Aller guten Dinge sind drei! Der Kern der Sache: der Kampf der Instanzen.

Es kostete mich nun wohl drei Texte und eine schlaflose Nacht, um endlich zur Quintessenz dessen zu kommen, was mir da im Inneren vorgeht, was ich zu fassen versuche. Es scheint ein Prozess gewesen zu sein, um sowohl mich als auch euch eine Art logische Abfolge zu präsentieren, die den Kern der Sache schlüssiger erscheinen lässt. Zuerst wollte ich das Unbewusste an sich erklären und wie ich es sehe, weil es das zentrale Element ist, das meiner Meinung nach die Dinge steuert. Im zweiten Text habe ich euch von meiner Methodik zur Traumdeutung erzählt – weil ich erst durch das Analysieren meiner nächtlichen Geschichten den Dingen auf die Spur gekommen bin.

Es ist diesmal nichts, das ich erzählen will, sondern es ist etwas, über das ich schreiben muss. So ein intrinsischer Drang, der keine Ruhe gibt, der mich von anderen Dingen abhält, wie arbeiten oder schlafen. Darum versuche ich es nun ein drittes Mal, in Erinnerung der Gedankenströme, die in der Nacht meinen Kopf so aktiv gehalten haben, dass er am Wiedereinschlafen gehindert wurde.

Ich beginne mit dem Gedanken, mit dem es nachts ebenfalls begonnen hat. Mit der Frage an mich selbst, warum Unstimmigkeiten im Leben, die sich in den oberen Ebenen der Maslow’schen Bedürfnispyramide (die aus psychologischer Sicht nicht mehr ganz aktuell ist, ich weiß, aber es ist ein einfaches und anschauliches Modell, darum ziehe ich es hier trotzdem heran) abspielen, sich für den Betroffenen genauso allumfassend anfühlen, genauso blockieren und das Leben beherrschen, wie Probleme an den unteren Ebenen, obwohl sie das Leben im eigentlichen Sinne nicht bedrohen.

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Ich war früher ein Mensch, der sich seinem Schmerz gern lang und ausgiebig hingegeben hat, ich habe gebadet in der Traurigkeit und war sehr fokussiert auf Dinge, die ich nicht hatte, nicht tun konnte, nicht tun durfte. Ich habe mich gesuhlt in den negativen Dingen, ohne allerdings je die Möglichkeit zu entdecken, ihre Ursprünge aufzuarbeiten und Optimismus war sowieso nie meine große Stärke. Irgendwann, eines Tages, begann ich mich deswegen schuldig zu fühlen. Einerseits schuldig der Welt gegenüber, in der es mindestens 90% der Menschheit schlechter geht als mir und andererseits mir selbst gegenüber, da ich durch das Baden in negativen Gefühlen viel an Lebensfreude verpasste. So beschloss ich, quasi von einem Tag auf den anderen, dass dies nun ein Ende haben sollte. Genug gejammert, so schlimm kann es ja nicht sein, als weiße Mitteleuropäerin in der Mittelschicht ihr Dasein zu fristen. (Dass dieser Beschluss seinen Ursprung in einem ganz anderen, frühkindlichen Erlebnis hat, ist eine andere Geschichte).

Es ist schwierig für mich, in dieser Welt, in der soviele furchtbare Dinge passieren, in der Menschen soviel Grausames erlebt haben, mir selbst zuzugestehen, dass ich ein Problem habe.

Denn global gesehen habe ich kein Problem. Daher sagt mir auch mein Kopf: du hast kein Problem. Nur beeindruckt das meine Seele wenig, denn sie empfindet trotzdem Schmerz. Den Schmerz, der immer schon da war, den ich früher nicht begreifen konnte und der mich begleitet hat, weil er darauf gewartet hat, eines Tages verarbeitet zu werden.

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Ich finde es anmaßend, in diese glückliche Situation geboren zu sein, in der ich zu Essen habe, in der ich mich nicht um ein Dach über den Kopf sorgen muss, in der eine Ausbildung selbstverständlich war, auch noch hinauszugehen und zu sagen „mir geht es schlecht“. Ich habe das Gefühl, kein Recht darauf zu haben. Aus diesem Grund habe ich mir auch lange selbst untersagt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich dachte mir, wer soviel Glück beim Roulette der Lebensverteilung hatte, der soll wenigstens mit diesen kleinen Dingen schaffen selbst fertig zu werden. (Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Existenz auf Kosten anderer geht. Dass meine Bedürfnisse anderen Menschen Schaden zufügen.)

So eine Seele scheint sich jedoch nicht so leicht überlisten zu lassen. Nur weil der Kopf daherkommt und bestimmt, dass sie jetzt anders zu fühlen habe, ist ja noch lange nichts von dem gelöst, was davor Schwierigkeiten gemacht hat. Also beginnt dieses ungreifbare Etwas, die „Seele“, mit dem anderen ungreifbaren Etwas, dem „Unbewussten“, zusammenzuarbeiten und Signale an den Kopf (das bewusste „Ich“) zu senden. Signale, die sagen, hey du, so geht das aber nicht. Du kannst mich nicht ignorieren. Diese Signale werden stärker und drastischer – bis man irgendwann gezwungen ist, darauf zu reagieren. Die Seele spiegelt sich im Körper, man muss nur hinschauen.

Also wachte ich, nach vielen unterdrückten und ignorierten Signalen, am 7. Dezember 2013 mit starken Schmerzen auf und konnte mich kaum noch bewegen. Ab da begann eine kleine Odyssee, die hier immer wieder durchgescheint ist und von der die meisten vermutlich das eine oder andere schon mitbekommen haben. Auf einmal geriet alles irgendwie aus den Fugen, weil ich merkte, dass mein System „ich mache was sein muss und mein Körper macht mit“ nicht mehr umsetzbar war. Ich war allerdings noch immer nicht bereit, ernsthaft darauf einzugehen. Ich beschäftigte mich nur halbherzig damit – und zur großen Überraschung wurde die Situation immer schlimmer, bis ich mich dazu entschloss, dieser Sache endlich einen großen Teil meiner Aufmerksamkeit zu widmen.

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Anfangs stand eine physische Diagnose und ein Therapieplan. Es dauerte jedoch nicht allzu lange, bis sich herausstellte, dass nur den Körper behandeln, wenn der Schmerz aus der Seele kommt, keine sehr nachhaltige Methode ist. Also begab ich mich nun endlich auf Spurensuche. Seither tue ich was ich tue und beschäftige mich damit. Ich grabe in meiner Vergangenheit und rekonstruiere mit Hilfe von Fotos, alten Tagebuchtexte, Briefen und Erinnerungen die Dinge, die mich geprägt haben. Im Moment steuert diese Aufklärungsarbeit mein ganzes Leben. Ende letzten Jahres dachte ich, nun endlich die Talsohle überwunden zu haben und dann kam etwas, was man in der Situation so gar nicht gut verkraften kann: ein Rückfall. Ein Rückfall in derartig tiefe Tiefen, die ich davor noch nicht kannte. Der jede Bewegung, jede Aktivität, jede wache Minute zu einer Herausforderung machte. Man wird mutlos und verzweifelt, weil man nicht versteht, was man schon wieder falsch gemacht hat – bis man bemerkt, dass man in einer derartigen Intensität in alte Muster gerutscht ist, dass der Aufschrei des Körpers fast nur logisch war.

Ich schrieb letzten Frühling darüber, dass die Erkenntnisse nur so auf mich einprasseln und ich kaum weiß, wie ich alles einordnen oder verarbeiten kann, weil sich gerade so vieles auftut, das jahrelang verschüttet war. Im Sommer schrieb ich, dass die Gedanken verstummt sind. Ich weiß nicht, warum da alles ins Stocken geriet, vielleicht war ich noch nicht soweit. Jedenfalls scheint das Werk in den letzten Monaten wieder ordentlich in die Gänge gekommen zu sein und da ist wieder Hoffnung, eines Tages wieder therapie- und schmerzfrei zu sein. Wieder Reisen planen zu können, weil Auto-, Zug- und Busfahrten, Flüge und Fußwege keine Stolpersteine mehr darstellen. Vielleicht wollte ich zuviel auf einmal. Vielleicht habe ich mich überschätzt und überfordert. Darum gehe ich es jetzt langsamer an. Ich plane im Moment nichts – eine der größten Herausforderungen an mich selbst. Ich versuche wieder bewusst, die schönen und kleinen Dinge vor der Haustüre wahrzunehmen. Ich kann wieder weinen. Ich fühle mich weniger gleichgültig.

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Aber ich weiß, dass mein Weg noch nicht zu Ende ist, auch wenn ich mir noch so sehr wünschen würde, dieses ganze leidige Thema endlich in eine Schublade packen zu können und abzuschließen. (Kampf und Flucht sind keine validen Instrumente, um mit Seelenschmerzen fertig zu werden. Mein Kopf weiß das jetzt erstmal.)

Mein Unbewusstes vertraut meinem Bewussten noch nicht, weil es solange davon im Stich gelassen wurde. Weil ich mein innerliches Problem, das auf der besagten maslow’schen Pyramide weiter oben angesiedelt war, nicht anerkennen konnte, wurde daraus ein externes, ein paar Stufen weiter unten, das ich anerkennen musste und für das ich mich nicht verurteilt habe. Nun kämpfen in mir die Instanzen. Das Unbewusste kompensiert mit der Physis die Ängste, während das Bewusste nach Wunscherfüllung strebt. Diese beiden wollen leider sehr unterschiedliche Dinge, die sich nicht vereinbaren lassen. Darum werde ich nun lernen müssen, meine Ängste ernstzunehmen und sie soweit wie möglich aufzulösen, da es eigentlich gar nicht meine sind sondern welche, die ich im Laufe meines Lebens angelernt bekommen habe. Ich versuche zu akzeptieren, dass Gefühle vermutlich nicht an sozialen Status gekoppelt sind und ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Wahrnehmung der allgemeinen Situation, die für mich ja eine sehr glückliche ist, und mir eine individuelle Berechtigung zuzugestehen, deswegen trotzdem nicht immer glücklich sein zu müssen. Ich denke, ich bin wieder auf dem Weg. Aber ich habe Angst, Angst beherrscht mein Leben momentan immer wieder, wenn auch unterschwellig. Ich habe Angst, dass der Weg vielleicht doch nicht der richtige ist. Angst davor, dass es wieder einen Rückfall gibt und ich wieder von vorne anfangen muss, weil mir dafür langsam die Kraft ausgeht. Angst davor, dieses physische Problem nie wieder ganz loszuwerden und gleichzeitig die absurde Angst, es loszuwerden und dann nicht damit klarzukommen, weil ich schon so daran gewöhnt bin und weil es ja einen Nutzen hat. Aber zumindest spüre ich sowohl die Angst als auch die Angst vor der Angst und das ist immerhin die Grundlage, um einen Weg zu finden, damit umgehen zu können. Ich habe Angst, nicht zu funktionieren und mein Leben mit Schmerz zu versäumen. Ich habe Angst, zu funktionieren und mein Leben durch Pflichterfüllung zu versäumen.

Um von der alten, holprigen Straße voller Schlaglöcher wegzukommen, muss ich eine neue Straße bauen, die ich abschnittsweise und vorsichtig teste, bis ich das Vertrauen aufbaue und sie öfter und öfter benutze und irgendwann sehe, dass sie mich ans Ziel führt. Und dieser Straßenbau beginnt mit einem ganz wichtigen Element: dem Gollum in mir sagen, dass er gemein ist. Und ein bisschen nett zu mir selbst sein.

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Verfasst von

Internetmethusalem. Schütze Aszendent Jungfrau, Freudianer, Tolkienist, Freizeitfetischist, zwanghaft neurotisch, begeisterungsfähig, Kommunikationsjunkie, Träumermädchen. Ein Kopf voll Gefühl, ein Herz voll Gedanken.

53 Kommentare zu „Aller guten Dinge sind drei! Der Kern der Sache: der Kampf der Instanzen.

  1. Egal was du denkst, fühlst im Traum und in der Wirklichkeit: lebe und gib dein Bestes!
    Ich bin sicher, dass dich die Traumdeutung nicht wirklich zum Ziel des Lebens führt. Bedenke: Traum ist Vergangenheit, du lebst im jetzt!

    1. hallo andreas, ich denke, das ist ansichtssache. es gibt viele menschen, die in ihrem leben von verhaltensmustern geplagt sind, die sie am glücklichsein hindern und die sie zu robotern ihres unbewussten machen. nicht jeder kann – genau das ist mitunter thema des aktuellen textes – einfach „beschließen“, glücklich zu sein. manchmal müssen alte konflikte und schmerzen erst aufgearbeitet werden, bis man zu einem leben im jetzt findet. und dabei kann die analyse von träumen durchaus behilflich sein.

  2. Ich kann Dir das Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ von Eckart Tolle empfehlen. Vielleicht hast Du ja Zugang dazu. Ich finde jedenfalls, dass es der absolute Augenöffner ist und dachte, als ich es vor einigen Jahren las: „Ja, genauso ist es.“ Es war wie nach Hause kommen. Niemand muss ein „Roboter seines Unbewussten“ sein, wie du es nennst. Man muss nur wollen, dies nicht zuzulassen. Es ist wirklich so einfach. Man macht die Dinge nur oft viel komplizierter als sie sind. Denn der „Schmerzkörper“ (nach Eckart Tolle) braucht ständig Futter in Form von Drama, Konflikten etc. Fällt das weg, stirbt auch der „Schmerzkörper“
    Ich war in meinen jugendlichen Jahren bis an die 30er heran auch ein sehr grüblerischer Mensch, wollte Dingen immer ganz genau auf den Grund gehen. Aber das immerwährende Wühlen in und „Aufarbeiten“ der Vergangenheit brachte mich nicht weiter, sondern verschlimmerte nur alles.
    Inzwischen bin ich immer noch sehr selbst reflektiert, allerdings im positiven Sinne und mit viel mehr Klarheit.
    Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen Weg!

    Liebe Grüße. 😀

    1. danke für den tipp, ich habe das mal auf meinem wunschzettel gespeichert. hört sich danach an, als könnte man da durchaus mal reinlesen und als wäre das spannend für mich. ich bin auch der meinung, dass niemand „der roboter seines unbewussten“ sein muss, aber ich denke dennoch, dass das nicht von selbst passiert, sondern mit arbeit an sich selbst verbunden ist. auch dass man dinge grundsätzlich verkompliziert stimme ich dir zu, trotzdem glaube ich, dass ein grundsätzliches verständnis von sich selbst nötig ist, um destruktive muster abzulegen. welcher weg es letztendlich wird ist denke ich immer irgendwo individuell, unterstützung von außen (in welcher form auch immer) braucht man aber wohl in den meisten fällen.

  3. Ich kann leider nicht alles so sorgfältig lesen, wie ich mir das wünsche, denke dabei aber an Erich Frieds „Es ist, was es ist“ und an die eigene Erfahrung, dass Ängste immer auch Nicht-Wissen bedeutet (was Dir nicht neu ist). Niemand, wirklich niemand muss sich dafür rechtfertigen, wie es ihm geht. Auch Du nicht. Was meinst Du, wie häufig ich den Satz „aber das geht doch Millionen Menschen auch so“ gehört habe – alles Unsinn. Zugleich bin ich überzeugt davon, dass Du eine starke, seelenintelligente und kluge Frau bist, die ihr Ziel, mit sich selbst einiger zu sein, erreichen wird. Auch, wenn es mal weh tut. Viele Grüße
    Frank Berno

    1. hallo frank! dass sich-nicht-rechtfertigen-müssen muss ich wohl erst lernen, aber ich bin am weg 🙂 es hilft halt nicht, nur wenn andere auch schmerz erlebt haben, kann man damit den eigenen nicht tilgen, fertig werden damit muss man immer selbst und wie das geht ist wohl bei jedem individuell. ich hoffe sehr, dass ich dem ziel auf der spur bin, aber gefühlt hat sich in den letzten wochen zumindest wieder einiges gelichtet!

  4. Ach Christina, mutig ist, wer seine Angst anerkennt und mit ihr lebt und dann irgendwann durch sie hindurch geht.
    Ich habe so meine Zweifel, ob man auch mit vielem Grübeln und Aufarbeiten jemals dahin kommt, seinen Weg bestimmen zu können. In manchen Dingen natürlich schon, man kann sich seinen Partner aussuchen und seinen Beruf und welche Dinge in sich man nährt und welche nicht. Aber welcher Weg dann daraus wird und wohin einen der führt, kann man nicht bestimmen.
    Und das ist doch auch gut so, wo bliebe denn die Lebensfreude, die Überraschung Neues zu entdecken, von dem man nichts wußte. Oder ist das für dich nicht so ?

    Wunderschön finde ich die Blätterfotos, auch die S/W, obwohl ich doch eigentlich keine S/W Fotos mag. Auch ein Beispiel für unerwartete Freuden am Wege 🙂

    1. ganz kann man das nie – weil man das unbewusste nie ganz bewusst machen kann. aber ich denke, es gibt ja gewisse abstufungen zwischen dem unbewussten die volle kontrolle zu überlassen und absoluter selbstbestimmung. und wenn man wieder ein bisschen mehr mitzureden hat, dann ist das schon ein gewinn.
      ich habe das gefühl, dass du immer nur die falschen s/w fotos gesehen hast 😉 es freut mich jedenfalls, wenn dir meine gefallen!

      1. Bisher habe ich den SW-Fotos auch wenig Chancen gegeben mir zu gefallen, stimmt schon ….
        Ich tu mir schwer damit, das Unbewußte als etwas zu sehen, dass meine Selbstbestimmung einschränkt. Schließlich gehört alles zusammen und macht eine Person aus. Das individuelle Unbewußte ist ja auch ein Produkt des eigenen Geistes, der nicht funktionieren könnte, wenn er nicht Anteile ins Unbewußte verschieben würde. Ist jedenfalls sehr kompliziert und ich lese gerne deine Betrachtungen dazu.

      2. 🙂 vielleicht wird das ja noch! man muss einfach das richtige motiv verwenden, denn es gibt viele, die sich dazu nunmal einfach nicht eignen, das stimmt.
        da hast du natürlich auch recht. aber ich habe bei mir die erfahrung gemacht, dass das unbewusste und das bewusste nicht immer dieselben ziele verfolgen und dass in diesen fällen meistens das unbewusste „gewinnt“.

      3. Da gehört wahrscheinlich auch dazu die oberflächlichen Wünsche und die darunger liegenden tatsächlichen Bedürfnisse zu unterscheiden. Die Erkenntnis , dass das zwei verschiedene Ebenen sind, die nicht unbedingt miteinander vereinbar sind habe ich sehr erhellend gefunden …

      4. ja das tut es auf jeden fall. die frage ist nur, wie man damit umgeht. bei mir ist es ja so, dass das unbewusste vorrangig meine ängste kompensiert, während das bewusste eben die wunscherfüllung verwirklichen lässt. ich muss also eigentlich in wahrheit diese ängste versorgen lernen, damit ich mich der wunscherfüllung widmen kann.

      5. nein, aber das liegt wohl am leben an sich. und manchmal habe ich das gefühl, je mehr man drüber nachdenkt umso komplizierter wird es.

  5. Liebe Paleica,
    ein großes Lob, du machst unheimlich tolle, künstlerische Fotos! Und schreibst auch sehr schön. Ich persönlich glaube schon lange, dass Körper und Seele ganz eng zusammenarbeiten und man den Körper oder jegliche „Wehwechen“ holistisch betrachten sollte, nicht die Symptome getrennt behandeln, wie es hier meist der Fall ist. Viele andere Kulturen bzw Heilmethoden, sei es TCM oder Ayurveda, haben das schon erkannt, aber es ist wohl noch ein langer Weg, bis sich diese Denke in Europa durchsetzt..
    Weiterhin alle Gute für deinen Weg!
    Corinna
    http://www.kissenundkarma.de

    1. tausend dank, liebe corinna – fürs lesen und die lieben worte! ich bin auch der meinung, dass es wichtig ist, das ganze bild zu sehen und das durch die immer stärker werdende spezialisierung aber immer weniger passiert. oft hilft es dann auch tatsächlich, einen abstecher in andere lehren zu machen, um auch mal einen anderen blickwinkel auf die sache zu bekommen.

  6. ich ziehe wirklich meinen Hut vor Dir. Diese Offenheit und der Umgang mit solchen sensiblen Themen gelingt Dir auf eine beeindruckende Art und Weise… Sehr mutig und stark. Alle Achtung vor diesem Text und den gesamten 3 Teilen. Ihn vielerlei Hinsicht lesenswert. Und auch ein Stückweit ein Blick in so manche Vergangenheit… Danke Dir für diese Serie über ein tiefgründiges Thema….

    1. danke lieber markus. ich hab es hier eh geschrieben – das war ausnahmsweise wirklich kein schreiben-wollen sondern ein schreiben-müssen und seit ich den text fertig gestellt habe fühle ich mich irgendwie leichter, als wäre etwas abgeschlossen oder so. abgeschlossen ist natürlich immer ein gewisser trugschluss, aber du weißt schon, was ich meine. und es freut mich natürlich, wenn der eine oder andere leser mich auf dieser reise auch begleitet. obwohl es jetzt mal wieder zeit wird, mich wieder mehr anderen themen zuzuwenden 🙂

      1. Oh ja, ich weiß genua was Du meinst. Es gehört auf jeden Fall ne Menge dazu, auf diese Art und weise zu reflektieren und zu verarbeiten.Ich würd gern zwischendurch auch weiterhin solche Beiträge lesen…. Freu mich aber auch wieder auf den nächsten Beitrag der nicht ganz so tief geht, das magische Motto z.B. ;-))

      2. es sind schon einige beiträge in der pipeline, die irgendwo in diese kerbe schlagen. aber nicht ganz so heavy stuff denke ich, davon braucht der episodenfilm glaube ich erstmal eine pause 😉

      3. nächste woche wird die kost mal etwas leichter sein, dann schauen wir, wie es weitergeht 🙂 habe ja schon recht lang im vorhinein geplant, aber je nach stimmung kann es durchaus passieren, dass ich das dann wieder durcheinander schmeiße 😉

  7. Liebe Paleica, es gehört Mut dazu sich in seinem Blog zu outen und die Menschen ins Innerste schauen zu lassen.
    Ich kann mich in deinem Text sehr gut wiederfinden, da ich seit 20 Jahren extrem chronisch Schmerzkrank bin. Ich bin in diesen vielen Jahren viele Wege gegangen und bisher waren 99% erfolglos. Vor 2 Jahren habe ich dann einen Therapeuthen kennen gelernt, der mich wieder an meinen Körper und an meine eigenen Kräfte glauben ließ. Am Ende jedes Gesprächs machten wir eine kleine Hypnose (ganz leicht man kann sich unterhalten dabei) und ihm ist es gelungen, was zu diesem Zeitpunkt selbst Schmerzmedis nicht mehr konnten – mich vom Schmerz erlösen. Dies schaffte er mehrmals im Laufe der Zeit und ich merkte, wie sich durch verschiedene Selbsthypnosetechniken und andere wichtige Übungen ein Kontakt zu meinem Körper herstellen ließ. Plötzlich konnte ich erkennen, und spüren, was vorher nicht möglich war. Der Körper kann über das Unbewusste in der Hypnose Signale senden und wir können diese deuten. So gelang es mir ein ganz anderes Körperbewusstsein zu haben und nicht mehr gegen ihn sondern mit ihm zu arbeiten. Mittlerweile bin ich seit einigen Monaten schmerzfrei – mein Körper hat die Spielregeln aufgestellt und ich halte mich daran. Auch wenn ich heute nicht mehr auf der Überholspur unterwegs bin, ich lebe mein Leben langsamer aber scherzfrei. Ich hoffe, ich konnte Dir hiermit etwas Mut machen – so wie ich dies schon vor vielen Jahren auch gebraucht hätte. LG Marion http://www.blumenfrauen.blogspot.de (dies ist mein gute Laune Blog – die nachdenklicheren gibt es hier : http://kleiner-mutmacher.wix.com/migraene

    1. liebe marion, das ist ja eine geschichte. 20 jahre, wow. aber was für ein glück, dass du jemanden gefunden hast bzw eine therapieform, die dir helfen konnte. an die kräfte des körpers glauben ist denke ich ein ganz großer und wesentlicher punkt und grade eines meiner ganz großen mankos, mit denen ich zu kämpfen habe. das hat mir auch vor eineinhlb jahren schon ein tcm-therapeut gesagt, dass ich meinem körper nicht vertraue und das stimmt. klar, jahrelang macht er mir sozusagen einen strich durch die rechnung. aber ich hoffe, dass sich das nun langsam, schritt für schritt, bessern kann.

      1. Wenn Du darüber nachdenkst, dein Körper kann dich ausknocken – damit er sich erholen kann, weil Du ihn vielleicht überforderst. Wenn er dich so krank machen kann, dann kann er auch das Gegenteil. Dies ist mir irgendwann bewusst geworden. Dann braucht es einfach noch ganz viel Feingefühl für sich selbst … und der Weg wäre evtl. der Richtige. Ein ausschlaggebender Tip der viel ins Rollen brachte war einmal: Ich wollte Urlaub ohne meine Schmerzen machen (dies ging aber definitiv nicht) da sagte jemand zu mir: „mach doch mal Urlaub von Deinen Ansprüchen“. Das habe ich tatsächlich ausprobiert und es fühlte sich super an! Vielleicht kannst Du ja mit meinen Gedankengängen etwas anfangen! LG Marion PS. habe am Migräneblog gearbeitet – vielleicht willst du das neue Kommentarfeld mal testen …. ;-))

      2. meine letzten beiden sitzungen haben sich im grunde genau um dieses problem gedreht. umso deprimierter bin ich, dass ich gerade wieder krank und „ausgeknockt“ zuhause sitze. aber ja, das ist definitiv das hauptproblem. noch sehe ich den weg nicht wirklich, weil alle lösungen, die ich versuche ins rollen zu bringen, momentan noch in sackgassen führen. aber ich gebe nicht auf. es ist ein schritt, einmal etwas auszusprechen, vor sich und vor anderen. zu sagen, dass man weiß, dass es ein problem ist, aber noch nicht, wie man es lösen können wird.

    2. liebe marion, das ist ja eine geschichte. 20 jahre, wow. aber was für ein glück, dass du jemanden gefunden hast bzw eine therapieform, die dir helfen konnte. an die kräfte des körpers glauben ist denke ich ein ganz großer und wesentlicher punkt und grade eines meiner ganz großen mankos, mit denen ich zu kämpfen habe. das hat mir auch vor eineinhlb jahren schon ein tcm-therapeut gesagt, dass ich meinem körper nicht vertraue und das stimmt. klar, jahrelang macht er mir sozusagen einen strich durch die rechnung. aber ich hoffe, dass sich das nun langsam, schritt für schritt, bessern kann.

  8. Liebe Paleica,

    ich kann deinen Prozess so nachvollziehen, wenn man nicht mehr richtig „funktioniert“. Es ist eine extreme Belastung und Druck für einen selbst. Ich habe im Rahmen einer Erkrankung eine ganz schlimme Angstphase gehabt, ich konnte das Haus kaum noch verlassen. Ich habe mich aus der Position selbst herausgeholt, weil ich ein großes Problem mit vielen Therapeuten habe (möchte ich hier nicht genau drauf eingehen). Es ist ganz schwer und die vielen Tipps der Mitmenschen, ich habe diese Tipps gehasst.
    Aus der schlimmen Phase bin ich schon fast 10 Jahre raus, trotzdem weiß ich, dass sie wieder kommen kann. Momentan geht es mir körperlich sehr schlecht und ich spüre die Angst wieder in mir hochkriechen. Ich kenne auch die Angst vor der Angst.
    Ich wünsche dir alles Liebe.

    Herzliche Grüße, Bee

    1. ich kann mir das gut vorstellen, wie sich so eine angst entwickelt. das ist echt fürchterlich. man ist auch fast ein stück weit machtlos dagegen und gleichzeitig der einzige mensch, der helfen kann. tipps von unbeteiligten sind dann tatsächlich oft das letzte, weil sich ja niemand in einen hineinversetzen kann und ich halte es da irgendwo mit kettcar „das gegenteil von gut ist gut gemeint“.

      aber auch wenn sie wiederkommen kann – du weißt, dass du dich daraus auch befreien kannst! ich bin grade dabei, das zu lernen zu versuchen.
      danke für deine lieben wünsche!

  9. Sehr tiefsinnige Worte. Du hast ein Talent das rüberzubringen. Hoffentlich überwiegt bald dauerhaft das Positive. Das ist gut, dass du alles reflektierst, aber versuche zwischendurch auch mal abzuschalten, das bedeutet für mich auch oft einen Moment des Glücks. Ganz liebe Grüße und alles Gute! Xo Vika

    1. vielen herzlichen dank, liebe vika! abschalten zwischendurch gehört zu den dingen, die ich noch ein bisschen lernen muss. ich bin aber dabei, mittel und wege zu finden, das zu tun! alles liebe und ein schönes wochenende an dich!

  10. Liebe Paleica,
    ich weiß, dass du schon einen kleinen Blick auf das helle Ende des Tunnels werfen konntest. Du wirst diese Phase und alles damit verbundene überstehen, dein Leben ordnen, deine Gesundheit herstellen und ein wundervolles Leben haben!
    Viele hier und auch ich glauben an dich!
    Du schaffst das!!

  11. Alles Gute, du wirst deinen ureigenen Weg finden, mit dir umzugehen. Ob es der jetzt eingeschlagene ist oder du noch mehrfach abbiegen wirst, kann dir im Moment noch niemand sagen. Das wird die Zeit zeigen.
    LG, Conny

  12. Liebe Paleica,
    danke für deine Offenheit uns gegenüber ❤
    Wie du bestimmt schon weißt, ist es auch mir so ergangen wie dir. Auch ich arbeite seit langer Zeit an mir und hatte Rückschläge. Aber wenn ich eines daraus gelernt habe: es ist ein Kampf, der zwar lange andauert / andauern kann, aber er lässt uns stärker werden und am Ende kommen wir ans Ziel. Ganz egal, wie viele Rückschläge es braucht, gibt niemals auf und glaube an dich – du wirst es schaffen!!! ❤
    Sinngemäß "fall 7 times, stand up 8". Ich drücke dich ganz fest und ziehe meinen Hut vor dir, dass du so offen über dieses Thema schreiben konntest – oder wie du sagst, musstest.
    Alles Liebe, Karina

    1. ja, ich weiß, darum freue ich mich besonders, dass du hier mitliest und mich auch an deinen gedanken ein wenig teilhaben lässt. ich hoffe es sehr. manchmal ist es wirklich schwer, wenn man glaubt, dass man einen berg erklommen hat und anstatt dass man die nächste spitze in angriff nehmen kann rauscht man erst mal wieder ins tal runter. aufgeben liegt ohnehin nicht in meiner natur. ich denke, ich bin mit den erkenntnissen weit gekommen, jetzt steht der für mich wesentlich schwierigere teil an: veränderungen…

      1. Ich glaube, das haben die Schützen so an sich, dass aufgeben nicht in deren Natur liegt … :o) Wichtig ist einfach, dass wir unseren Weg weiter gehen und eben immer einmal mehr wieder aufstehen, als hinzufallen. Wir schaffen das! ❤

      2. ja, das kann sein – welch ein glück 🙂 ja, da hast du auf jeden fall recht. langsam dürften die stolpersteine dennoch etwas überschaubarer werden, meinem geschmack nach…

  13. Ui ich wusste zwar dass du dich hin und wieder mit Schmerzen rumplagst, aber nicht, dass es so schlimm ist bzw. dein Leben so drastisch beeinflusst. Das tut mir leid zu lesen 😦 Ich kann nur sagen, dass sich Gefühle und Leid nicht an einem „international“ gültigen Maßstab messen lassen können, deswegen solltest du dich ganz und gar nicht schuldig fühlen… Du bist sehr reflektiert, deshalb bin ich überzeugt davon, dass du deine Ängste überwinden wirst!

    1. das hoffe ich sehr meine liebe. ja ich versuche halt schon, es so klein wie möglich zu halten, sowohl für mich als auch für andere, aber es ist schon ein großer teil und ein großer hinkelstein, den ich mit mir herumtrage. ich hab halt leider auch sehr lang immer irgendwie gegen mich und meine bedürfnisse gearbeitet und das fällt mir jetzt einfach auf den kopf. andererseits hoffe ich natürlich, dass es mir für später nützt und ich diese dinge jetzt für mich „regeln“ kann.

  14. Faszinierend wie offen und ehrlich du hier schreibst – Ein Beitrag mit vielen Worten, wunderbaren Formulierungen. Mit Angst und mit Schmerz und doch einfach richtig schön.
    Ich glaube, dass es genau das richtige für dich war, dich diesen drei Beiträgen hinzugehen, denn durch das Niederschreiben der Gefühle und vor allem auch dieser Ängste, wird es einfacher damit zu leben. ❤

    Ich wünsche dir einfach nur das allerbeste für die kommende Zeit. Ich wünsche dir, die Angst zu überwinden oder Teile davon akzeptieren zu können. All das ist ein Teil von dir und wenn du es als Teil von dir wirklich akzeptieren kannst, wird die Straße auch weiter gehen.

    Du bist eine ganz und gar fabelhafte Person und deine Worte hier lesen zu können bedeutet mir ehrlich richtig viel! ❤

    1. dankeschön, danke fürs lesen und mitfühlen, das tut mir wirklich gut und es ist – so seltsam das vielleicht klingt – für mich und meine legitimation, ein problem zu haben, ganz wichtig, dass ich von anderen auch höre, dass das in ordnung ist. vielleicht brauche ich das irgendwann nicht mehr, aber momentan hilft es. es war auf jeden fall wichtig, auch für später, man vergisst erkenntnisse oft leicht und so kann man das wieder rekapitulieren und an diesen punkten ansetzen.

      ich hoffe das sehr. momentan sitze ich grade wieder krank zuhause und bin etwas deprimiert, weil es mich mittlerweile einfach auch psychisch mitnimmt, wenn der körper streikt. es ist mir allerdings fast klar, warum es wieder passiert ist. es ist einfach an der zeit, mit wirkliche lösungsstrategien zurechtzulegen, zu erkennen, dass etwas anders werden muss, wenn es besser werden soll, weil so weitermachen wie früher einfach nicht akzepziert. aber etwas zu ändern ist das schwierigste, vor allem wenn man nicht genau weiß, wo und wie ansetzen. aber ich teste gerade möglichkeiten aus und suche den weg, den ich weitergehen kann.

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