Irland: Details & die große Gretchenfrage des Sinns.

Ihr wisst ja jetzt schon, dass ich an fremden Orten, wenn die Zeit es zulässt, gern auf die Jagd nach Details gehe. Den ersten Teil der irischen Details habe ich euch ja bereits hier gezeigt, inklusive der Erklärung, was mich an den kleinen Dingen so anzieht:

…weil sie das sichtbar machen, was im Großen wirkt, aber meistens nicht fassbar ist.

Und vielleicht, weil es diese Dinge sind, mit denen ich mich oft am meisten identifizieren kann, weil es meine Sicht auf das Leben beschreibt. Denn sind es nicht die kleinen Dinge, die das Leben zum überwiegenden Teil ausmachen? Ein Lächeln, eine Berührung, ein liebes Wort, das richtige Lied zur richtigen Zeit, Kuchen, dampfender Tee, ein Nachmittag mit den liebsten Episoden der Lieblingsserie, ein Sonnenstrahl, der etwas Altes, Vergessenes, Vergangenes zum Leuchten bringt, ein Bitte, ein Danke und tausend andere Dinge.

Was bedeutet also die Relevanz dieser Details? Was bedeutet es für das, worum es eigentlich geht? Worum es MIR geht?

Vermutlich hat jeder schon das eine oder andere Mal darüber nachgedacht, zu welchem Sinn und Zweck er/sie hier auf diesem Planeten verweilt. Manche haben dafür möglicherweise eine sehr klare Antwort, andere gar keine. Die einen finden den Sinn in externen Faktoren, von außen gegeben und andere – zu dieser Gruppe zähle ich mich – gehen davon aus, dass man seinem Leben den Sinn selbst geben muss. Und auch wenn ich zu den Menschen gehöre, die, wenn sie könnten, „die Welt retten“ vielleicht nicht als ersten, aber zumindest als zweiten Wunsch an die gute Fee richten würden, bin ich mir dessen bewusst, dass der Tag, an dem ich die Welt retten werde, wahrscheinlich nie kommen wird.

Das heißt aber nicht, dass man resignieren muss. Dass man nichts tun kann. Ganz im Gegenteil. Denn für mich hat sich über die letzten Jahre etwas ganz Grundlegendes herauskristallisiert. Jeder Mensch hat Begabungen oder Stärken. Und diese Stärken kann man dafür einsetzen, um bei anderen Menschen was zu bewirken. Ich glaube, dass eine meiner Begabungen sich im zwischenmenschlichen Bereich findet, irgendwo in der geistig-verbalen Welt. Darin, anderen Menschen zuzuhören und ihnen Mut zu machen wenn sie traurig sind. Ihnen Fragen zu stellen, die sie sich selbst nicht zu stellen trauen. Ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind und dass eine Krise bewältigt werden kann.


 

Das schwingt auch irgendwo hier mit. Ich offenbare meine Gedanken und Gefühle, zum einen natürlich deswegen, weil es mir hilft und nützt, mit mir selbst weiterzukommen, im Verständnis von Mechanismen und Zusammenhängen. Aber ich offenbare sie auch in der Hoffnung, dass dieses verletzliche und ehrliche Innere, das ich nach außen kehre, andere Menschen berührt und dazu animiert, sich selbst ihrem Inneren gegenüber zu öffnen. Dass es sie anstubst, anstößt und kitzelt und vielleicht ein Motivationsfaktor ist, einen Schritt weiterzugehen. Vielleicht ist das eine Antwort auf die indirekt gestellt Frage, wieso es hier manchmal doch sehr tiefe Einblicke in mein Seelenleben gibt.

Ich schreibe diesen Blog und ich lebe mein Leben in der Hoffnung Spuren zu hinterlassen in den Herzen anderer Menschen. Etwas in ihnen zu bewegen, das sie bereichert.

Ich kann nicht die Welt retten. Aber ich kann meine Zeit und meine Energie schenken, einem anderen Menschen, den ich kenne und der sie gerade braucht.

Ich möchte, wenn ich kann, dazu beitragen, dass für einen anderen Menschen ein Licht am Horizont auftaucht. Weil ich weiß, dass das wichtigste in einer düsteren Zeit ein Mensch ist, der einen versteht. Das Gefühl, nicht allein zu sein mit seinem Schmerz. Weil ich weiß, wie sich diese Einsamkeit anfühlt und weil ich alles dafür tun will, dass niemand den ich kenne, mag und liebe diesen Schmerz auf diese Art je fühlen muss. Und weil es genau das ist, was ich tun kann – nicht um die Welt zu retten, aber vielleicht um dem einen oder anderen zu helfen, seine Zuversicht und Lebensfreude wieder zu finden, der sie wiederum weitergibt und die dazu führt, dass sich mehr Positives auf diesem Planeten verbreitet.