Mal wieder Zeit für: Hier Titel eingeben.

Künstlerische Fotografie ist nicht immer nur der Akt der Fotografie an sich. Künstlerische Fotografie ist auch die Reflexion über die eigene Sichtweise, die eigenen Perspektiven, die eigene Technik. Es gibt schaffende Phasen und es gibt ruhende Phasen. Es gibt Phasen, in denen man ständig die Kamera vor dem Auge trägt und Phasen, in denen sie verstaubt. Phasen, in denen Lightroom glüht, Phasen in denen VSCO befüllt wird und Phasen, in denen nichts davon passiert.

Ich bin gerade in einer Phase der Reflexion angekommen. Es hat sich so Vieles verändert seit dem Kauf meiner ersten Kamera, die ich für künstlerische Fotografie verwendet habe. Es hat sich so vieles verändert im Bereich der Technik des Geräts, in der Bildbearbeitung, in der Mode, aber auch in der Herangehensweise und so habe auch ich mich verändert. Die Bilder, die ich jetzt mache, haben nur noch sehr geringe Gemeinsamkeiten mit den Motiven, die ich zu Beginn dieser Lebensweise (denn es ist so viel mehr als ein Hobby) für festhaltenswert empfunden habe. Das ist logisch, das ist Entwicklung. Dennoch ist auch Vieles verloren gegangen, das ich wiederfinden möchte. Ich habe dazu viel Zeit damit verbracht, mir meine alten Bilderordner anzusehen, aus der Distanz. Ich habe Fotos entdeckt, die mir zuvor nie aufgefallen sind. Ich konnte nichts mehr finden an vielen Bildern, für die ich mich zum Zeitpunkt ihrer Entstehung so begeistert hatte. Dafür habe ich etwas empfunden bei Bildern, die ich vielleicht nur aus Faulheit oder Unorganisiertheit nicht in die Rundablage verschoben habe. Zum Glück.

 

Ich hatte viel Freude daran und es hilft mir dabei, mich wieder etwas mehr zu sammeln. Ich habe das Gefühl, als würde ich mehr und mehr zerstreuen, als wären einzelne Moleküle von mir soweit voneinander entfernt, dass sie mit anderen kaum noch in Kontakt stehen. Es gibt keinen roten Faden, nirgends, auch hier nicht. Meine Texte sind zerpflückt und können oft nur schwer mit den Bildern in Verbindung gebracht werden. Auch von mir, da die Assoziation oft nicht mehr ist als ein kleines und leises Gefühl. Ich bin dankbar für die geschenkten Wörter, denn ohne sie wäre es hier still geworden. Der Kopf rotiert, das Hirn arbeitet, es gibt wieder einmal so vieles zu denken, zu bedenken, aber wenig, das sich hier verarbeiten lässt, das euch Mehrwert bietet, das lesenswert sein könnte. Vielleicht nicht einmal wegen der Gedanken selbst, sondern weil ich es nicht schaffe, sie zu fassen, sie einen Moment zum Stillstand zu bringen, um sie in Worte zu fassen. Hier schießt eine Floskel vorbei und dort ein Zitat, doch ich komme mit der Wahrnehmung kaum noch nach, vom Festhalten gar nicht erst zu sprechen.

 

Ich weiß nicht, was es gerade für eine seltsame Phase ist, in der ich mich befinde. Wohl eine, in der die Welt „da draußen“ viel Aufmerksamkeit fordert und mich daran hindert, lange genug stillzusitzen, um klare und strukturierte Worte zu finden. Ich fühle mich wie ein Welpe, dessen Aufmerksamkeitsspanne vielleicht einen halben Satz beträgt und so lesen sich gerade auch meine Posts hier. Ich wünsche mir sehr, dass das wieder anders wird. Ich wünsche es mir für euch, aber auch für mich. Ich will schreiben, ich finde einen Ansatz, der mir wichtig erscheint, doch es kommt zu keinem Ende, zu keinem Fazit. Es gibt eine Einleitung, vielleicht einen Spannungsaufbau, aber niemals einen Schluss. Es ist wie das Leben, das mich gerade herumschubst und mir immer wieder zeigt, dass es kein Ankommen und kein endgültiges Fazit gibt. Es gibt nur das Leben, das jetzt und was wir gerade schlussfolgern, das passt für heute, vielleicht für morgen, doch nächstes Jahr, da sehen viele Dinge schon ganz anders aus.

 

Leben, leben, leben. Nichts anderes will ich. Ich habe die Nase voll vom ewigen Reflektieren, darüber nachdenken, analysieren. Ich nehme mir gerade wenig Zeit dafür, weil sich andere Dinge nunmal wertvoller anfühlen. Ich weiß nicht genau, wozu ich es schreibe, aber es ist der flüssigste Text, der seit langem aus meinen Fingern geronnen ist.

Ich weiß nicht, wie es hier weitergeht. Es geht weiter, das tut es immer, zumal es so unendlich viele ungezeigte Bilder gibt und gerade auch noch so viele neu aufgelegte dazukommen, die ich ebenfalls gern in neuem Glanz veröffentlichen möchte. Aber ich weiß nicht, wie es mit den Worten dazu laufen wird. Das Schreiben in einem Kontext fällt mir gerade so schwer. Nehmt es mir nicht übel. Ich gebe mir redlich Mühe, aber es gelingt gerade nicht so, wie ich das von mir gewöhnt bin und ich bin müde mich damit unter Druck zu setzen. Das bringt mir nichts und euch auch nicht.

 

Ich stehe gerade an einer Kreuzung, an der es viele neue Wege gibt. Ich habe schon neue Abzweigungen genommen. Magic never happens within your comfort zone. Meine Komfortzone war mir so viele Jahre meines Lebens heilig, jetzt verliert sie in manchen Belangen an Bedeutung. Meine Wertvorstellungen verändern sich. Meine Prioritäten verändern sich. Ich bin am Weg, aber ich weiß noch nicht genau wohin. Stay tuned, es wäre schön, euch dennoch nicht zu verlieren.

 

Bilder: Schlosspark Laxenburg, März 2013