackerl und Millionen anderer Dinge liegen bereits zu Hauf am Meeresgrund und töten täglich die Bewohner dieses magischen Universums. Jedes Ding, das wir ordnungsgemäß entsorgen, rettet vielleicht eines dieser Leben. Bitte, denkt daran.

Mein Beitrag zu Myriades Wort: nachhaltig.

Schaut dazu auch Markus‘ Beitrag 42 things I found at the beach an.


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46 Comments on “Go East 2017: Kroatien Unterwasser & [Wort] nachhaltig

  1. Ein wunderbarer Beitrag. Du hast dieses äußerst wichtige Thema „Nachhaltigkeit“ fabelhaft mit Worten und auch deinen herrlichen Bildern untermalt ❤

    Ich seh es wie du – auch wenn es einem manchmal die Luft abdrückt was um einen rum passiert und man nicht immer den Sinn sieht – Nachhaltigkeit fängt im kleinen an und ein kleiner Schritt ist immer noch besser als keiner.

    Ein Beitrag der hoffentlich noch viele andere Menschen erreicht und zum denken anregt! ❤

    • dankeschön ❤ ich musste übrigens bei dem beitrag an deine bienenwachs-tücher denken 🙂
      achja, das wäre schön. es ist halt auch so ein thema, in dem soviel wut und aggression steckt, wo soviel vorwürfe und angriffe verteilt werden, dass es wiederum viele gibt, die den kopf total in den sand stecken. man sollte einfach viel mehr MITeinander reden.

  2. Nachhaltigkeit ist so ein großes Thema, dass ein einzelner vielleicht niemals alle Aspekte leben und ‚abdecken‘ kann. Zumal wir ja, ich lehne mich jetzt da mal an Precht an, keine mündigen Verbraucher sind. Wir wissen vieles gar nicht. Wir sind nicht voll informiert. Das Internet hilft, die Lücken aufzufüllen, aber auch da ist ja Vorsicht geboten, wie wir wissen.
    Aber es gibt auch viele Bewegungen. Plastikfreie Läden kommen jetzt sogar schon in den kleineren Städten an, was ich toll finde. Schade, dass es hier noch keinen gibt. Ich persönlich konsumiere bestimmt viel mehr Plastik, als nötig wäre, aber in meiner Wohnung versuche ich es schon aus ästhetischen Gründen zu vermeiden. Mein Spüli steht zum Beispiel in einer Glasflasche. Wenn ich es jetzt noch zapfen gehen könnte… Nur ein Beispiel.
    Dass die Meere und die Regenwälder unsere wichtigsten Ressourcen auf der Welt sind, merken wir flächendeckend vielleicht erst, wenn es zu spät ist. Wie ging noch dieser Spruch? „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“…

    • oh ja, da hast du etwas ganz wichtiges gesagt. ein einzelner kann niemals in allen aspekten das „richtige“ tun – und unwissenheit spielt da mit sicherheit eine große rolle, aber auch, dass wir ja nicht nur zum selbstzweck leben, sondern auch verpflichtungen haben und einen dach über dem kopf brauchen, das wir bezahlen müssen. es kann glaube ich auch leicht passieren (mir zumindest), dass man was das thema betrifft in eine spirale reinrutscht, dass man das gefühl hat, jeder schritt den man tut, schadet der erde und da in ein ziemliches drama reinstürzt.

      ja, an dieses zitat musste ich beim schreiben auch denken. es ist leider so, dass die menschen gemeinhin wahrnehmen, dass der strom aus der steckdose kommt und wasser aus der leitung. es ist einfach alles total selbstverständlich und im grunde wundert es mich gar nicht. luftverschmutzung und müllproblem im meer wirken halt so abstrakt, wenn man in einer kleinen österreichischen gemeinde als verkäufer/in arbeitet. also hausnummer. wenn man nie bilder gesehen hat, wie der meeresboden aussieht oder wie es aus indischen fabriken russt. es fehlt auch oft der bezug und die wahrnehmung der kausalität.

      • Womit wir dann wieder bei der Frage der Information sind. Es ist ein Fass ohne Boden, diess Thema. Ich glaube, dass wir da auch politisch denken müssen, weil eben einzelne alleine da nicht weit kommen. Das ist eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen, die wir an die Macht setzen, diese Dinge tun. Und das tun wir wiederum bei Wahlen. Und beim Einkaufen. Aber da sind wir dann wieder unmündig. Ich glaube, wir stehen gerade erst am Beginn eines Erwachens (da schließe ich mich mit ein)… Aber es ist doch eben genau so wie mit Krankheiten. Ein Schnupfen lässt uns noch nicht aufhorchen. Eine Grippe, na ja, die hat man halt mal. Erst wenn wir chronisch krank werden, beginnen wir nachzudenken, ob da nicht was falsch läuft in unserem Leben. Wir sind schon ziemlich ‚leidensfähig‘, wir brauchen eben immer erst den großen Knall, bevor wir aufwachen.
        Und dann ist da ja auch noch der Punkt der Verhältnismäßigkeit, wie Du ja schon sagtest. Eben auch da mit Maß und Ziel, sonst wird man verrückt. Schwieriges Thema….

        • oh ja, das ist es wirklich. aber solange „die anderen“ lobbies das geld haben, wird es schwierig. ich seh es ja bei uns – biomasse vs. öl. die, die das geld haben, dominieren die medien. es ist schwer, dagegen anzukommen, weil eben nie etwas nur schwarz oder weiß ist, weil man details herauspicken und dadurch die menschen beeinflussen kann und die wiederum haben auch nicht viel mehr möglichkeiten, als zu glauben, was sie lesen. ein teufelskreis.
          und die verhältnismäßigkeit ist ein riesen punkt. es gibt menschen, die das bewusstsein schon haben – und auch für die muss es machbar sein und darf es das leben nicht bestimmen. und dann gibt es die, denen es nicht einmal wichtig ist, weil sie eben sind wie sie sind. für die müsste es im besten fall einfacher sein.

  3. Ohhhhh, liebe Paleica, das ist ein Beitrag, der mich richtig freut, inhaltlich wie fotomäßig: ich liebe das Meer, Blau in allen Variationen und Wasserfotos und habe auch eine ziemliche Plastikaversion entwickelt. In diesem Sinne danke für die wunderschönen Fotos ❤

  4. Hach, Unterwasser… …da hast du echt den richtigen Kopf bei mir gedrückt. Ich liebe es!!! Eine eigene Welt in der man sich in drei Dimensionen bewegen kann. Schön, echt!

    …und Danke für’s rebloggen!! 🙏

    • das freut mich sehr markus. ich liebe es auch, es ist so ein faszinierendes und wunderschönes universum. und dein post hat einfach perfekt dazugepasst!

  5. Herrliche Ansichten!! Gerade die Bilder auf denen Du zum teil unter und zum teil über Wasser fotografierst… Das Thema würde mich selbst ja auch sehr reizen!! Muss ich unbedingt mal einplanen. Wirklich schön! Und sehr passend dazu natürlich auch die Querverbindung zum Thema nachhaltig! Eine runde Sache voller Magie, Farben und einzigartigen Momenten…

  6. Ein sehr schöner Beitrag mit einem Appel zur Nachhaltigkeit, damit diese und andere Schönheiten nicht bald für immer verloren sind. Du sprichst mir aus der Seele.
    Das Wasser in Kroatien ist herrlich. Ich habe es geliebt, dort zu Schnorcheln und bin stundenlang nicht aus dem Wasser gekommen. Die Muscheln, die ich mitbrachte, erinnern mich jeden Tag daran. Danke für das Wecken des Fernwehs und danke für in Erinnerung, selbst immer wieder über Kleines und Grosses nachzudenken!

    • das freut mich liebe mitzi, aber ich darf dir sagen, es wundert mich nicht, dass auch dir das wichtig ist 🙂
      danke fürs lesen und deine schönen worte, es freut mich auch sehr, wenn ich in dir mit meinen bildern etwas wachrufen kann, so wie du das mit deinen worten bei mir tust.
      hoffen wir, dass der mensch es nicht kaputt macht, dass es noch nicht zu spät ist und dass wir wieder lernen, MIT dem planeten zu leben und nicht nur AUF ihm. es tut mir weh, wie gleichgültig viele menschen all den faszinierenden und beeindruckenden lebewesen gegenüber sind, die hier mit uns leben und ich wünsche mir von herzen, dass die schlimmste zeit der bedrohten arten mit dem 20. jahrhundert vielleicht doch vorüber ist.

      • Den Schmerz kann ich dir nachfühlen. Es ist zum Heulen wenn man seit Jahren beobachtet, wie sorglos und dumm mit der Schönheit und Vielfalt unserer Erde umgegangen wird. Am liebsten möchte man gar nichts mehr davon hören und weiß zugleich, dass man immer wieder davon lesen muss (und auch darüber sprechen oder schreiben) damit sich hoffentlich etwas ändert. Zum Ausgleich für den Kloß im Magen, bei den Gedanken, schaue ich mir jetzt noch mal deine schönen Bilder an.
        Liebe Grüße

        • ja, das ist es wirklich. es ist tatsächlich etwas, das mir körperlich weh tut. wenn man schnorchelt und dann liegen da überall plastikflaschen, aludosen und verpackungszeug… das ist absolut fürchterlich. wenn man sich dann vorstellt, wieviel davon schon da ist, wieviel mehr es jeden tag wird und dass das niemals verschwinden wird… diese unachtsamkeit, ignoranz und präpotenz, mit der der mensch da umgeht, macht mich immer und immer wieder traurig. für viele ist das meer einfach nur eine monströse wasserlacke. vielleicht hilft es, wenn mehr und mehr bilder vom leben darunter verbreitet werden, um mehr bewusstsein zu schaffen, welch ein sensibler lebensraum sich darunter verbirgt.

  7. huaaaaahhhhhhhh…….. Ich liebe ja Wasserwelten und bin immer hin und weg von solchen Aufnahmen wie deine! Schorcheln könnte ich mir auch selbst vorstellen… Aber niemals eine Kreuzfahrt. Ich habe mega Angst vor der Tiefe, dem Dunklen – darin zu ertrinken. Das ist für mich der schlimmste Tod den ich mir vorstellen kann…… Da bist du schon viel mutiger! Toll das du dich deiner Angst stellst! Tja und was die von uns gemachte Umweltverschmutzung betrifft, ich würde hier nur emotionalvirtuellsowasvonausrasten, das ich hier lieber nicht drüber schreiben möchte. Nur soviel das Jeder täglich seinen Beitrag dazu leisten kann, ohne Aufwand!

    • oh danke liebe britta! mir geht es übrigens auch so, ich liebe bilder von der unterwasserwelt und es ist jedes mal wieder magisch, selbst unter die oberfläche zu tauchen und dort zeit zu verbringen.
      ich muss ehrlich sagen, dass ich auch ziemlich viel angst vor dem offenen meer hab und ich war auch noch nie irgendwo im wasser, das mehr als ein paar meter vom ufer entfernt war. auf dem schiff versuche ich darüber nicht nachzudenken, weil mich das meer gleichermaßen unendlich fasziniert und es kaum etwas schöneres gibt als auf einem riesen schiff, das am ozean dennoch nicht mehr als eine nussschale ist, den mond beobachten, wie er sich in den wellen spiegelt.
      und ja, ich habe lange geglaubt, dass diese angst mich ein leben lang begleiten wird und dass es nie möglich sein wird, die zu überwinden – aber ich habe mich getäuscht und das ist ehrlich wunderschön.

      genau was du sagst finde ich so wahr und richtig: man muss ja nicht sein leben der sache verschreiben, aber es gibt soviele kleine dinge, die man tun kann, die ein bisschen einen beitrag leisten und die nicht weh tun. und das sollten wir wirklich alle machen.

    • oh das dachte ich auch lange und ich habe viele jahre meines lebens geglaubt, dass es unmöglich sein wird, das je selbst zu erleben. es kommt halt immer drauf an, wie wichtig es einem ist, über eine angst wegzukommen, ob es sich lohnt, ihr den kampf anzusagen.

  8. Ich finde jedes Meer hat seinen eigenen Reiz und Faszination! Deine Fotos sind einfach umwerfend! Welche Kamera hast du dafür verwendet? Und ja, man muss kein Ökofreak sein um die Umwelt ein klein bisschen zu schonen… Ich halte das so ziemlich ähnlich wie du!

    • oh dankeschön! ❤ und ja, das finde ich auch. obwohl es dennoch sicher orte gibt, die einfach spannender sind. andererseits ist dieses "harmlose" mittelmeer gut, um sich erstmal überhaupt dran zu gewöhnen 🙂
      das ist die canon g1x!
      absolut. es wäre wunderbar, wenn es eines tages einfach allgemein zum guten ton gehören würde, auf die umwelt aufzupassen.

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