Analog am Zentralfriedhof: kreuz und quer & Gedanken zu Begegnungen

Am Wahlwochenende waren der Herzjunge und ich bei wechselhaftem Wetter am Zentralfriedhof. Ich hatte mal wieder eine Analoge dabei und habe euch ein paar unwirkliche Eindrücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart mitgebracht.

Kamera: Contax 167 MT || Film: Kodak Portra 160

Ob Begegnungen, die nicht passieren, einfach so nicht passieren, weiß ich nicht. Aber Begegnungen, die passieren, passieren nie einfach so.

Ich habe in fast 29 Jahren rückblickend eines immer wieder festgestellt: alle Begegnungen in meinem Leben hatten ihren Sinn. Das habe ich nicht immer gleich erkannt. Manche wollte ich nicht gehen lassen, bei anderen habe ich mir gewunschen, sie nie getroffen zu haben. Sie haben mir die hellsten und dunkelsten Stunden beschert, mich lachen und weinen gemacht.

Ich habe oft lange dafür gebraucht, den Sinn in einer Begegnung zu sehen und den Platz mancher Personen in meiner Biografie zu erkennen. Bisher ist es mir noch immer gelungen, manchmal früher, manchmal sehr viel später.

Ich habe lange gebraucht, zu akzeptieren, dass immer diese Menschen ins Leben treten, die ich gerade anziehe. Dass ich mich verändere und darum nicht alle für immer bleiben können, weil ich nicht mehr zu ihnen passe oder sie nicht mehr zu mir. Dass sie sich verändern – und dasselbe passiert.

Wenn du verlierst, verliere nie die Lektion.

Dalai Lama

Auf seinem Lebensweg begegnet man unendlich vielen Menschen, Individuen, Persönlichkeiten. Von allen können wir etwas lernen und aus allen Begegnungen etwas mitnehmen – zumindest für uns selbst. Manche Begegnungen sind nichts anderes als eine Lektion. Sie lassen uns unsere Grenzen erkennen, unsere Stärke – oder unsere Schwäche. Sie sind dazu da uns zu zeigen, was uns wichtig ist, worauf es uns ankommt und was wir dafür zu investieren bereit sind – oder eben auch nicht.

Sie bedeuten Knotenpunkte in unserem Leben, Weggabelungen, an denen wir uns entscheiden müssen, dafür oder dagegen, weiterzugehen oder umzudrehen. Sie sind die Trigger, die uns dazu zwingen, etwas zu verändern, uns unsere wahren Gefühle bewusst machen, zu kämpfen. Sie bringen uns zum Lächeln, zum Grübeln, dazu, uns selbst in Frage zu stellen, neu zu bewerten und letztlich: ein Stückchen näher zu uns.

70 Replies to “Analog am Zentralfriedhof: kreuz und quer & Gedanken zu Begegnungen”

  1. Ja, genau so ist es. Und die Serie mit diesen Analogfotos finde ich ganz Klasse. Sie passt ganz wunderbar zu den Motiven auf dem Friedhof, die Du ausgewählt hast.
    Liebe Grüße.

  2. Zu diesem Thema habe ich kürzlich auch etwas auf meinem Blog geschrieben:

    „Ob man meinen Namen vergisst? Einige sicher. “Da war doch mal die, die nur ne Weile dabei war, die… na, wie hieß sie noch gleich?”
    Eigentlich ist es mir egal, wenn manche Menschen meinen Namen vergessen – ich habe auch so viele vergessen. Es ist eigentlich unglaublich, wie viele Menschen man auf seinem Lebensweg trifft. Manchmal geht man nur aneinander vorbei, manchmal geht man ein Stück gemeinsam – und dann trennen sich die Wege wieder. Ich erinnere mich an einige Situationen oder ihr Gesicht oder ihren Stil. Manchmal, wenn sie mir in den Sinn kommen, frage ich mich, was aus ihnen wohl wurde. Aber ich werde es nie herausfinden, da ich ihren Namen vergessen habe.
    Für manche Menschen gehöre ich zu diesen Leuten. Das ist wohl in jedem Leben so, aber bei häufigen Ortswechseln wohl noch viel mehr Normalität. Auch wenn ich immerhin lange genug an den jeweiligen Orten war, um nicht schon “nach Tagen” vergessen zu werden, wie es Hannes Wader besingt. “Heute hier, morgen dort” bedingt, dass ich in den Köpfen vieler Menschen eher eine vage Erinnerung bleiben werde.“

    1. liebe ilona, ich meine mich zu erinnern, das auch auf deinem blog gelesen zu haben 🙂
      und ja, ich weiß was du meinst. auch wenn ich regional hier sehr verwurzelt bin, kenne ich das doch von diversen jobs. wenn man einige monate lang (oder vielleicht sogar länger) von menschen begleitet wurde, zu denen es danach ganz natürlich keinen kontakt gibt, dann vergisst man namen und manchmal auch gesichter.

      1. Ich finde es nur immer spannend, zurückzublicken und dann festzustellen, wie viele solcher Menschen es in unserem Leben gab. Überall, immer wieder…

            1. oh du sagst es! stimmt, ich hab echt keinen plan mehr, wie die menschen in meinen VHS kursen ausgesehen haben. da erinnere ich mich echt an niemanden. oder beim französisch bridging course an der wu… oder in den unzähligen überfüllten vorlesungen an der uni.

              1. ich weiß tatsächlich bei manchen – nicht allen – noch Gesicht oder einen Satz, bei manchen noch den Vornamen, aber das wars. sie sind eine vage erinnerung geworden und dabei hat man sie eine Weile sehr regelmäßig gesehen

              2. wirklich? wow. also ich habe irgendwann begonnen, alles zu vergessen an personen, die ich nicht zumindest zweimal getroffen und mit ihnen zweimal gesprochen habe… früher habe ich mir jedes gesicht und jeden namen gemerkt.

              3. ich habe mich ja oft mit ihnen unterhalten während des Kurses (bzw. davor oder danach). Die Erinnerung an ihr gesicht ist noch da… der Rest? Futsch

              4. ok, das ist dann was anderes. bei mir waren das wirklich nur so flüchtige gespräche in der runde, selten wirklich zwiegespräche.
                und dann gibt es begegnungen, die dauern eine zugfahrt lang – aber sie bleiben.

              5. ohhh ja, die Zugbekanntschaften! Herrlich 😀 Ich liebte es immer, kurz vor Weihnachten mit dem Zug heimzufahren und wollte das nie missen. Alle waren gut drauf, haben Lebkuchen geteilt und sich unterhalten… 🙂

  3. Du warst wieder auf dem Zentralfriedhof. Ich liebe diese Orte und auch deine analogen Erebnisse. Wunderschön.

  4. Mir gefallen vor allem die ersten beiden Fotos im Fotoblock total gut. Die zeigen irgendwie eine wirklich schöne Stimmung und Farbgebung. 🙂

    Deinem Text kann ich einfach nur recht geben. Besser kann man das eigentlich gar nicht ausdrücken. Das passt ja auch sehr zu meiner besagten Freundin. Ich hab das auch alles irgendwann nur noch als belastend empfunden und einen Schlussstrich gezogen. Ich muss zwar sagen, dass das sehr schwer war und mich generell manchmal noch etwas traurig macht, ich aber anschließend definitiv froh darüber war und einfach mehr Ruhe im Leben hatte. Das ist zwar irgendwie traurig, aber man kann sich auch nicht an Dinge festklammern, die einen immer wieder unglücklich machen.
    Gerade, wenn man auch wirklich versucht hat was daran zu verändern und aktiv geworden ist. Irgendwann muss man damit aufhören.

    Ich finde generell, dass die Leute irgendwie zu viel auf die Medien geben. Aber manchmal einfach auch auf die falschen. Mal im Ernst: im Radio beziehen sich die Nachrichten als Quelle oft auf die Bildzeitung… Sorry, aber wie schlimm ist das denn? Wenn man da nur oberflächlich zuhört kriegt man von so vielen Dingen einen total falschen Eindruck… und dann wird immer schlau daher geredet und alles nachgeplappert. Ich habe mit Sicherheit von sehr, sehr vielen Dingen keine Ahnung. Aber ich nehme mir dann halt auch nicht heraus über diese Dinge zu urteilen oder mit anderen darüber zu diskutieren…

    1. 🙂 die stimmung war auch wirklich toll, immer wieder ist die sonne durchgeblitzt, sonst war es trüb und bewölkt, also richtiges „friedhofswetter“, sozusagen.

      diese freundin, von der du sprichst, ist aber nicht die, mit der du in den letzten schuljahren so viele shootings gemacht hast, oder?
      manchmal ist loslassen eben nicht aufgeben, sondern der einzige weg weiterzumachen. ich denke, man soll schon ruhig viel probieren bevor man einen schlussstrich zieht, aber irgendwann muss man sich eingestehen können und dürfen, dass es besser ist, getrennte wege zu gehen…

      ja das hat mich unlängst auch schockiert, als eine eigentlich eher angesehene österreichische zeitung die bild zitierte. ohje ohje. aber medien sind halt leider im allgemeinen mittlerweile ein gewisses problem geworden, weil sie sich zu einer moralischen instanz aufspielen anstatt das ziel verfolgen, die größte motivation dahingehend zu investieren, zu informieren, so wertfrei wie es einem menschen eben möglich ist.
      und ich seh das ähnlich: es gibt viele dinge, von denen ich nichts verstehe. aber dann habe ich eben auch nur eine sehr vorsichtige meinung dazu oder ein gefühl dafür und lasse mich auch gern eines besseren belehren, von jemandem, der mehr einblick hat und mehr davon versteht. diese „volkskrankheit“ zu allem und zu jedem etwas sagen zu müssen, das ist fürchterlich.

  5. An Analogfotografie habe ich mich leider noch nicht probiert, wollte ich aber schon lang mal tun. Deine Bilder sind super klasse und der Zentralfriedhof ist so spannend.

    Auch deine Worte gefallen mir (mal wieder) unglaublich gut. Du triffst den Nagel immer und immer wieder auf den Kopf. Vor allem geht es um ein richtig spannendes Thema, denn wer denkt sich nicht das ein oder andere Mal „Hätte ich doch diese Person niemals kennen gelernt….“
    Nichtsdestotrotz…Jede dieser Begegnungen hat uns geformt und zu dem Menschen gemacht der wir heute sind, das ist großartig – auch wenn es manchmal länger dauert, die Sinnhaftigkeit hinter einer Begegnung zu entdecken 🙂

    Ich liebe diesen Text!
    ❤ ❤ ❤

    1. man braucht irgendwie die richtige gelegenheit dafür. ich hatte die ganzen sachen auch immerhin weit über ein jahr daheim liegen, bevor ich tatsächlich mal damit raus gegangen bin. dabei war mein allererster DSLR ausflug mit der alten analogen von meinem papa (die er wohl genau 3x verwendet hat, haha), um mal zu schauen, ob ich denn überhaupt mit so einer kamera umgehen kann ^.^ (konnte ich natürlich nicht >.<)

      es freut mich, der text ist erste am montag entstanden und kam ganz tief aus dem herzen, weil mir erst unlängst wieder so eine lektion-begegnung passiert ist und es mir diesmal einfach sooo bewusst war.

  6. Liebe Paleica, das sind sehr schöne Bilder, zumal ich selbst mich immer schwertue, auf Friedhöfen spannende Fotos zu machen.

    Eine Deiner Überlegungen zu Begegnungen reizt mich allerdings, den advocatus diaboli zu spielen: Wenn es uns gelingt, etwas in unserem Leben rückblickend mit Sinn auszustatten – zeigt das dann nicht auch oder vor allem, dass wir gute Erzähler sind? Das klingt vielleicht erstmal nihilistisch (und tatsächlich wirft es den nach einem höheren Sinn suchenden Menschen auf sich selbst zurück), ist aber vielleicht gar nicht so schlimm, wenn man annehmen kann, dass es nicht anders geht.

    Ich weiß es wirklich nicht: Ich habe durchaus die Möglichkeit, schlüssig und glaubhaft darzulegen, dass ich „immer schon“ Interesse an Kunst und Fotografie hatte – aber ich weiß auch, dass das nicht die ganze Wahrheit ist… Was mich darauf bringt, dass es auch ethische Anforderungen an den Erzähler gibt. Aber das ist hier nun wirklich nicht mehr das Thema.

    „Dichtung und Wahrheit“ – das ist gerade dann ein toller Titel für eine Autobiographie, wenn man sich solche Gedanken macht…

    Ich hoffe, das war jetzt nicht too much… Viele Grüße – Tobias

    1. Kleiner Gedanke zu Dichtung und Wahrheit: Ist nicht, im Endeffekt, unsere persönliche Vergangenheit an sich eine Geschichte, die wir uns selbst erzählen? Denn objektiv sind Erinnerungen niemals wirklich, sie sind immer „belastet“ mit Gefühlen und Interpretationen, die sich über die Zeit weg eben auch ändern. Ganz egal, ob man etwas mit Sinn ausstattet oder verflucht, man formt seine eigene Geschichte 🙂
      Interessanter Denkanstoß, danke dafür.

    2. lieber tobias, ich finde das auch oft nicht einfach, obwohl es sehr auf den friedhof ankommt. auf diesen altehrwürdigen und leicht verfallenen, da ist es nicht so schwierig, da findet sich immer etwas und wenn es nur details sind.

      auch das ist durchaus eine möglichkeit. ABER: ist es nicht egal, ob der sinn denn nun tatsächlich da war oder ob wir ihm den sinn erst durch erzählung gegeben haben? das ergebnis ist letztendlich ja irgendwo das gleiche, oder?
      das thema hört sich in jedem fall spannend an, vielleicht begegnen wir uns ja irgendwann eines tages einmal persönlich und können das ausführlicher diskutieren 🙂

      1. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir ihm einen Sinn GEBEN, dass wir einen darin erkennen. Ob das jetzt wirklich vom Schicksal bestimmt war oder vom Universum oder einem der zahlreichen Götter? Eigentlich ist das ja eher zweitrangig 🙂

        1. also schicksal und götter sind ja nicht so mein thema 😉 ich glaube eher, dass es unsere ausstrahlung ist, die signale aussendet und eben andere menschen anzieht – oder auch nicht.

  7. Wunderbare analoge Ergebnisse… Da kann ich nur voller Bewunderung staunen… Momentan bin ich noch nicht motiviert, die Comfort-Zone der digitalen Fotografie zurückzulassen (nicht mal für ne kurze Weile). Aber wie gesagt, ich bewundere Menschen die das hinbekommen…. Und Deine Gedanken sind wie immer sehr spannend und inspirierend!

    1. ich hab das bedürfnis auch nur selten und meist dann, wenn ich einen ort digital schon mehrmals erkundigt hab. an diesem tag hat es einfach gepasst und spaß gemacht.
      und wenn die worte auch noch ankommen freut mich das natürlich sehr 🙂

  8. Ich glaub ich sollte dem Zentralfriedhof bei Zeiten eine zweite Chance geben 🙂 Wir waren bisher erst einmal da, und da hats genieselt und den „spannenden“ Teil bekamen wir aus Zeitmangel gar nicht zu Gesicht. Wirkt, als würdest du dich dort ganz gut auskennen, kannst vielleicht ein paar spezielle Bereiche empfehlen?
    Und ganz im Sinne meiner momentanen geringe-Tiefenschärfe-Fixiation gefallen mir das Bild mit dem Griff am besten (storytelling-element – was öffnet man mit diesem Griff in Kombi mit der Thematik, und die Ausführung, natürlich ^^) und das mit dem Blatt, das ist ja schon fast abstrakt und die Farben sind wundervoll!

    Was die Begegnungen betrifft: So wahr!
    Jede Begegnung, gut oder schlecht, hatte ihren Platz und ihren Sinn in meinem Leben, wie du ja sagst, um Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Grenzen aufzuzeigen und mich selbst am Ende etwas besser zu kennen.
    Was mir persönlich die letzten Jahre besonders aufgefallen ist, ist dass ich meinem Bauchgefühl mehr vertrauen sollte, wenn es um neue Bekanntschaften geht. Soll nun nicht heißen, dass jemand, bei dem das Gefühl nicht passt, von vorneherein aus dem Rennen ist bezüglich zukünftige Freundschaft, aber das Vertrauen, das ich bereit bin zu investieren, solang ich die Person nicht gut kenne, sollte sich mehr danach richten, denn öfter als nicht stellt sich das Gefühl als richtig heraus.

    1. also ganz gut auskennen ist vielleicht übertrieben 🙂 aber wenn ich hinfahre, dann eigentlich nur mehr auf den jüdischen friedhof bei tor 1. das ist so schön verfallen und ruhig und da ist nicht viel los. ansonsten streife ich meistens einfach ein bisschen umher und suche nach wegen und steinen mit lichteinfall. die ehrengräber sind mir zu schwülstig, da mag ich die stimmung nicht.
      aber wenn du was besonderes sehen magst – kennst du den friedhof st. marx? vielleicht ist der eher was für dich? den fand ich persönlich wunderschön, obwohl ich nicht weiß, wieviel davon mittlerweile schon restauriert wurde.

      und auch von meiner seite, zum absatz der begegnungen: das ist absolut richtig und genau so sehe ich das auch.
      auch die sache mit dem bauchgefühl. das hat doch ohnehin immer recht, wir schenken ihm einfach im alltag nur viel zu wenig gehör.

      1. mir ist St. Marx leider viel zu laut… da geht jede Friedhofsstimmung flöten 😦

        Eigentlich mochte ich die Ehrengräber immer sehr gern. Ich mags gern schwülstig 😉

        1. laut? hmm.. ich kann mich an geräusche gar nicht mehr erinnern. vielleicht weil ich sonntags da war?
          ich finde ja, dass man die ehrengräber durchaus gesehen haben soll. trotzdem ist der stille verfallene jüdische teil abgeschlagen mein liebster.

            1. dann muss das am sonntag gelegen haben. vielleicht auch am wind? der macht auch oft was aus, so blöd es klingt. bei uns war es nur ein leises, fernes rauschen.

  9. Sehr schön. Ich mag Friedhöfe, da herrscht meist eine besondere Stille. Und ja, wie viele Geschichten ranken um jeden Stein ….
    Ich glaube, es ist sehr hilfreich, wenn man das für sich so sehen kann. Wenn man Begegnungen für sich als ‚Lernorte‘ begreifen kann. Und warum man sich begegnet zu dieser oder jener Zeit. Und ja, vielleicht ’sucht‘ man bestimmte Begegnungen mal mehr oder mal weniger. Wer weiß?
    Da taucht ja die alte Frage nach dem ‚Zufall‘ auf, gibt es ihn oder nicht? Warum begegnet man einer andere Person in dem Moment, eine andere Entscheidung hätte diese Begegnung vielleicht gar nicht stattfinden lassen. Und Menschen kommen und gehen, festhalten an alten Geschichten und Dingen bringt meist nur ganz wenig. Manchmal sind Geschichten einfach zuende. Oder benötigen eine Pause. Das kenne ich gut, Freundschaften, die Jahre ruhen, um dann in einer anderen Lebensphase wieder neu zu erwachen. Das geht und das ist sehr schön. Und andere sind einfach verschwunden. Auch das ist in Ordnung. Loslassen und den Fluss fließen lassen. Aber es ist eine hohe Kunst, das für sich immer so zu sehen 😉
    Danke für die Gedankenanregung.

    1. du sagst es. ich mag vor allem alte und verlassene friedhöfe. neue, auf denen geschäftiges treiben herrscht, mag ich nicht besonders.
      ich denke, dass das vermutlich jeder kann, der sich dafür öffnen kann. der zwischen schmerz und traurigkeit hindurchblicken kann, der wut ausblenden kann, über begegnungen, die einen verletzt haben. grade bei denen sollte man sich fragen: wieso ist es dazu gekommen?
      ich denke, man sucht immer irgendwas. und dann trifft man menschen, die in diesem resonanzfeld schwingen. und dann hat man unterschiedliche möglichkeiten, mit diesen begegnungen umzugehen. an zufall glaube ich da nicht. dazu gibt es zuviel energie, die wir ausstrahlen.
      ich denke, dass das immer schwierig ist und egal, wie sehr man begegnungen als „lernorte“ wie du sagst annimmst, wird es immer wehtun. aber es ist auch ein trost.

      1. Ja. Das ist es. Eine Chance oder eine Art Hoffnung. Deshalb werden die Gefühle nicht weniger, das ist klar. Aber sie ergeben evtl. einen übergeordneten Sinn oder sowas und das kann helfen, sie anzunehmen und über sie hinaus zu wachsen. Auch wenn das meist ein langer und kein leichter Weg ist. Überhaupt nicht einfach. Aber man bleibt mehr bei sich, anstatt sind in der ‚Schuld‘ des andern zu vergraben.
        Ist schon spannend, wie sehr manche Begegnungen einen prägen. Ich glaube da auch nicht an Zufälle.

        1. nein, sie werden nicht weniger. aber man erkennt oft, dass gefühle da sein können, dass man etwas für jemanden empfinden kann, aber dennoch loslassen muss, weil man weiterziehen muss. oder man bemerkt, dass etwas auseinanderdriftet und kann noch rechtzeitig dagegen steuern.

  10. Schon spannend wenn man so über seine Begegnungen reflektiert. Ich stelle mir hin und wieder vor, wie dies oder jenes verlaufen wäre, wenn ich jemand anderen begegnet wäre – mir ist zwar klar, dass das nichts bringt, aber so wird man sich bewusst wie wichtig sie eigentlich sind. Somit ist wohl alles so, wie es sein soll 😉

    1. oh ja, das tu ich auch. das ist das phänomen der „virtuellen biografien“ – das hat mich schon als kind fasziniert. deswegen liebe ich auch den film „lola rennt“.
      spannend ist auch immer, einzelne begegnungen zurückzuverfolgen. wieviele unbedeutende begegnungen waren notwendig, um einen menschen zu treffen, der große bedeutung hat? wäre man demjenigen auch begegnet, wenn man diesen oder jenen zuvor nicht getroffen hat? ich wollte schon immer mal über so eine geschichte ein buch schreiben 😀

  11. Ich denke, dass man als normaler Sterblicher das komplizierte Geflecht menschlicher Handlungen, Begegnungen und Trennungen unmöglich überblicken kann und sollte es da tatsächlich einen globalen Zusammenhang geben ( wie das im Buddhismus gesehen wird) so können wir ihn doch nicht sehen. Aber das hindert uns sicher nicht daran aus jeder Begegnung, jeder Trennung zu lernen. Der Dalai Lama sagt das besser und kürzer 🙂

    Ein lieber Freund von mir hat im Rahmen einer Art Tombola,bei der alle Teilnehmer etwas von ihrer Zeit und ihren Talenten beisteuern, eine Führung durch den Zentralfriedhof angeboten. Ich glaube, da werde ich mitmachen. Da sind so schöne Details auf deinen Bildern !

    1. oh ja, da hast du bestimmt recht. aber darum gehts ja irgendwie auch gar nicht. wichtig ist ja nur, dass wir im hier und jetzt und heute was daraus mitnehmen können, finde ich…
      wirklich? das klingt ja schön. würde ich unbedingt machen!

  12. Tolle Analog Aufnahmen! Da bekomm ich selber mal Lust mal wieder Analog unterwegs zu sein!
    Finde der Herbst und die Farben kommen Analog einfach viel besser rüber!

    Bei den Begegnungen kann ich dir nur Recht geben, bei manchen ist man froh sie getroffen zu haben und bei anderen froh wenn man denen nicht mehr über den Weg läuft.. Das Leben spielt wie es spielt 🙂

    1. 🙂 oh ja, mach das mal! ich bin immer neugierig, was andere so auf film zaubern! eigenartig fand ich nur, dass beim einscannen der kontrast so stark erhöht wurde. aber naja…

      das stimmt. und lustig ist auch, welchen menschen man manchmal durch zufall begegnet, bekannt oder unbekannt 🙂

  13. Manche Menschen trifft man für Minuten, manche für’s Leben 😉
    Man verliert viele Menschen, man trifft manche wieder, und andere wird man erst gar nicht kennenlernen, weil es keine Schnittpunkte gibt… 😉

    1. du hast recht. und dank dem internet treffen wir auch welche, mit denen wir analog nie schnittpunkte gehabt hätten 😉

  14. Ein so wahrer Text… und schöne Fotos. Ich muss zugeben, ich war wohl noch nie „einfach so“ auf einem Friedhof.

    1. danke für deinen besuch liebe anna. wenn du einen schönen friedhof in der nähe hast kannst du ja auch mal hinschauen, grade im herbst ist das meist sehr stimmungsvoll!

  15. Irre schöne Bilder und Eindrücke.Gerade in dieser Jahreszeit sehr passend.
    Obwohl.. Eigentlich haben diese Aufnahmen immer etwas zu sagen. Egal ob im Hochsommer oder im Schnee.

    1. dankeschön liebe michaela ❤ es ist immer wieder schön dort und man findet immer wieder neue details und blickwinkel.

  16. Hi,
    prima Bilder. Auch hier bietet sich Minimalismus und lange Brennweiten an oder das 50ziger 🙂
    Gruß
    Oli

  17. Sehr schön geschrieben. 🙂

    Auf der Beerdigung meines Opas sprach die Dame davon, dass das Leben wie ein Zug ist – manche Menschen begleiten uns auf unserer Fahrt durch das Leben, mal länger, mal kürzer. Manche, die nur kurz dabei waren, registrieren wir kaum, bei anderen sind wir traurig, wenn sie den Zug verlassen. – Diese Metapher fand ich damals sehr schön.

    Mein Vater hat uns abseits dessen immer gesagt: „Man weiß nie, wofür es gut ist.“ Das gilt für Menschen, die uns begegnen, ebenso wie Erfahrungen, die wir machen. Die Guten und die Schlechten. Das hält für mich immer den Blick nach vorn, weil ich auch bei einer schlechten Erfahrung daran glauben kann, dass sie irgendwann noch etwas Gutes für mich bereitshalten wird. (Und wenn sie mich nur davor bewahrt, einen dummen Fehler zwei Mal zu machen. 😉 )

    1. hallo chrissi, diese zugmetapher hab ich schonmal gehört. die finde ich auch wirklich schön, weil sie mir ebenfalls sehr passend erschienen ist. auch das zitat deines vaters, das kommt mir immer wieder unter. im nachhinein erfährt man den sinn ja zum glück oft, aber manchmal ist es schwierig, wenn man es in der situation selbst so gar nciht versteht.

  18. Meine liebe Paleica, nicht nur, dass du wunderschöne Fotos vom Zentralfriedhof mitgebracht hast, du hast auch wieder einen wundervollen Text zu „Begegnungen“ geschrieben, den ich 100% so unterschreiben kann.
    „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ ist so ein Zitat, dass mir dazu spontan in den Sinn kommt.
    Jede Begegnung bringt uns etwas – Lachen, Grübeln, Tränen, aber im besten Fall neue Freunde und/oder wundervolle Erinnerungen, die man nie vergessen möchte. Alles hat seinen Grund, sagt man … das hat sich für mich bisher auch immer bewahrheitet.
    Liebe Grüße, Karina

    1. liebe karina, danke für deinen kommentar! es freut mich sehr, wenn andere meine gedanken nachvollziehen können… ich stimme dir da absolut zu. von allen können wir etwas mitnehmen, jeder mensch hat etwas, wovon wir lernen können.

  19. Oh man, jetzt musste ich aber schon ne Weile in meinem Reader scrollen, um doch noch hier zu kommentieren. Tut mir leid, dass ich so spät dran bin. Ich musste eigentlich total schmunzeln, als der Beitrag bei mir im Reader auftauchte, denn kurz vorher hatte der Peter von Zeitlauf Bilder vom Campus gezeigt, der ja neben dem Zentralfriedhof einer der Orte war, die ich mir bei meinem letzten Besuch in Wien angeschaut habe. Und auf neue analoge Bilder von dir war ich ja auch schon gespannt. An die Wege des jüdischen Friedhofs kann ich mich noch gut erinnern, auch wenn es im Herbst natürlich ein bisschen anders aussieht als im Frühling. Aus der Serie gefallen mir die Bilder 3-6 am besten und natürlich das vorletzte, weil Blättter in Büschen einfach so so toll sind 🙂

    1. macht nix, schön, dass du es doch noch geschafft hast 🙂 ja, die bilder von peter hab ich auch gesehen. übrigens sind heute die restlichen vom zentralfriedhof online gekommen.
      blätter sind ja glaube ich unser beider große liebe. und ich denke, sie werden mein vorherrschendes motiv sein, bis die farben dann nächstes jahr wiederkommen 😉

      1. Hehe. Ich stand vorhin im Büro auf dem Balkon und dachte so ‚Ooooh, Blätter! Wo ist mein Handy…‘ 🙂

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