50f – Ferne | AIDA Nordeuropa7 Mai 2013: Ruhe und Frieden | Ein Film zum Thema (Haneke: Liebe)

Der Beitrag mag von dem was er zeigt etwas kontrovers scheinen – von dunkeldüster bis kunterbunt – doch damit spiegelt er all das, was damit zusammenhängt.

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Die ersten beiden Bilder stammen von unserem noch sehr winterlichen Ausflug zum Zentralfriedhof und werden nicht ganz unabsichtlich am 26.6. gepostet. Die fernste Ferne, die ich mir erdenken konnte.

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Ein freundlicher Ort.

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Ein vorgezeichneter Weg.

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Zur Erinnerung.

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Setz dich kurz hin. Ein Moment zum Innehalten.

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Vergänglichkeit und Ewigkeit.

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Ibsen.

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Die Steinkirche in Voss (Norwegen) ~ 1200undnochwas.

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Ich mag Friedhöfe, solange sie mich nicht betreffen. Den Friedhof, der mich betrifft, den betrete ich nicht – denn das ist der Ort, an dem die Ferne bewusst wird.

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haneke-amourZu diesem Thema will ich noch kurz ein paar Worte über einen Film verlieren. Er trägt den Titel „Liebe“ (Im Original: „Amour“). Regisseur: Michael Haneke.

Eigentlich wollte ich ihn schon im Kino sehen, aber es kam nicht dazu. Also habe ich vor ein paar Wochen die DVD besorgt. Momentan haben wir wenig Zeit für ausgiebige Filmabende, der Wecker läutet zu früh, doch am Freitag Abend macht das nichts. Ich habe absichtlich den Abend ausgesucht, da ich wusste, wir haben noch Wochenendprogramm und ein bisschen Aufheiterndes vor uns. Ich habe damit gerechnet, dass der Film nahe geht, aber wie nahe, das habe ich nicht vorhergesehen.

Zum ersten Mal seit ich denken kann frage ich mich bei einem wirklich bemerkenswert guten, qualitativ hochwertig gemachten und dramaturgisch unglaublich gelungenem Film: wieso tut man sich so etwas an?

Von der Ästhetik erinnert er an Karl Markovics „Atmen“. Puristisch, realistisch. Fern von jedem Hollywoodglamour trägt der Film wie kein anderer seinen Titel „Liebe“ und spricht gleichzeitig einige der schlimmsten Ängste an. Dass man nie diese Liebe findet. Dass dieses Schicksal einen selbst ereilt. Den Partner oder jemanden aus der Familie. Dass man über das Leben oder den Tod eines geliebten Menschen entscheiden muss. Der Film beschreibt die Liebe, wie es sie nur nach vielen Jahren gemeinsamen Lebens geben kann. Liebe die daraus entstanden ist, in einem „wir“ durch die Zeit zu gehen, in der man sein Gegenüber in- und auswendig kennt. Vermutlich ist es jene Liebe, von denen die meisten Menschen träumen, die die wenigsten in den heutigen gesellschaftlichen Umständen aber noch verwirklichen (können). Dann passiert etwas ganz Alltägliches, etwas, das in hunderten und tausenden Familien jeden Tag vorkommt: ein Schlaganfall. Von da an ist jeder Tag ein Stückchen bergab des Weges bis zum Tod.

Mehr möchte ich dazu gar nicht mehr schreiben, ob man ihn sich ansehen will, davon will ich weder abraten noch dazu aufmuntern. Nur für mich konnte ich ihn nicht völlig unkommentiert lassen, das wäre unter seiner Würde gewesen.