Gedanken Neuerscheinung Projekt

50f – Hut und eine Erinnerungsminute

Es ist dies eines meiner Lieblingsbilder aus dem letzten Winter, von meinem Ausflug auf den Zentralfriedhof. Ich mache selten Aufnahmen von Menschen, weil das immer alles ein bisschen kompliziert ist, in Wahrheit. Ich möchte euch dieses aber trotzdem einfach so zeigen, wie es ist. Ohne großen Kommentar.


blog_50f-hut

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Ursprünglich wollte ich etwas Anderes veröffentlichen, aber dann bin ich durch Zufall über den Abschiedsbeitrag von Skryptoria gestoßen. Ich habe eigentlich viele Jahre lose mit ihr geschrieben, wir haben gegenseitig Beiträge kommentiert und ein bisschen das Leben des anderen gestreift. Was passiert ist – ich weiß es nicht. Erschreckend finde ich es immer, wenn Menschen, die so mitten im Leben gewirkt haben, auf einmal verschwinden.

Ich kenne die Umstände nicht, aber ich möchte einfach einen kleinen Gedenkmoment an Tina einbauen, da sie mir oft viele und liebe Kommentare geschrieben hat, über die ich mich immer sehr gefreut habe. Trotzdem ist mir erst, als ich ihren Namen gelesen habe, aufgefallen, dass sie schon länger „still“ war. Und „still“ war auch der letzte Beitrag, mit dem sie beim Magic Monday teilgenommen hat. Aus heutiger Sicht stimmt es mich sehr traurig, dafür nicht mehr persönliche Worte gefunden zu haben, obwohl ihr Text dazu schon sehr doppeldeutig zu verstehen war.

In der heutigen Zeit kommt noch das Vermächtnis des Internets dazu. Ich finde, es löst immer ein sehr eigenartiges Gefühl aus, wenn man Blogs, Facebookprofile oder andere virtuelle Identitäten von Menschen besuchen kann, die es gar nicht mehr gibt. Die Person ist gleichzeitig so nah und doch so fern. Ich finde gerade nicht ganz die richtigen Worte, um die Betroffenheit über den Abschied von einem Menschen auszudrücken, den ich kannte und doch nicht kannte. Aber ich möchte nicht ganz stillschweigen, also hoffe ich, dass ihr herauslesen könnt, was ich meine.

36 comments on “50f – Hut und eine Erinnerungsminute

  1. Du hast genau die richtigen Worte und das passende Foto gewählt um die besondere Stimmung auszudrücken, die uns umfängt, wenn wir vom Tod hören oder lesen.
    Der einzige Trost (meiner Meinung nach) ist, dass der Tod eben zum Leben dazugehört, ohne Tod auch kein Leben!
    Liebe Grüße
    moni

    • hallo moni, danke für deine lieben worte. damit hängt es sicher auch zusammen. man ist irgendwie immer bedrückt, wenn man so etwas mitbekommt, besonders wenn menschen zu jung gehen oder gehen müssen.

  2. Ich hatte es total verdrängt und wurde durch eine schlimme Unachtsamkeit von mir in die Trauer zurück geholt, manchmal achtet man nicht auf Name und Nickname, das ist mir passiert, tut mir echt leid

  3. Ich habe durch Zufall ihren letzten Post gelesen, ein paar Mal sogar, muss ich gestehen und ich habe eine Gänsehaut dabei bekommen, als ich so richtig begriff, dass es sich tatsächlich um einen realen, echten Abschied handelte.
    Ich habe Tina nicht gekannt, weder durchs bloggen noch persönlich, aber ich bin irgendwie sehr berührt. Ich fand es auch irgendwie sehr mutig, sich in diese Weise selbst zu verabschieden.
    Mutig und traurig zugleich.
    Ich hoffe, sie hat nun ihren frieden gefunden.
    Du hast sehr schöne Zeilen dazu geschrieben, es ist richtig zu verstehen !
    Liebe Grüße
    Jutta

    • hallo jutta, mir geht es ähnlich. ganz zu beginn dachte ich, sie hätte nur den blog geschlossen, wohl weil man selten mit einem „echten“ abschiedspost rechnet. als ich es dann aber richtig verstanden habe, war ich sehr betreten… es ist auch immer das gefühl „was war mein letzter kontakt zu diesem menschen, was hat man gesagt, gemerkt,…“

      danke für deine lieben worte zu meinen gedanken.

  4. Ich sitze hier gerade noch ein klein wenig wortlos und staune darüber, wie oft manchmal bestimmte Themen unsere Leben zur gleichen Zeit streifen. Ich habe heute wieder Stück für Stück ein paar Verbindungsstränge zu einer (virtuellen) Welt gekappt, weil ich mich in ihr einfach nicht wiederfinde. Nahezu gleichzeitig wurde ich in einer anderen von einer Neuigkeit überrascht, die mich zum Staunen und Lächeln brachte. Und mir wieder einmal gezeigt hat, dass einem Menschen, die man man schon viele Jahre nicht mehr gesehen oder vielleicht sogar noch niemals getroffen hat, trotzdem ganz nah sein können, wenn beide Seiten offen dafür sind.

    Wenn jemand verschwindet, der irgendwie, in irgendeiner Form Teil des eigenen Lebens war, auch wenn es vielleicht nur ein kleiner Teil war, hinterläßt das immer eine Lücke und fühlt sich komisch an. Ich habe nur sehr selten in Skryptoria’s blogs reingeschaut, hatte aber sofort ihr Avatarbild im Kopf als ich Deine Worte las. Ihre lieben Kommentare und Sternchen sind wohl auch eine Art Vermächtnis.

    • das erstaunt mich ehrlicherweise auch immer wieder. manchmal habe ich das gefühl, als würden wir uns schon ewig kennen und hätten schon oft miteinander geplaudert. oder fotografiert. ich finde es schön, dass das internet ermöglicht, menschen zu treffen, zu begleiten, die man sonst nie kennengelernt hätte. ich denke auch, dass nicht zwangsläufig die phyisische nähe eine rolle spielt darin, was man zu einem anderen menschen für einen draht hat.

      das sind sie bestimmt. vielleicht auch für verwandte oder freunde. aber dieses thema „vermächtnis“, das man heutzutage hinterlässt, wenn man contentproduzent ist, das beschäftigt mich immer wieder – und aus diesem anlass grade besonders.

  5. Ein schönes Bild für diesen nachdenklichen Beitrag, der zeigt, dass wir auch im Internet Bindungen eingehen. Nicht so verbindlich wie im real life, aber doch so, dass wir mitfühlen und vermissen.

  6. Du hast schöne Worte gefunden und das Foto passt auch wunderbar dazu. Man muss Menschen gar nicht persönlich kennen, kann trotzdem eine Verbindung haben und es bleibt eine Leere, wenn sie plötzlich nicht mehr da sind.

    LG Soni

    • hallo liebe soni, danke für deine worte. ich finde es schön, wenn die menschen anteil nehmen und betroffen sind und solche nachrichten nicht egal sind oder gleich vergessen werden.

  7. Schönes Bild. Traurige Gedanken – ich stimme dir da aber voll zu. In der letzten Zeit ist es mir sehr oft untergekommen, dass Menschen mit Online-Profilen verstorben sind oder einfach aus der virtuellen Welt verschwunden sind. Ich finde es sehr sehr unschön, diese Profile dann zu erblicken. Da wird einem richtig bewusst, wie schnell man weg sein kann. Meistens nämlich ohne Abschiedspost. 😦

    • mir ist das zum glück noch nicht oft passiert. aber ich habe eine person in meiner facebookliste, die auch ein sehr tragisches schicksal hatte. das ist schon eigenartig. irgendwie ist das schon alles so eine art virtueller friedhof, wo menschen hingehen, auch um nachrichten an denjenigen zu verfassen, der sie wohl in der form nicht mehr lesen kann.

      dieses thema mit abschiedsposts, etc. kommt ja acuh immer wieder auf. und oft frage ich mich, bei verwaisten blogs, was mit den besitzern passiert ist, ob es ihnen gutgeht oder womöglich etwas zugestoßen ist, wovon niemand aus der virtualität je erfahren wird und das zum großteil wohl dann auch in vergessenheit gerät… das ist schon traurig.

  8. Es ist ein komisches, trauriges Gefühl, was man spürt bei deinem und bei ihrem Abschiedspost. So nah kann Leben und Tod sein. Mir fehlen einfach die Worte.

    • ja, mir ging es ebenso, als ich den post auf ihrem blog gelesen habe. zumindest kann man davon ausgehen, dass es sie nicht unvorbereitet getroffen hat, das ist vielleicht ein kleiner trost für sie im speziellen, aber bestimmt nicht für das thema im allgemeinen…

  9. Das ist wirklich ein sehr schönes Foto. Mir gefällt es auch total, weil es so viel aussagt, so tiefgründig ist. Und doch so simpel. Ein toller Moment, den du da eingefangen hast. 🙂

    Ich finde es auch immer etwas seltsam, wenn jemand so aus dem Internet verschwindet… das gibt immer ein etwas komisches Gefühl, egal was da jetzt passiert ist.
    Und die Tatsache, dass es da draußen ja wirklich viele Profile von Leuten gibt, die gar nicht mehr existieren… sehr gruselig… irgendwie ein ganz seltsamer Gedanke (und man merkt, dass ich das jetzt nicht wirklich gut in Worte fassen kann).

    Oh ja, das Wetter war toll! Allerdings werden die eigentlichen Fotos etwas düster, da hätte ich so viel Sonnenschein gar nicht gebraucht… ^^
    Friedhof finde ich ganz schwierig. Wir waren ja auf keinem richtigen Friedhof, sondern in einem Park. Auf einen echten Friedhof hätte ich mich jetzt nicht unbedingt getraut, ich finde das immer etwas schwierig… da bin ich vielleicht zu katholisch aufgewachsen (bzw. zumindest dort, wo so was wirklich ein Tabu ist).

    Oh ja, Abwechslung ist das Stichwort! Ich habe leider einfach nicht die Zeit öfter ein eigenes und neues zu machen. Ich hänge da ja immer ewig am Coding rum… und daher passiert das eher selten. Außerdem mag ich das gerade ganz gut, weil der Header alles aussagt, was man zum Blog wissen muss und gut ist’s. 😉

    Ich finde die Jahreszeiten zur Zeit auch sehr seltsam und nervig. Da gibt es einfach keinen richtigen Winter mehr, keinen normalen Sommer und Übergang? Ich frag mich ja für was man noch Übergangsjacken hat, die hab ich eh nicht mehr an. Entweder friert oder schwitzt man. Dazwischen gibt’s nichts…

    Es ist halt total bekloppt, wenn man alles schön geplant hat, sich eigentlich darauf verlässt, dass alles so bleibt und man so weiter macht und dann… tja, kommt alles anders und die ganzen Pläne sind wieder hinfällig, man sucht verzweifelt nach neuen Terminen usw. Wenn dann eben noch ein paar Leute mehr dabei sind, wird’s noch schwieriger, weil ja jeder seine eigenen Tage hat, wo’s einfach überhaupt nicht geht und ein anderer Job ansteht.

    Hihi, ich weiß das auch nicht so ganz. Meine Schwester kriegt da auch echt viel auf die Reihe und ich frag mich manchmal echt, wie das geht… ^^

    • Das war wirklich ein riesenglück. leider ist der fokus nicht ganz auf dem gesicht, aber ich konnte nicht nochmal abdrücken. die stimmung finde ich transportiert es aber auf jeden fall.

      ja, es ist eigenartig. ich weiß auch nicht, irgendwie schwer zu erklären und irgendwie anders, als die „physischen“ sachen, die man hinterlässt. oft sieht man dann einträge von leuten, die sich nach langer zeit wieder melden und gar nicht mitbekommen haben, was passiert ist, oder so etwas. das ist dann schon komisch.

      manchmal kommt es einem dann gar nicht so gelegen 🙂 naja, da bin ich wirklich auf deine endergebnisse gespannt 🙂 hm dann habe ich mich da verschaut. ich dachte, ich hätte grabsteine gesehen… ja das ist auch schwierig, man muss da schon aufpassen, dass man niemandem zu nahe tritt und so.

      das ist bei mir der vorteil, wenn man selber nicht codet, dann geht das umstellen schneller. ein paar klicks und gut ist. deswegen ist das wechseln ja auch so einfach 😉

      ja die übergangsjacken. so tolle outfits und nie zu gebrauchen, grummel. wobei ich sie letztes jahr doch tatsächlich ein paar mal getragen habe, wer hätts gedacht!

      ja das kenne ich. das ist auch privat immer nervig, wenn kurzfristig was umgeschmissen wird 😦 aber manchmal passierts leider einfach…

  10. ich danke dir für deine gute Antwort

  11. Deine Aufnahme, verbunden mit Deinen Worten…….. geht schon unter die Haut und macht sehr nachdenklich.

    • danke lieber rue. manchmal muss man innehalten und auch die traurigen seiten des lebens zulassen. das ist wichtig, finde ich. man sollte so etwas nie übergehen.

  12. Ich weiß, was du meinst. Mir war schon aufgefallen, dass von ihr nicht mehr kommentiert wurde, hatte aber alle möglichen Gründe dafür in Betracht gezogen. Als ich dann durch Zufall auf ihren letzten Post aufmerksam wurde, hat sich doch einiges erklärt. Die anderen Gründe wären mir lieber gewesen. Und ich vermisse ihre Kommentare… 😦

    • ja, man hofft immer, dass es zeitmangel ist oder sonst etwas, warum menschen sich zurück ziehen. manchmal ist es leider ein abschied für immer 😦

  13. Ich kann gut nachempfinden, welche Gefühle du hast und mir geht es ähnlich . Ich dachte auch, dass sie momentan nur wenig Zeit zum Kommentieren hat , als es stiller wurde….
    Deinen Beitrag finde ich wunderschön und traurig zugleich wie auch das Foto von dem alten Mann.

    • liebe netty, ich finde es schön, wenn die menschen es verstehen, das zeigt zumindest, dass nicht alle desinteressiert an ihrem gegenüber sind und das ist immerhin etwas positives.
      danke auch für das lob zu diesem foto. es hat leider anscheinend einen anlass gebraucht, um gezeigt zu werden…

  14. Ein wirklich schöner und berührender beitrag, danke dafür.
    Verbundene Grüße
    Anna-Lena

  15. Liebe Paleica,
    Deine feinfühligen Worte zu diesem Ereignis berühren mich.
    Ich habe ganz ähnliche Empfindungen wie Du.
    Ich „kannte“ Scryptoria nur sehr am Rande, ich glaube mich zu erinnern, dass sie irgendwann in längerer Vergangenheit mal bei mir kommentiert hatte, aber es entstand daraus kein näherer Austausch.
    Als ich durch Luise Lotte auf dieses Geschehen aufmerksam wurde hat mich das tief berührt und es begleitet mich bis zum heutigen Tag.
    Ich habe in der näheren Vergangenheit erlebt, dass zwei Menschen, die mir doch etwas näher standen, etwa in meinem Alter, den Freitot gewählt haben und daher hängt mir da noch einiges nach. . .
    Das Foto berührt mich auch, irgendwie erinnert es mich an meinen Vater, der auch mit dem Stock unterwegs war.

    Sei herzlich gegrüßt von:
    Beate

    • hallo beate, vielen dank für deine lieben und persönlichen worte. ich habe schon vorhin bei netty geschrieben – trotz aller traurigkeit ist es schön zu sehen, dass die menschen sehr vorsichtig reagieren und dass es niemanden kalt lässt. das sagt auch etwas aus über diesen bloggerkreis hier und dass es doch noch interesse am gegenüber gibt und feinfühlige personen.
      dass du das bei zwei dir nahestehenden personen erleben musstest, tut mir sehr leid für dich…

  16. Du hast die richtigen Worte getroffen. Das ist so traurig. Hach.

    Liebe Grüße
    Romy

  17. Ich verstehe, was du meinst und finde du hast dafür wirklich passende Worte und ein perfekt passendes Foto gefunden. Berührt sehr.

    • danke liebe patrizia. ich finde, es gibt dinge, über die man einfach schreiben sollte, auch wenn es einem schwer fällt.

  18. Hi du!

    Kerle sind ja meist nicht so gut darin, die richtigen Worte zu finden – wenn sie überhaupt mal Worte finden.
    Deshalb gefallen mir deine Worte außerordentlich gut.
    Und auch das Foto hat eine starke Ausdruckskraft.

    Schöner Beitrag von dir. ❤

    • ach dirk, so pauschal kann man das doch auch nicht sagen. ich glaub eher, es ist immer noch nicht so en vogue bei euch männern, worte zu finden.. zumindest bei einigen. danke aber für deinen kommentar, es freut mich, wenn der beitrag seine wirkung tut…

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