Ich funktioniere, also bin ich. Ich funktioniere nicht, also habe ich kein Recht zu sein.

Vor meinem 29. Geburtstag nahm ich an einer Blogparade teil, in der es um das dritte Lebensjahrzehnt ging. Wie man es wahrnimmt, wie man es empfindet, wie es einem damit geht – je nachdem, wo man grade steht und in welcher Phase man sich grade befindet. Ich kann dem Text auch heute noch Vieles abgewinnen, obwohl sich in den letzten 2,5 Jahren eine Menge verändert hat (kaum zu glauben, dass diese Worte nun schon wieder so weit zurückliegen). Wie stehe ich also zur „großen 3“ wie ich sie für mich genannt habe, etwas über ein Jahr nachdem ich begonnen hatte, sie mit mir herumzutragen?

Der August geht dem Ende zu und wenn der August vorbei ist, dann ist es auch der Sommer – ganz offiziell. Denn auch wenn der Kalender etwas anderes sagt, ab September fühlt sich die Welt nach Herbst an und das Jahr geht irgendwie in seinen Endspurt. Und ich kann es wieder einmal kaum glauben. Wie ist das möglich, dass dieses 2017 nun schon in so großen Stücken hinter uns liegt? Ich weiß es nicht – es war doch gerade noch Frühling, die Bäume waren kahl, die Luft kalt und in der Luft war noch der herbe Geruch des Winters zu erfühlen. In Prag fror ich noch in der Winterjacke und auf einmal tauschte ich sie gegen Bikini in Kroatien, wir sagten ja, kletterten auf Berge, tauchten in den See und nun stehen wir da: am Ende des Sommers.

1993 war ich 6 Jahre alt. Ich erinnere mich nicht als wäre es gestern gewesen, aber ich erinnere mich doch noch relativ klar an diesen Moment. Ich stand im Vorzimmer der Wohnung meiner Großeltern und hatte das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Ich sehe mich dort stehen, zwischen Kommode und Türrahmen des Kinderzimmers, meine Oma vor mir, hinter ihr der Spiegel mit dem blinden Fleck in der rechten oberen Hälfte.