Analog am Zentralfriedhof: Triptychons & [Wort] zwiegespalten

Während meines Spaziergangs am Zentralfriedhof ist noch eine weitere analoge Bilderserie entstanden, die heute, an Allerseelen, den perfekten Tag zur Veröffentlichung gefunden hat. Während die erste Serie „kreuz und quer“ zeigte, habe ich hier für euch einige Triptychons zusammengestellt, die sich wie von selbst gefügt haben.

Verschwommen und vergessen.


Mit Liebe zum Detail


Stolz, schön und vergangen


Mit Blättern bewachsen

Kamera: Contax 167 MT || Film: Kodak Portra 160

Diesen Beitrag widme ich Ninas schönem Wort

„zwiegespalten“

Der Duden schlägt dafür die Synonyme „in sich uneins“, „widersprüchlich“ und „kontrovers“ vor. Denn zwiespältig ist das Fotografieren in manchen Situationen und Orten – wie auf einem Friedhof.

Wir beschließen „komm, lass uns heute auf den Zentralfriedhof fahren und Fotos machen“. Weil es dort ruhig und schön ist, weil die Stille der Natur fast laut wird, weil es ein Ort ist, fernab der Normalität, ein Ort zwischen den Welten, ein Un-Ort, an dem die Realität kurz Pause macht. Ein Ort, der Energie ausstrahlt, nicht, weil ich an Geister glaube, sondern weil viele Menschen dort viele emotionale Momente erlebt haben und vielleicht auch nur das Wissen darum die Aura dieses Stückes Erde ausmacht.

Gleichzeitig ist es ein Ort der Trauer, des Schmerzes, des Verlustes und Abschieds. Ein Ort, an dem viele persönliche und intime Momente stattfinden, die privat sind wie sie nur sein können, auch wenn sie gezwungenermaßen öffentlich gelebt werden müssen.

Während also mein Fotografenherz nach den verfallenen, verlorenen und vergessenen Details sucht, nach schön gravierten Inschriften, nach windschiefen alten Grabsteinen, nach Licht und Schatten, nach Vorder- und Hintergrund empfindet mein Menschenherz ein gewisses Eindringen in eine Privatsphäre, die mir nicht gehört. Das Objektivieren der Gräber zur Bildgestaltung ist etwas, bei dem ich nicht sicher bin, ob es denn in Ordnung geht.

Die Vernunft in mir sagt:

„Aber der merkt doch eh nix mehr.“

Das Gewissen in mir sagt:

„Trotzdem.“

Also versuche ich, mit großem Respekt an die Motive heranzugehen. Die schönen und die traurigen Momente zu finden, ein Bild niemals zu etwas Ironischem werden zu lassen. Trauer ist etwas Individuelles und sollte nicht von jemand Drittem lächerlich gemacht werden. Auch Kitsch hat in den Bildern nichts verloren.

Ich habe mich dafür entschlossen, mir diese Art der Bilder nicht nehmen zu lassen, aber ich habe mir selber auferlegt, niemals ein Bild eines Friedhofs zu machen oder zu veröffentlichen, das einen Verstorbenen oder Angehörigen verletzen könnte. Die Bilder sollen die Schönheit des Vergänglichen und Vergangenen zeigen, die Spuren der Zeit und die Allmacht der Natur.