Gedanken Neuerscheinung

Metaphern in Graustufen

Dieses Mal habe ich nur eine ganz kleine Galerie für euch. Letztes Wochenende war ich bewaffnet mit dem Tele und dem Pentacon im Kurpark Oberlaa unterwegs, fest entschlossen, an meine Swirlbokeh- und Detailliebe anzuknüpfen. Zu spezielle Erwartungen sind nie günstig, sie bevormunden manchmal das Auge. Als ich bemerkt habe, dass die Umgebung anders ist als bei meinen letzten Ausflügen, habe ich versucht, mich auf das einzustellen, was es zu sehen gab und es sind immerhin doch drei kleine Serien draus geworden. Mit der farblosen möchte ich beginnen.

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Die Wege, die man geht, die Kurven und Biegungen machen anstatt gerade zu verlaufen.

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Verblasste Erinnerungen, die wie Flaumfedern aus der Vergangenheit geflogen kommen und sich zwischen den Gehirnsynapsen verfangen, kitzeln und kaum erfassbar sind.

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Einsame Gegenstände, ehemals Lebewesen, die fern von ihrem ursprünglichen Lebensraum angekommen sind und eine Reise antreten, von der niemand weiß, wohin sie führt.

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Aus der Nähe wirkt das Muster chaotisch. Um zu erkennen, muss man einen Schritt zurückgehen.

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Kennt ihr diese Situationen – ihr denkt, es läuft grade alles eigentlich ziemlich rund im Leben, bis auf diese eine Sache eben. Aber wenn es diese Sache nicht geben würde, dann wäre eigentlich alles ziemlich perfekt. Und dann wacht ihr eines Tages auf und bemerkt: diese eine Sache ist nicht nur eine Sache für sich. Sie ist eine Verkettung vergangener Sachen, ein Symptom, ein Ergebnis. Man bekämpft diese Sache und auf dem Weg, den man vorwärts geht, begegnen einem Dinge, die man für längst vergangen gehalten hat. Und dann bemerkt man vielleicht, dass man sich selbst gegenüber nicht immer ganz ehrlich war. Vielleicht weil es zu schwierig gewesen wäre, weil man festgestellt hat, dass es offenbar nicht als sozial erwünscht wahrgenommen wurde, weil man findet, dass es an der Zeit gewesen war, die Dinge anders zu sehen oder aus einem von Millionen anderer Gründe.

Aber dann stellt man fest, dass es nur eine Lösung gibt: sich selbst, seine Gefühle und Gedanken wieder ehrlich kennenlernen. Sich auch mal eingestehen, dass dieses oder jenes nicht perfekt ist und es auch sein darf und trotzdem gut sein kann. Und gut werden kann.

 

51 comments on “Metaphern in Graustufen

  1. Deine Serie ist wunderbar und die Zeilen und der abschließende Text ebenso. Sie machen neugierig auf die nächste Serie. 🙂

    • vielen dank fürs lesen und kommentieren 🙂 das freut mich sehr. es wird mehr derartiges und ähnliches kommen in nächster zeit.

  2. Mir gefällt vor allem das letzte Bild. Na sicher hängen die Sachen miteinander zusammen, fügen sich ineinander, die „guten“ wie die „schlechten“, und dann kommen die blöden Sätze á la „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ usw. Dein Motiv, sich selbst ehrlich kennenzulernen, finde ich schön, poetisch, richtig: Noch schwerer ist ja, Unabänderliches hinzunehmen, auf dessen Grundlage weiter zu machen, das eigene „Ich kann nicht mehr“ zu ignorieren.
    Wichtig war für mich ein Ratschlag: Als vor ein paar Monaten das achtjährige „Jubiläum“ des Tages war, an dem die Mutter meiner Kinder sagte, sie wolle sich von mir trennen, sagte mir jemand, ich wolle doch wohl das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen wollen. Und das stimmt.

    • lieber frank, leider muss man das manchmal. das ist die große kunst des lebens, mit dem glücklich zu sein oder werden, was man erreichen kann.
      und das ist immerhin eine wichtige erkenntnis für dich!

  3. Kenn ich! Genau so.
    Deine Bilder sind fantastisch. Liebe Grüße 😉

    • vielen dank für die zustimmung, das tut immer gut bei derartig persönlichen themen. danke auch für das lob zu den bildern!

      • Sehr gerne. 😉
        Ich hätte es gern noch genauer ausgeführt, hatte aber nicht soviel Zeit. Und du hast es ohnehin gut auf den Punkt gebracht. Gruß aus HH

        • oh wenn du lust hast kannst du es gerne noch nachholen 🙂
          grüße in den norden!

          • Ja. Vielleicht mache ich das noch. Gute Idee. Mal sehen, wann ich dazu komme. 😉

            • einfach nach lust und laune 🙂

              • So, nun noch ein paar ausführlichere Gedanken zu diesem Blogbeitrag.
                Ja, ich kenne das sehr gut. Dieses ‚Ehrlich mit sich selbst sein‘ ist eine schwere Sache. So oft ertappe ich mich dabei, etwas zu sagen oder auch zu tun, was vor allem meinem Bild nach außen entspricht, aber nicht immer unbedingt meinem eigenen inneren Gefühl. Es ist letztlich so, dass die meisten von uns auf Anerkennung von außen angewiesen sind, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich fragst, was für einen Preis du dafür zahlen möchtest. Auf Kosten seiner selbst? Und wieviel?
                Schwierig an der Sache ist nur, dass ich einmal heraus finden muss, was wirklich in mir vorgeht und was es ‚ehrlicherweise‘ bedeutet. Und das kann vielschichtig und kompliziert sein, das frei zu legen.
                Dann kommt der nächste Punkt: was bedeutet das in der Konsequenz?
                Und das betrifft u.U. nicht nur mich selbst, in welcher Form und welchem Ausmaß auch immer. Es reicht ja schon, zu wissen, dass die eigene Ehrlichkeit zu sich selbst jemand anderes enttäuschen wird. Oder sich Dinge verändern, was nicht jeder möchte. Auch wenn die Dinge nunmal in Bewegung sind.
                Trotzdem ist es, so finde und erlebe ich es, ganz wichtig und heilsam, ehrlich zu mir selbst zu sein! Es fühlt sich letzten Endes (für mich) ‚richtiger‘ an. Selbst wenn es erstmal nur in meinem Inneren stattfindet. Alles ist Entwicklung.
                Auch wenn es ist nicht immer einfach ist 😉

              • erstmal: dankeschön, dass du dir zeit und mühe gemacht hast, diesen schönen kommentar zu schreiben. und doch kann ich eigentlich nur eins dazu sagen: ja. ganz genau das ist es.
                und man muss einfach selber entscheiden, wieviel ehrlichkeit und veränderung man verträgt oder wo man sich ehrlich eingesteht, dass man diesen oder jenen weg trotzdem weiter gehen möchte.
                ok, ich könnte hier doch sehr viel dazu sagen, aber dann würde es ausufern 🙂

              • ;-D Jo, da kann man lange drüber philosophieren …
                Hab ich gern gemacht. Viele Grüße!

  4. Wunderbare Bilder und passender Text! Man muss wirklich erst wieder lernen nicht immer perfekt zu sein, sondern eben auch mal „Fünfe“ gerade sein zu lassen. Ich glaube, manchmal braucht der Mensch einschneidende Wrlebnisse, damit er lernt sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren und zu sehen, was für die eigene Person wichtig ist.
    Viele Grüße
    Heike @Björklunda

    • ja, da gebe ich dir recht. und ich wundere mich jedes mal wieder, warum das notwendig ist und man sich da nicht einfach immer daran erinnert..

  5. Hach, jetzt weiß ich nicht womit ich anfangen soll, dem Text oder den Bildern… Mein Favorit ist ganz klar Bild 2 mit der Feder… Gepaart mit einigen Textauszügen ne ganz feine Postkarte…

    Ich weiß was Du meinst, wir haben uns ja darüber auch schon virtuell unterhalten… Ne perfekte Lösung gibts nicht, man kann nur perfekt damit umgehen… Und das ist machbar…

    • dankeschön 🙂 mir war danach, wieder einmal worte fließen zu lassen und es freut mich sehr, dass es anscheinend gelesen wird.
      ja, daran kann und muss man arbeiten. aber wie rainhard fendrich so eindringlich singt „der weg ist la-aong. i waß net wohin er führt…“

  6. Grau ist nicht ganz schwarz aber auch nicht ganz weiß … also irgendwo dazwischen. Eine Metamorphose? Eine Zeit, Zwischentöne wahr zu nehmen? Inne zu halten, nicht darauf bestehen, dass etwas so ist, wie du es haben willst, sondern eben so, wie es ist …

    Manchmal hilft „Le it be“ eher als „I want it my way ..“. Wenn man mehr als 60 Jahre zurück blicken kann, weiß man, dass viel öfter die Situationen letztlich „richtig“ waren, wo man Dinge geschehen ließ als die, wo man selbst aktiv und manchmal auch fast gewaltsam die Dinge in die gewünschte und scheinbar richtige Richtung gedrängt hat.

    Und glaub mir – die Wege, die Kurven und Windungen haben, sind letztlich immer die viel wichtigeren und spannenderen als die geraden!

    • „irgenwdo dazwischen“ trifft es sehr gut! ein schöner teil des satzes, der schluss!
      ich stimme absolut zu. aber für manche menschen ist „let it be“ sehr viel schwieriger als „i want it my way“. aber das zu erkennen ist schonmal ein schritt, denke (hoffe) ich.
      diese erfahrung hab ich auch immer wieder gemacht. trotzdem gerät man oft ins gewohnte fahrwasser und verliert am weg immer wieder das vertrauen.

  7. Liebe Paleica,
    wunderschöne Bilder und wunderschöne Gedanken bzw. Worte.
    Der Mensch strebt ständig nach Perfektion.
    Ich finde es jedoch wichtig und gut, sich öfter mal bewusst zu machen, dass nicht immer alles perfekt sein muss. Dazu fällt mir ein Zitat ein:
    Liebe muss nicht perfekt sein, sondern echt. In gewisser Weise ist es vielleicht auch mit seinem eigenen Leben so, man wächst ja auch irgendwie an Ecken und Kanten, macht neue Erfahrungen. Es muss nicht immer alles kugel-rund sein denn auch Kanten können schön sein. Und manchmal muss man vielleicht auch einfach die Blickrichtung ändern (so wie mit dem Muster) um zu erkennen, dass es vielleicht nicht so chaotisch ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
    Auf jeden Fall sind deine Gedanken fantastisch und die Bilder passen einfach „PERFEKT“ dazu 🙂

    • danke für deine lieben worte! und diesem zitat stimme ich zu. es steckt viel drin in deinen worten, zu denen ich hier erstmal nur „ja“ sagen kann. danke nochmal dafür! ❤

  8. Wunderbare Serie und tolle Metaphern, die Du gefunden hast! Ich persönlich glaube ja, dass wir uns selbst gegenüber nie 100%ig ehrlich sind. Wir sind derart komplexe Wesen, dass es kaum möglich ist, uns je ganz zu erfassen, darum kann es auch nicht möglich sein, immer ganz ehrlich zu sein… Es gibt einen Denkansatz, der Leichtigkeit bringen kann: sich klar machen, dass man es immer so gut gemacht hat, wie man konnte. Sonst hätte man es anders gemacht 😉

    • liebe melanie, da hast du recht. aber es gibt einen unterschied zwischen sich selber gegenüber nicht ehrlich sein können, weil man denkt, man ist es, aber man ist es nicht und sich gegenüber nicht ehrlich sein wollen, obwohl man weiß, dass man es nun grade nicht ist.
      mit dem letzten satz hast du GRUNDSÄTZLICH recht. es gibt aber situationen, wo man gegen sein bauchgefühl handelt und eigentlich genau WEISS, dass es falsch ist. diese sind davon finde ich ausgenommen 😉

  9. Schöne Fotografien 🙂 Sehr interessante Objekte auf jeden Fall, die fotografiert nicht jeder.
    Deine Sichtweise ist immer sehr interessant, ich hoffe, dass sich das alles gibt. Manchmal erledigen sich manche Sachen auch von selbst, aber man weiß rückblickend nie, ob’s falsch oder richtig war…

    • dankeschön 🙂 ja, wenn man sich mit dem equipment einschränkt ist man manchmal gezwungen, die perspektive zu wechseln – und entdeckt gelegentlich auch unerwartetes 🙂
      das stimmt – man weiß halt nicht, wie es anders gekommen wäre. und ja, manchmal ergeben sich sachen. aber was einen selbst betrifft, muss man trotzdem an sich arbeiten, immer wieder.

  10. immer wieder schön bei dir, beste Grüße, Klaus

  11. dschungelpinguin

    Die Bilder laden zum träumen ein. Echt schön hier. Klaus hat so recht!
    Eisig warme Grüße, Andreas
    http://dschungelpinguin.com

  12. Ach Christina, was soll ich sagen. Die Bilder sind toll – vor allem Nr. 2 und Nr. 4. Deine Worte lassen mich allerdings etwas traurig zurück. Alles wird gut!

  13. Eine sehr schöne Serie. Nummer 4 ist mein Favorit.
    Zu deinen Gedanken: Deine Worte wirken schon ziemlich klar auf mich, als wenn du auf einem guten Weg bist und diesen auch kennst. Für diesen Weg viel Kraft.

    • vielen dank! ich hoffe, dass der erkenntnis auch innerliche veränderungen folgen. man muss sich da immer zeit nehmen…

  14. „Verblasste Erinnerungen, die wie Flaumfedern aus der Vergangenheit geflogen kommen und sich zwischen den Gehirnsynapsen verfangen, kitzeln und kaum erfassbar sind.“
    <3<3<3<3

  15. Ist dann aber doch irgendwie witzig das immer von Schwarz-weiss Fotografie gesprochen wird, ob wohl dabei wenn überhaupt nur ganz wenig schwarzes und weisses vorkommt dafür umso mehr dazwischen… ein bisschen wie im Leben 😉 . Deswegen gefällt mir auch der englische Ausdruck „greyscale“ ausgesprochen gut.
    Alles Liebe Peter

    • ja das ist wohl im endeffekt genauso ein umgangssprachlicher blödsinn, wie die „homepage“ und „website“-verwechslung 🙂 drum trägt der titel auch bewusst den begriff „graustufen“
      ja, wie das leben – da ist bis auf geburt und tod wohl auch alles zwischen schwarz und weiß angesiedelt…

  16. Pingback: Hier Titel eingeben: Über eine leichte Kurskorrektur des Episodenfilms. | episoden.film

  17. und meist denkt man: Hey, wenn diese eine Sache wieder rundläuft, dann läuft alles wieder rund. Und später merkt man dann: Es hakt wieder an einer anderen Stelle, denn irgendwo hakt es doch immer, oder? Und die Frage ist, was man draus macht oder ob man sich nur beschwert, dass es nicht rund läuft. Blockiert man sich selber mit der einen Sache, die nicht so läuft, wie sie soll? Drückt sie einem so auf die Stimmung? Und war man vorher glücklicher oder dachte man nur über eine andere Sache nach?

    Ach, so viele Gedanken zu meinem eigenen Leben kommen mir gerade.

    • ganz genau so ist es! „irgendwas ist immer“ sagt man ja. es ist halt immer die frage, woher kommt das irgendwas? was macht es aus? kann man es beseitigen? was ist die ursache? kann man damit leben?
      ich hoffe, die gedanken sind produktiv!!

      • Nur teilweise… da sie seit ein paar Monaten um das immer selbe kreisen und ich leider erst mal nichts dran ändern kann, sondern schon alles mir mögliche getan habe und erst mal abwarten muss, ob es wirkt. :-/

        • diese phasen kenne ich und sie sind besonders ermüdend. ich wünsche dir das beste! wenn du erzählen magst, meine mailadresse hat ein offenes ohr! nur wochenends bin ich meist wenig online. nur so als angebot 🙂

          • das ist lieb von dir, danke 🙂 Naja, ein paar versteckte Anspielungen diesbezüglich hast du vielleicht auch schon mal auf meinem Blog entdeckt.

  18. Sehr schön geschrieben. Die Bilder gefallen mir auch. Einfache kleine Dinge groß wirken lassen. Gutes Auge. Ich folge mal und bin gespannt was ich in der Zukunft von dir zu lesen bekomme 😉
    LG Hatty

  19. Pingback: 5 Anti Reisetipps oder mehr Menschsein in der Blogosphäre. | episoden.film

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