Verbaler Exkurs: Mein Senf zur “Generation Y”, Pt. II & #100happydays

Vor längerer Zeit habe ich ja mal einen Artikel zur „Generation Y“ verfasst. Dies war aber nur ein Teil, über den ich schreiben wollte. Auch, wenn es wieder ruhiger geworden ist um dieses gesellschaftspolitische Thema – es gibt noch einen anderen Aspekt, zu dem ich meine Gedanken zu virtuellem Papier bringen will: unter anderem sind wir “Generation Social Media” oder enger gefasst: “Generation Facebook”. Daraus wird gefolgert, wir posten die “Highlights unseres Lebens” um anderen zu zeigen, wie erfolgreich wir nicht sind auf dem Weg des Glücklichseins. Wir sind alle Selbstdarsteller, Selbstoptimierer und lügen uns etwas in die Tasche von den aufregenden Momenten, die nüchtern betrachtet für andere doch nur banal scheinen können. Ja, das mag sein. Ja, das mag manchmal und für manche zutreffen. Aber ich für mich nehme mir heraus, einen anderen Beweggrund hinter meiner Heavy Usage des beliebtesten sozialen Mediums zu sehen und ich weiß, dass der auch auf andere Menschen zutrifft, die ich auch außerhalb von Facebook als meine Freunde bezeichne:

wir haben erlebt, wie viele aus unsere Großeltern- und auch unserer Elterngeneration zum Teil damit hadern, zuviel gearbeitet zu haben, zu wenig Zeit im Leben bewusst erlebt zu haben, zuviel Zeit falsch verbracht zu haben, mit nichtigen Alltäglichkeiten, und nun seien all diese Momente verloren. Ganz so ist es aber nicht richtig, denn man erlebt durchaus auch an ganz normalen Tagen wunderbare Momente, man bemerkt sie nur oft nicht. Durch den Gedanken, was im Stream festhaltenswert ist, durch ein Foto, das es untermalt, werden diese Momente zelebriert. Man (Ich!) erlebt (erlebe) sie intensiver, weil man (ich) sie ganz bewusst wahrnimmt (wahrnehme). Anders, als würde man sie nur vorbeiziehen lassen und dadurch hat man (oder ich!) das Gefühl, den Tag – und sei er sonst noch so alltäglich gewesen – genutzt zu haben, denn: das Leben ist keine Generalprobe!

Ich habe dank all dieser contentproduzierenden Möglichkeiten in den letzten Jahren ein bisschen mehr zu mir selbst gefunden. Dazu, wer ich bin und wer ich vielleicht eines Tages sein will. Ich sehe so viele Bilder von anderen, bei denen ich mir denke „dort will ich auch mal hin!“ Orte, die sonst nie einen Weg in mein Relevant Set gefunden hätten und die meinen Horizont erweitern. Ich lese Gedanken von anderen, die mich in meiner Reflexion voran treiben und die mir geholfen haben, meine eigenen Konflikte zu lösen. Und was ich nicht lesen will, lese ich nicht. Ausgeblendet, entfolgt, tschüß, auf Wiedersehen, good-bye! Ich kann ja zum Glück selbst entscheiden, was ich sehen will und was eben nicht.

Langer Rede, kurzer Sinn: es mag sein, dass viele Menschen den Gebrauch der neuen Medien als sinnlose Zeitverschwendung ansehen (und das in deren Fällen auch so stimmt) – aber ich denke, dann nützen sie es nicht so, dass es für sie passt und dann ist es sicher besser, die Nutzung zu reduzieren oder einzustellen. Aber alle über einen Kamm zu scheren und abzuwerten ist zu banal. Jeder hat seine eigenen Hinter- und Beweggründe und sollte damit einen vernünftigen Weg finden, mit der Medialität umzugehen. Das ist dann vielleicht Charaktersache.

Mein letztes Projekt dahingehend war #100happydays. Ich habe das auf einem anderen Blog entdeckt und auch auf Instagram recht oft gesehen. Der Sinn dahinter ist: mache an 100 aufeinanderfolgenden Tagen ein Foto von etwas, das den Tag lebenswert gemacht hat. Das dauert keine 10 Minuten und wenn man danach durch die Fotos blättert hat man sofort ein Lächeln auf dem Gesicht, weil man sich an all die kleinen Momente sofort wieder erinnert. Und ich weiß und spüre für mich: die letzten 100 Tage haben sich gelohnt, zu leben. Andere konnten und können das vielleicht auch so – ich konnte es nicht. Und mir persönlich hilft es, ein glücklicherer und fröhlicherer Mensch zu sein – weil es mir die Distanz ermöglicht, um eines meiner schon mehrmals zitierten Kettcar-Zeilen öfter in die Tat umzusetzen:

Zu erkennen, dass man glücklich war, ist leicht. Zu erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst.

Wer mag, kann sich alle 100 Bilder auf der Projektseite ansehen, auf der ich sie zusammengefasst habe. Hier zeige ich das Best-of meiner Lieblingsbilder 🙂