Wenn man das erste Mal eine zeitlang ganz alleine zuhause ist, ist das zu Beginn seltsam. Das erste Mal, dass niemand der Vertrauten da ist, in der Nähe ist. Das erste Mal, dass man sich um alles selbst und allein kümmern muss. Das sollte eigentlich kein Problem sein. Monatelang aber hat man das Gefühl, es wäre eins (auch wenn mans nicht sagen sollte). Man versucht, diese Situation zu verhindern. Doch eigentlich ist man sich bewusst, dass man sie am besten einfach nützen sollte, wenn sie sich schon so ergibt.

Denn es ist das erste Mal, seit es ist wie es nun eben ist, dass ich Zeit, Gelegenheit und quasi auch keine andere Möglichkeit habe, als mich mit mir selbst zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Da es um mich herum ruhig ist muss ich dem lauschen, was von innen kommt. Und wenn ich das gehört habe werde ich alles dran setzen, nicht mehr ständig zu hetzen und zu laufen. Ich will wieder innehalten können. Ich will mich wieder an der Ruhe erfreuen können. Ich will wieder wissen wer ich bin. Und mir ein klein wenig selbst genügen. Also spazierte ich durch unseren Föhrenwald.

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Dort und am folgenden Abend gewann ich die eine oder andere Erkenntnis. Vor Allem eines habe ich entdeckt. Eigentlich wissen wir, dass wir könnten, wenn wir wollten. Was aber nicht klappt, ist das ’nicht‘. Das können wir nicht und offenbar wollen wir es auch nicht. (Nur reicht es leider nicht, wenn nur mir das bewusst ist).

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Des weiteren ist mir klar geworden, dass das Problem überhaupt nicht die Gegenwart ist. Es geht nicht darum, dass jetzt alles ist wie es ist. Damit kann ich ganz gut leben. Natürlich wäre es schön, wenn das eine oder andere nicht so sondern anders wäre. Da und dort bin ich klarerweise nicht ganz zufrieden. Aber im Großen und Ganzen ist das schon okay so. Man erlebt Skurrilitäten die sich ganz gut im Lebenserfahrungsschatz machen, über die man den Kopf schüttelt, sich ärgert, lacht oder weint. Man lernt endlich Dinge, zu denen man sich andernfalls niemals hätte aufraffen können. Man lernt Menschen kennen und sammelt Erfahrungen, mal bessere, mal schlechtere. Doch das, was mir zu schaffen macht, ist die Zukunft. Dass das Bild zerbröckelt ist und sich die Sicherheit aufgelöst hat. Dass es nur noch eine wage Skizze ist, in der sich noch viele Begebenheiten ändern sollen. Und dass sich daraus für mich nur zwei Möglichkeiten ergeben: aufgeben und das Vertrauen verlieren oder nicht loslassen und daran glauben.

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Mal wieder konnte ich nicht umhin, durch die Aufdringlichkeit mancher Zufälle über das Universum nachzudenken. Tendiere ich zu Freud? Will ich Zufällen Bedeutung zuschreiben, weil es einfacher ist, die Verantwortung abzugeben? Das zählt zu einem seiner Aufzählungen über das Unheimliche. (Denn um nichts anderes handelt es sich beim an-etwas-glauben. Sagt der realistische Jungfrau-Aszendent.) Oder verlasse ich mich auf eine größere Ordnung, auf ein es-kommt-wie-es-kommen-soll und ein das-universum-weiß-schon-was-es-tut-und-schickt-uns-manchmal-ein-zeichen-dass-es-exisitert. Zum ersten Mal konnte ich sagen ‚Eigentlich musste es so kommen. Andernfalls hätte ich nie die Chance gehabt oder die Notwendigkeit gesehen, mich in gewissen Bereichen weiterzuentwickeln und mir weiterhin das Leben mit der Unselbständigkeit schwer gemacht“. So argumentiert der Schütze-Optimist.

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Aus diesem Grund müssen Zufälle passieren und Gelegenheiten auch mal verpasst werden.

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Zuletzt hat sich mir noch ein kommunikatives Gesetz erschlossen.

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Eine gewisse Zeit lassen sich Emotionen weitgehend aus allem raushalten. Bei manchen funktioniert das länger, bei manchen weniger lang. Doch irgendwann (und das oft bald), mögen Frauen – wenn dann doch Gefühle im Spiel sind – aus welchen Gründen auch immer – geklärte Fronten. Sobald wir jemanden gern haben, stehen wir (in den meisten Fällen) gar nicht auf undefinierbare Zwischenzustände. Wir wissen gerne woran wir sind. Und wenn sich das Gegenüber dann zu zieren beginnt, sich in Schweigen hüllt und uns diese Information nicht geben will, passieren zwei Dinge: durch die Ungewissheit verlieren andere Aspekte, die uns selbst dazu bringen würden zu zweifeln, an Bedeutung. Es geht bloß noch um „was zur Hölle ist da jetzt los?“. Und man beginnt, beim Anderen – durch den Versuch, das Informationsdefizit zu verringern – einen falschen Eindruck zu erwecken.

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Frauen und Männer scheinen meistens also irgendwie anders zu kommunizieren. Aber gibt es dafür eine Lösung?

24 Comments on “Woche der Erkenntnisse

  1. Ja, genau das denke ich auch. Das eben etwas endet, etwas neues beginnt und nichts feststeht… Sonst wusste man immer wie es weitergeht, aber jetzt?
    Gestern wars auch wieder so. ALsi ich nach hause gekommen bin, nachdem ich mein zeugnis abgeholt hab. Und ich wusste, dass ich die meisten der leute nciht mehr sehen werde.. ich fands total traurig und daheim war aich keiner und ich wusste nicht was ich tun soll. Dann hab ich den fernseher angeschalten und da lief you are not alone von michael jackson.
    Und abends gehts mir grad auch so. Ich bin voll nich müde aber ich weiß nicht was ich tun soll…
    Ich hoffe das geht bald wieder weg, weil es mir eig gut ging und wenn diese momente dann kommen, dann überlege ich ob ich mir das alles nur eingebildet habe,…

    Und hast du jetzt noch Kontakt mit deinen besten Freunden aus der Schulzeit?
    Oder hat sich echt alles verloren?

    Wieso bist du kein FH typ? Was is denn da groß anders?
    Ich wünsch dir dann noch viel erfolg mit deiner diplomarbeit (: Das schaffst du.
    Ja, Talent.. ich muss ja wohl oder pbel das nehmen was ich gerne mag und tue auch wenn ich nicht weiß ob ich es gut kann…
    Hast du denn dein talent schon entdeckt?

    Danke für deinen langen Kommentare <33

  2. Was für ein nachdenklicher Gedankenpfad, auf den du uns geführt hast …
    Das erste Bild ist ein wunderbarer Einstieg 🙂

    Ist man das erste Mal so richtig auf sich selbst zurückgeworfen, kann einem so einiges durch den Kopf gehen. Ich finde es schön, dass du dir Gedanken machst und diesem Fingerzeig nachgehst und ihn nicht einfach ignorierst oder mit anderen Tätigkeiten erstickst … solange du dich vor zuviel Grübeln nicht selbst noch mehr runterziehst …

    Kann man einer Zukunft überhaupt sicher sein?
    Ich habe zwar auch meine Vorstellungen; aber sie erscheinen mir nie sicher … für mich ist – wenn ich’s recht bedenke – nichts sicher.

    Ich weiß nicht ob ich den Satz richtig verstehe (ich kenne die Zusammenhänge nicht)
    „… aufgeben und das Vertrauen verlieren oder nicht loslassen und daran glauben …“
    Ich würde sagen: manchmal heißt es loslassen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben

    Aufmunternde Grüße
    von
    Sabine

    P.S.: ich mag das letzte Bild auch sehr

    • also das grübeln bzw reflektieren zieht mich gar nicht runter. ich finde das immer super wenn man sich so in gedankenstrudel verliert und zum schluss etwas rauskommt, das ein bisschen licht in den gefühlswirrwarr bringt.

      nein – man kann sich der zukunft nie sicher sein. aber ich war es mir. das war vermutlich auch genau das problem. ich hab nie gezweifelt, dass mein leben eben so ablaufen wird. und dann war ich damit konfrontiert, dass es eben nicht so sein wird. damit komme ich immer noch nicht so gut klar. ich brauche sicherheit. aber ich muss lernen, ohne sie zu leben. das ist wichtig.

      das mit dem loslassen bezieht sich eben nicht auf mich, sondern auf person(en) in meinem umfeld. deswegen. aber man muss immer loslassen. man kann nichts und niemanden krampfhaft festhalten.

  3. hallo Paleica,

    ich mache mir auch ziemlich oft gedanken ueber dieses thema. ich denke mal, alles hat seinen grund, auch wenn wir diesen grund nicht verstehen oder begreifen koennen. egal was passiert, man darf nie das vertrauen in sich selbst verlieren….

    deine aufnahmen sind sehr schoen. danke fuer’s zeigen.

    liebe gruesse
    Sammy

  4. Boah, mir bleiben die Worte stecken. Wunderschöne Bilder, passend zu einem Text den auch ich total nachfühlen kann.
    Hammer, dein letzter Ansatz. Der könnte von mir sein. Ja, Frauen und Männer ticken in der Tat sehr-sehr verschieden.
    Ich kann dir auch keine Lösung anbieten. Den auch ich lerne noch immer.
    Ganz liebe Grüsse
    Nila

    • … das ist doch ein Teil der Lösung: zu lernen 🙂
      denn es gibt dieses seltsame Phänomen, dass manche Menschen immer wieder dieselben Fehler machen oder bei sich selbst suchen …

  5. Danke, dass du mich (uns) mitgenommen hast, auf deine kleine Reise.
    Alleinesein will gelernt sein – man muss sich darauf einlassen können. Schlimm ist es, wenn das Alleinsein zum Einsamsein wird.
    Alles andere ergibt sich aus dem, was du für dich und in dir entdeckst im Alleinsein.
    Ganz liebe Grüße bigi

    • das stimmt. aber man kann auch einsam sein ohne allein zu sein. das ist nicht gut. alleinsein soll aber gelernt sein. das ist ganz wichtig im zusammenleben mit anderen menschen. finde ich. wenn man nicht allein sein kann werden beziehungen – welcher art auch immer – zu einem muss an dem man sich festkrallt, nicht der beziehung wegen sondern wegen dem nicht-alleinsein-können. und das darf nicht passieren.

  6. (: ja. aber die 2 neuesten bilder sind beide nicht paris. die tür z.b. ist aus meinem garten aus der heimat und das waschbecken aus meiner jetzigen wohnung (;

  7. Obwohl ich als Mann eigentlich hier wohl nicht mitreden sollte, denke ich das einem allein die Bereitschaft zu lernen mit ein wenig Glück und der richtigen Person schon sehr weit bringen kann.

    Ich finde aber auch Sehnsucht und Alleinsein haben durchaus etwas romantisches, deshalb bevorzuge ich sie desöfteren allem anderen.

    • damit hast du sicherlich recht. aber oft kommt es gar nicht so weit, dass es eine gemeinsame bereitschaft gibt, weil durch die verzwickte kommunikation die dinge schon im keim erstickt werden.

      was romantisches. hmm. eher was melancholisches finde ich. sehnsucht ist mir sowieso ein dauernder begleiter. das alleinsein ist generell aber für mich kein dauerzustand, so sehr ich das jetzt genieße.

  8. Die einzige Lösung, und das sagt jemand, der seit zwanzig Jahren mit einer Frau zusammen lebt, ist die Akzeptanz. Wir können nur akzeptieren, dass Mann und Frau unterschiedlich sind, jeder Versuch, dies zu ändern, muß scheitern! Zufälle gibt es nicht! Unter diesem Aspekt läßt es sich, jedenfalls für mich, leichter in die Zukunft blicken. Es kommt, wie es kommen muß (… oder eben soll!). Alles ist gut!

  9. Das letzte ist der hammer.
    So ein Bild würd ich mir sogar vergößert aufhängen.
    So viel Spielraum für Interpretationen!

    Ich liebe es!

  10. Stimmt ich finde auch das zweite Bild und das letzte Bild wirklich toll. Ich denke ja schon lange das Frau und Mann nicht zusammen passen, aber auch ohne nicht können. Und zum Arterhalt ist es ja nun mal zwingend notwendig 😛

    Mit Sicherheit kommunizieren Männer und Frauen unterschiedlich. Sie denken ja auch schon komplett anders. Ich kann mich total in mich zurückziehen und tagelang nicht ein Wort sagen, was andere wirklich abstossend finden. Aber so ist das bei mir. Leute die mich kennen wissen damit umzugehen.

    • ich hab die erfahrung gemacht, dass es oft scheitert weil frauen wissen wollen woran sie sind und männer sich dadurch bedrängt fühlen weil sie dieses bedürfnis nicht haben. richtig dämlich wenn das dann an der kommunkation liegt.

  11. Ich kann eigentlich nicht mehr sagen als WOW.
    Danke für den schönen Artikel!

    Wenn man die Ruhe genießen kann, nicht mehr hetzt, sich selbst kennt und sich selbst genügt,… dann wird man es nicht mehr hergeben wollen.
    Die Frage ist nur: warum verliert man das eigentlich temporär?

    • vielen dank für deinen kommentar. freut mich dass dir der beitrag gefallen hat! ich weiß nicht warum man das verliert. weil man glaubt, dass es nicht wichtig ist, vielleicht. weil man sich nicht genug drum kümmert. aber ich glaube, wenn man einmal die erfahrung gemacht hat, wie wichtig es tatsächlich ist, mancht man es beim nächsten mal vielleicht besser.

      • Ich hätt da jetzt wieder viel zu antworten… 🙂 und irgendwie wurmts mich, dass medamind sich thematisch nicht so wirklich für sowas eignet…
        Mal sehen. Ich denke über dieses Thema schon so lange nach und vieles, was du schreibst, kommt mir so bekannt vor.
        Das „sich nicht genug drum kümmern…“ ist bestimmt richtig. Aber warum kümmert man sich nicht genug darum? Das ist zumindest das, worüber ich nachdenke. Manchmal 😉

        • hmm – das ist schwierig. das ist das gute an meinem blog – ich hab halt im grunde kein themenblog und kann daher alles posten was mir gerade in den sinn kommt ^^
          ich glaube, man kümmert sich nicht genug darum, weil es einem vorkommt als gäbe es wichtigere dinge im leben. weil man eben nicht immer langfristig und strategisch überlegt, sondern aus dem gefühl raus auch mal impulsiv handelt und das selbst dadurch einfach manchmal zu kurz kommt. weils manchmal schwer ist sich zu zwingen sich darum zu kümmern weil das auch anstrengend ist und nicht immer ganz einfach und weil menschen dazu tendieren den weg des geringsten widerstandes zu gehen. und vermutlich aus tausend anderen gründen, die mir jetzt aber ad hoc nicht alle einfallen und den kommentar sprengen würden ^^

  12. Wunderschöner, sehr zum nachdenken anregender Text mit ebefalls wunderschönen Bildern geschmückt.

    A pro pros Bilder, ich werde die beiden Bilder – Weihnachtskugeln und Herbstblätter – mit in mein Fotobuch machen. 🙂

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