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Blaue Stunde am See oder der Mensch stirbt, wie die Sonne untergeht.

Wenn ich einen Text über den Tod oder das Sterben schreiben will, dann lande ich üblicherweise bei Naturbildern, um die Worte zu untermalen. Ganz besonders zieht es mich allerdings immer wieder zu den Fotos vom Wolfgangsee. Wie auch bei diesem Text Über das Leben und dessen Ende. Ich vermute, dass es daran liegt, dass die Bilder in den Weihnachtsfeiertagen entstehen und ich dort, fernab des Großstadttrubels, jede Menge Zeit und Stille nachzudenken finden kann. Interessanterweise scheint es so, dass Ruhe, Stille und Natur für mich nicht nur unmittelbar mit dem Leben, sondern auch mit dem Tod zusammenhängen. Aber welche Hintergründe auch immer genau in meiner Assoziationskette ablaufen – heute möchte ich wieder einmal versuchen, einen Text über eines der letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft zu schreiben. Ein Thema, das so gerne ausgeklammert wird, weil es nicht zu Glück und Selbstverwirklichung und allen unseren anderen gehypten Werten passt. Ein Thema, das zu wenig Raum bekommt, von dem wir entfremdet sind und das uns vielleicht deswegen oft so große Angst macht und so schwer fällt, weil es nicht mehr vor unseren Augen stattfindet und doch niemand davon verschont bleibt.

Als meine Großmutter starb, war ich 19 Jahre alt. Es klingt vielleicht seltsam, wenn man das über einen 82jährigen, chronisch kranken Menschen sagt, aber ihr Tod kam relativ plötzlich und obwohl ich mich seit ich denken konnte davor gefürchtet hatte, überraschten und überrollten mich Schmerz und Trauer auf eine Art, die ich mir nicht hatte vorstellen können. Ich war einfach noch nicht bereit, sie gehen zu lassen. Aber ich hatte Glück, dass die letzten Worte, die ich zu ihr sagte, als ich sie das letzte mal sah, „ich hab dich lieb“ waren. Ich wusste nicht, dass ich sie nie wiedersehen würde. Es ging verhältnismäßig schnell. Etwas über eine Woche davor war sie noch zuhause, nur die letzten Tage im Krankenhaus, die meiste Zeit davon war sie klar und da. Sie hatte sich lange auf den Abschied vorbereitet und hatte wohl selbst entschieden, dass sie nun beruhigt gehen konnte.

blog_wolfgangsee2016-05Nun, mehr als 10 Jahre später, erlebe ich eine etwas andere und doch ähnliche Situation. Einen sehr alten Menschen, der den Entschluss gefasst hat, dass seine Zeit auf diesem Planeten nun zu Ende sein soll. Wir erlebten sogar den Tag, an dem das passierte. Es war ein Sonntag im Jänner, es war kalt und der Geburtstag ihrer Tochter. Wir wollten Essen gehen, alles sah gut aus. Keine 20 Minuten, bevor wir aufbrechen wollten, kam der Anruf, dass wir doch im Heim bleiben müssten, weil es ihr nicht gut ginge. Als wir kamen, war sie immer noch sie. Schwach, abgemagert, aber der Mensch, den wir kannten.

Wir hievten sie in den Rollstuhl, fuhren mit ihr in die Caféteria, setzten sie auf die Bank. Von Minute zu Minute wurde sie in sich gekehrter. Wir vermuteten, dass sie müde und angestrengt sei. Eine knappe Stunde später schafften wir es kaum noch, sie wieder in den Rollstuhl und danach ins Bett zu verfrachten. Als wir an dem Tag gingen, verschwand auch sie.

blog_wolfgangsee2016-01Montag kam die Nachricht, ihr ginge es sehr schlecht, möglicherweise war es Zeit für den Abschied. Wir kamen alle. Sie war nicht mehr da. Nur mehr ein Körper, eine Hülle. Wir wussten nicht, ob sie uns wahrnahm, als wir kamen schlief sie schon und reagierte nicht mehr. Ihr Gesicht war fahl, ihre Atmung tief und ruhig.

blog_wolfgangsee2016-14Wir verabschiedeten uns und rechneten damit, dass es in der Nacht passierte. Doch die Sonne ging auf und sie atmete noch.

Und so ging die Woche ins Land. Er besuchte sie jeden Tag. Meistens schlief sie, manchmal war sie wach, wenn sie sprach, wenn sie sprechen konnte, war sie verwirrt, sichtlich entrückt, anderswo. Wenn sie klar war, konnte sie nicht sprechen. Aber sie schien zu verstehen, sie nickte und schüttelte den Kopf, ganz klein und leise. Er streichelte ihren Arm. Irgendwann in dieser Woche wachte sie auf, kam zu sich und begriff ihre Situation. Der Schmerz überrollte sie. Dann verschwand sie wieder in einen Zustand zwischen den Welten.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist.“, flüsterte sie irgendwann dazwischen.

Jemanden beim Sterben zu begleiten, ist schwer. Es braucht Kraft, es tut weh, auch wenn man selbst nur ein Angehöriger der Angehörigen. Es berührt tief und beschränkt das Leben für den Moment auf das Wesentliche. Man möchte dem Menschen helfen, es leichter machen und doch kann man nichts tun als da zu sein, beruhigende Worte zu sprechen, und zu warten, bis der Mensch bereit ist, loszulassen. Wie und wann er geht, ist immer noch seine ureigenste Entscheidung.

Wie man als Begleitender damit umgehen kann, wie man am besten unterstützen kann, kann man immer nur individuell für sich selbst herausfinden. Manchmal hilft es, sich darauf vorzubereiten, welche Phasen und Stadien auf einen zukommen, denn der Sterbeprozess zeichnet sich körperlich durch relativ eindeutige Symptome ab. Es kann helfen, sich zu informieren, wie man auf wache Verwirrtheitsphasen reagieren kann und was wichtig im Gespräch mit dem Sterbenden ist. Vor allem aber sollte man keine Angst haben, auf seinen Instinkt hören und einfach da sein.

66 comments on “Blaue Stunde am See oder der Mensch stirbt, wie die Sonne untergeht.

  1. Hallo,
    tolle Bilder zu tollen Worten, ja wir haben das hier auch durchgemacht und diese Phase wo es dann auf einmal wieder geht und eigentlich bei einem die Hoffnung wieder keimt alles wird wieder gut, um dann irgendwie plötzlich aus allem herausgerissen zu werden, weil die Person dann nicht mehr da ist.
    Es ist schwer auch wenn man ein wenig vorbereitet ist, doch man erkennt in diesen Situationen auch manchmal seine eigene Stärke.
    Gruss
    Andreas

    • lieber andreas, danke für deinen kommentar und deine worte. diese phase, in der der mensch noch einmal zurückkommt, scheint tatsächlich zum prozess des sterbens zu gehören. das ist schon irgendwie unheimlich.
      und ja, schwer ist es wohl immer… aber man muss ohnehin lernen, damit umzugehen…

  2. Tolle serie zu den thema meine favoriten sind letzten drei.

  3. Ein wichtiges Thema gefühlvoll vorgetragen…
    Sehr feine Stille beinhaltende Bilder vom See…
    Liebe Morgengrüße vom Lu

  4. Liebe Paleica, ich kann das gerade nicht lesen, entschuldige, aber ich möchte Dir sagen, dass die Fotos wunderschön sind. Alles Liebe

    • liebe wolkenbeobachterin, das ist total in ordnung. solltest du irgendwann doch lesen wollen, dann ist der text da. aber ich kann gut verstehen, dass man sowas manchmal nicht aushält. alles liebe von mir.

  5. Dein gefühlvoller Text berührt ich sehr und deine stillen Bilder sprechen genau diese Sprache.

    • vielen dank liebe patricia. manchmal ist es einfach so, dass sich bild und text ganz selbstverständlich fügen. es ist schön, wenn das auch andere so wahrnehmen.

  6. Du hast wieder einmal wunderbare Worte gefunden. ❤
    Viel Kraft für alles was noch kommt.

    • danke liebste heldin ❤ in dem fall bin ich ja glücklicherweise zumindest von der trauer nur indirekt betroffen, trotzdem war es auch für mich eine intensive zeit…

  7. Tolle Bilder, die sowohl die Erstarrung nach dem Tod eines geliebten Menschen symbolisieren als auch die Hoffnung, dass es wieder licht wird im Inneren…
    Als meine Mutter starb, konnten wir uns lange darauf vorbereiten – aber das Schlimmste oder vielleicht auch Beruhigendste war, dass, als sie gegangen war, der Körper innerhalb weniger Stunden zu einer bloßen leeren Hülle, einem Kokon, wurde. Da war absolut nichts mehr von ihr, die Seele war weg. Sie hatten den müden Körper einfach abgestreift.

    Bei uns macht man deshalb immer das Fenster auf, wenn jemand eben gestorben ist – damit die Seele wegfliegen kann.

    • es ist sehr schön, dass nicht nur ich diese symbolik nachempfinden kann.
      ich habe das, was du beschreibst, ganz genauso erlebt. nach dem letzten atemzug ist der mensch, das, was ihn ausgemacht hat, nicht mehr da – schon in den letzten stunden erkennt man ihn kaum noch, finde ich. das ist schon irgendwie unheimlich. die tradition mit dem fenster ist ein schöner gedanke.

  8. Liebe Paleica,,
    dieses Thema ist mir gerade sehr sehr nah. Wie du ja gelesen hast, habe ich einen liebsten Menschen verloren. Viel zu früh, viel zu jung. Viel zu viel gelitten unter dieser verfxxxxten Krankheit Krebs. (Du findest meine Gefühle dazu hier: http://alleaugenblicke.de/dinge/)
    EIn großes Thema… und ja tabu in unserer Gesellschaftt, die sich doch gerne und viel über Gesundheit, Wohlstand uns Selbstverwirklichung definiert.
    Du hast schöne Worte gefunden…. für ein Thema, welches uns nicht so einfach über die Lippen geht.

    Danke
    Werner

    • hallo werner – ja, ich habe gelesen, dass dich dieses thema auch persönlich betroffen hat – vermutlich noch deutlich stärker als mich. ich habe auch letzte woche festgestellt, dass tod so viele facetten hat. eines eint sie alle: traurig ist es immer. aber es ist zumindest nicht immer tragisch – so wie in unserem fall. es ist das leben, es gehört dazu. anders ist es aber, wenn jemand mitten aus dem leben gerissen wird, wenn ihm die entscheidung nicht selbst überlassen wird, wann der richtige zeitpunkt ist, zu gehen.

      Ich denke aber wirklich, dass da schlimmste am Tod die Distanz zum Leben ist, die Tabuisierung. Ich glaube, ein weniger steriler Umgang würde uns helfen. Auch unseres Umfelds. Ich erlebe immer wieder, wie wenig Verständnis da ist für Menschen, die jemanden verloren haben. Wie schnell erwartet wird, dass man zum Alltag übergeht. Es gibt im täglichen Leben kaum Platz für Trauer und Trauerbewältigung, weil Tod wohl eben etwas ist, das nicht vor den Augen der Lebenden stattfinden soll…

  9. Deshalb müssen wir im Hier und Jetzt leben, den Moment geniessen und auf Konventionen pfeifen.
    Wenn wir heute das Leben durch beide Nasenlöcher eingeatmet und alles erlebt haben, fällt uns später das Loslassen leichter.
    Und wer weiß, vielleicht ist der Tod ja nicht das Ende von allem sondern der Beginn von etwas noch aufregenderem.

    • ja, uns als sterbenden dann auf jeden fall. aber für die trauer als angehöriger ist es dann wieder was anderes…
      und ob es der beginn von was neuem ist? ich weiß es nicht. wir sollten besser nicht so leben, dass wir uns darauf verlassen ^.^

      • Na mit DER Einstellung kann das ja nix werden! 😀

        Deine Oma ist jetzt ein Teil von allem.
        Wenn dich ein Sonnenstrahl auf der Nase kitzelt, ist´s deine Oma, der Wind der dir im Cabrio die Haare zerzaust ist deine Oma und der Regenbogen am Himmel ist auch deine Oma.
        Da gibt´s keinen Grund zu trauern Ist doch toll.

        • ach dirk, als atheist hat man es schwer mit solchen ideen.

          • Ach quatsch, ich bin ja auch sowas von atheistisch.
            Ich bin nicht mal spirituell.
            Das ist eher Quantenphysik.
            Es gibt so viele Dinge, die wir heute noch nicht ahnen. Erklär`mir zum Beispiel mal die Verbundenheit von Zwillingen selbst über Kontinente hinweg. Aber das ist dann wohl eher ein Thema für den Steg… 😉

            • das ist energie innerhalb der erde, das ist was anderes 😉
              nein, ich weiß schon was du meinst. und ja, das ließe sich sicherlich am steg besser diskutieren ^.^

  10. Wow! Das geht tief rein, toller Beitrag, auch wenn der Inhalt natürlich traurig ist, Du schaffst es einmal mehr einem tiefen Text / Thema noch mehr Tiefgang zu verschaffen… Die Bilder unstreichen eine ganze Menge! Wirklich gefühlvoll gewählt. Die und Euch ganz viel Kraft!!!

  11. Dieser gefühlvolle Beitrag geht unter die Haut, der Tod und das Leben liegen nahe beieinander! Es ist für den Sterbenden mitunter so schwer loszulassen, habe meinen Vater auch beim Sterben begleitet. Er wollte nicht von dieser Welt gehen, doch der Körper war zu schwach.
    Die Fotos sind wunderschön, liebe diese Blautöne sehr! Liebe Grüße Eva

    • liebe eva, das spielt glaube ich beim sterben eine große rolle. auch ihr ist es letztlich schwergefallen zu gehen, obwohl es gewissermaßen ihr wunsch war. man ist auch in so einer situation immer mit der frage konfrontiert: wie wird es wohl mir eines tages gehen?

  12. Das war sehr ergreifend… Den Beitrag habe ich regelrecht verschlungen! In der Tat, sowas liest man nicht sehr oft und deshalb bin ich froh dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast!

    • danke fürs lesen liebe julia ❤ ich finde es einfach wichtig, dieses thema aus der tabu-ecke zu holen. unser "steriler" umgang damit macht es nämlich noch um einiges schwerer. den tod aus den augen der lebenden zu schaffen, hat nicht nur positive effekte, glaube ich.

  13. Liebe Paleica, toller Vergleich, so ist das Leben, wünsche eine gute Woche ohne Stress und Sorgen

  14. Liebe Paleica,
    Deine Fotos zeigen viel stimmungsvolle Natur und unterstreichen die Bedeutung der Worte „einfach da sein“ obwohl gerade das wirklich nicht einfach ist.
    Hab einen guten Wochenstart
    und liebe Grüße
    moni

  15. Liebe Paleica, das ist sehr berührend. Für mich ist der Tod kein Tabuthema, aber ich habe große Schwierigkeiten mich damit auseinanderzusetzen, ganz besonders wenn es die Familie betrifft. Meine Großmuttr starb als ich 40 war und es hat mich unglaublich traurig gemacht, obwohl sie schon lange krank war, auch mit 95 Jahren ist es nicht leicht Abschied zu nehmen. Das hatte ich mir anders vorgestellt, ich dachte da siegt der Kopf :/

    Menschen, die in Hospizen arbeiten oder Sterbebegleiter sind, denen gilt mein höchster Respekt, ich könnte es überhaupt nicht. Mich nimmt der Tod sehr mit, auch bei Haustieren.

    • danke liebe bee fürs lesen und für deine worte. mir geht es auch so, dass die auseinandersetzung damit für mich sehr schwer ist. ich hatte früher auch gedacht, dass es in ordnung ist, wenn jemand sozusagen „alt genug“ ist und sein leben gelebt hat. Ich gebe mir auch große Mühe es für denjenigen so zu sehen – als Angehöriger ist es dennoch was anderes, denn der Verlust eines geliebten Menschen reißt einfach ein Loch ins Leben und dieses Loch bleibt auch für immer.
      So geht es mir übrigens auch. Die Pflegerinnen im Heim waren so unglaublich herzlich und lieb und nett, sowohl zu den Bewohnern als auch zu den Angehörigen. So etwas hab ich noch nicht oft gesehen und steht ganz im Gegensatz zu dem, was man oft liest. Als ich die Stationsschwester geholt habe, kurz nachdem sie aufgehört hat zu atmen, meinte sie „sie hat es jetzt endlich geschafft“. Das ist ein ganz anderer Zugang dazu. Das hat mir zu Denken gegeben.

  16. Wunderbare Fotoarbeiten leise und eindrucksvoll.-

  17. Unglaublich berührende Worte… die Bilder dazu perfekt passend. Mir fehlen da einfach die Worte. Vielen Dank dafür!

  18. Liebe Paleica,
    herzlichen Dank für diesen Beitrag und mein aufrichtiges Beileid. Deine Worte haben mich sehr ergriffen und berührt.

  19. Du hast Worte gefunden, wo viele verstummen. Sehr berührend und sehr nah.

    • dankeschön. es ist mir wirklich ein herzensanliegen, über dieses thema zu sprechen. Grade das Schweigen und das Verdrängen tragen dazu bei, dass es noch schwieriger wird.

  20. Liebe Paleica, ich finde es, auch wenn es sich seltsam anhören mag, wirklich schön, dass Du Dich diesem Thema gewidmet hast. Du hast wunderbare Worte gefunden.
    Tod und Sterben hat uns über den Jahreswechsel auch begleitet – und derzeit befürchte ich sehr, dass er uns relativ bald auch wieder begleiten wird. Es war für mich sehr sehr lange auch ein Tabuthema, zumal ich damit in jungen Jahren nicht wirklich konfrontiert wurde. Das änderte sich mit dem Tod meines Vaters vor mittlerweile ganzen 8 Jahren. Das war eine sehr lehrreiche Zeit. Es ist sehr gesund, sich immer mal wieder mit dem Tod auseinanderzusetzen, finde ich. Texte wie Deine – mit diesen wunderschönen Bildern – helfen dabei :-*

    • ich danke dir liebe melanie. ich denke auch, dass es wichtig ist und so zynisch das klingen mag, der tod hat nicht immer nur eine schlechte seite. nur für die hinterbliebenen ist das einfach schwer zu empfinden. ich denke, dass es für menschen gesünder wäre, wenn dieses thema mehr Platz im Leben hätte.
      Ich hoffe, dass ihr den Verlust und den Abschied gut verarbeiten könnt und dass es für die betroffene Person in Ordnung ist zu gehen. Das ist für mich eines der wichtigsten Dinge in der Trauerbewältigung. Es ist sonst schwer, etwas dazu zu sagen. Herzliches Beileid ist so eine Floskel, die nicht gut ausdrückt, was ich damit sagen will. Aber ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

      • Na klar, Worte sind in solchen Fällen richtig hohl, aber das ist eben so. Ich weiß auch nicht so recht, ob der Fall wirklich in nächster Zeit eintreten wird, aber manche Veränderungen lassen zumindest die Sorge zu. Aber, es ist okay und das gibt sehr viel Frieden. Der Tod ist der vielleicht vitalste Teil des Lebens. Es gibt ja einige Theorien, die davon ausgehen, dass es uns verhältnismäßig schlecht geht (also psychisch, subjektiv), eben weil wir den Tod ausklammern. Ich hoffe, Du und Deine Lieben kommen gut durch die Zeit. Alles Liebe!

        • ja, das sind sie sowieso. aber grade diese „beileidsfloskel“ finde ich eben besonders schlimm.
          und das kann ich mir gut vorstellen. den tod aus dem leben zu verbannen kann nicht gesund sein, weil er nunmal ein unvermeidbarer bestandteil des lebens IST. und dass verdrängung nicht gesund ist, ist ja ohnehin kein geheimnis.
          danke meine liebe. wie gesagt, ich bin zum glück nicht ganz so persönlich betroffen und die betroffenen gehen damit erstaunlich gut um. es sieht aus, als hätten sie diese abschiedsphase wirklich gut genützt…

  21. Also zunächst einmal finde ich diese Fotos farblich wieder sehr hübsch und mag vor allem die ersten beiden total gern (also Header-Foto mit eingeschlossen!).
    Zu deinem Text kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich diese Situation noch nicht selbst erlebt habe. Denn ich stelle mir das wirklich sehr schwer vor… natürlich für den direkten Angehörigen sowieso, aber auch für denjenigen, der dieser Person nahe steht. Ich wüsste wohl gar nicht wie ich reagieren und wirklich helfen könnte… Das ist sicher für alle gar keine einfache Zeit!

    Wir haben hier das Glück, dass wir doch hoch genug liegen, um nicht im ewigen Nebel zu versinken. Bei uns war es also auch sehr kalt und verschneit, aber wenigstens sonnig! Das macht schon echt viel aus.

    • dankeschön! ich finde die sonnenuntergangsseefotos immer wieder schön und irgendwie wollte ich ihnen auch eine gewisse bedeutung geben. auch wenn ich als ich sie gemacht habe nicht dran gedacht hätte, dass sie diese bedeutung bekommen…

      ich glaub dir gern, dass du froh bist, dass dir das noch nciht passiert ist. obwohl ich sagen muss, dass verschiedene menschen sehr unterschiedlich mit diesen abschieden umgehen und die meisten es auch besser können als ich. allerdings habe ich grade in der letzten zeit acuh blogs gefunden, die darüber schreiben, dass sie mit dem verlust mehr zu kämpfen haben und es beruhigt mich, dass ich wohl nicht ganz alleine damit bin.
      ich glaube, es ist schwieriger, je weniger man mit den betroffenen um einen herum darüber reden kann. offen reden ist das wichtigste – und für mich mitunter auch oft das schwierigste.

  22. mich hat das so sehr an den Tod meiner Großmutter erinnert. Ende Januar vor zwei Jahren ist sie verstorben. Auch sie rückte immer weiter weg. Auch bei ihr glaubten wir einmal: Diese Nacht geht sie – doch sie blieb noch ein paar Tage.
    Man weiß nicht, was man tun soll. Einerseits möchte man es beschleunigen, damit es kurz und schmerzlos vorüber geht und man bei diesem unaufhaltsamen Verfall nicht noch länger zusehen muss. Und gleichzeitig hat man Angst davor, dass es vorübergeht. Denn dann ist es vorbei.

    Ich finde es übrigens nur sehr normal, dass man gerade bei Stille und in der Natur auch über das das Thema der (eigenen) Vergänglichkeit nachdenkt. Das ist wohl auch der Grund,w arum so viele Menschen Stille nicht ertragen. Das, worüber man sonst nachdenkt, kommt dann ins Bewusstsein. Zur Wertschätzung des Lebens gehört, dass man um seine eigene Vergänglichkeit weiß. Ich musste dabei an „Veronika beschließt zu sterben“ denken. Der Wille zu leben kommt, wenn man weiß, dass man sterben muss.

    • was ich so gelesen habe, dürfte das in diesen todesfällen wirklich oft so ablaufen und eben ein gewisser körperlich/geistiger prozess sein…
      und das, was du schreibst, kenne cih nur zu gut. es ist fürchterlich, mitanzusehen, wie der mensch immer weiter entschwindet, nicht mehr alleine seinen körper versorgen kann und gleichzeitig will das ego den menschen da halten.

      mit der stille hast du bestimmt recht. ich habe da ja gar kein problem damit, ich merke sogar, dass es mir psychisch ganz und gar nicht gut tut, wenn die stille keinen platz in meinem leben hat.
      das buch habe ich schon seit einer gefühlten million jahre auf meiner gedanklichen leseliste aber bisher habe ich mich noch nie dafür entschieden. vielleicht sollte ichd as demnächst tun…

  23. sehr berührende worte, die du da mit uns geteilt hast. ich finde es persönlich sehr schwer, über so etwas öffentlich zu schreiben, aber der tod gehört nun einmal zum leben dazu und ein tabu daraus zu machen wäre furchtbar schade! danke für deinen beitrag!

    • dankeschön. mir geht es manchmal so, dass ich gar nicht anders kann, als darüber zu schreiben. es ist wichtig für mich und tut mir gut. und ich glaube, es würde helfen, wenn die menschen mehr darüber sprechen würde. dann würde man sich im falle dass man betroffen ist, nicht so alleine fühlen.

      • da stimm ich dir zu! reden und kein tabu draus machen würd echt vielen beim verarbeiten helfen – nicht nur beim thema tod sondern bei ganz anderen themen auch!

        • oh ja, da hast du recht. aber leider lernt man doch meistens, „sich zusammenzureißen“ und anderen gegenüber bloß nicht allzu viel emotion zu zeigen…

  24. Tolle melancholische Verschmelzung zwischen den Bild und Text. Der Tod, speziell der eigene, ist sicher eines der meist verdrängten Themen unserer Zeit.
    Danke das du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast.

  25. Das hast du wunderschön geschrieben. Ja, eine berührende Phase, die uns mal andere Perspektiven vermittelt, als unserer ewiger Alltag. Dann macht man sich wieder Gedanken um das Leben und den Sinn… Ich habe das auch erlebt, bei meinem Vater, und dann war es eine unglaublich Erleichterung gepaart auch mit Freude, das war ganz eigenartig. Alles Gute und liebe Grüße von Caro

    • hallo caro, danke für deinen besuch, fürs lesen und fürs kommentieren! ich freue mich sehr für dich, dass diese erfahrung so verhältnismäßig positiv war. das ist glaube ich sehr wichtig in all diesem ganzen prozess…

  26. Deine Fotos sind toll aber noch besser ist dein Text. Ich finde es sehr gut, das du alles nieder geschrieben hast, es hilft bei der Trauerbewältigung ungemein, wenn man jemanden hat, dem man alles erzählen kann oder wenn man es in seinem Blog thematisiert. Danke dafür. Ich schaue gerne wieder bei dir vorbei.
    Liebe stille grüße Papatya

    • hallo papatya, erst einmal: schön, dass du deinen weg hierher gefunden hast und danke für deine worte. ich freue mich sehr, wenn du wieder kommst. danke fürs lesen. es ist für mich wichtig zu schreiben und mich auszutauschen.

  27. Erst einmal richte ich Dir mein tiefstes Beileid aus, meine Liebe.

    Dein Text ist so unglaublich schön und gefühlvoll geschrieben, er ließ mich an meine Verluste denken und ich stimme vor allem Deinem letzten Satz zu “ Vor allem aber sollte man keine Angst haben, auf seinen Instinkt hören und einfach da sein.“ Nichts ist wichtiger, als da zu sein. Danke :*

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