Ein verhexter Start ins neue Jahr

Meine lieben Leser.

Ich melde mich nun langsam zurück aus einer relativ langen Blogpause. Wie immer ist über Weihnachten wenig Zeit, am PC zu sitzen und das digitale Leben zu betreuen. Das ist auch irgendwo ganz gut so, denn ein bisschen Abstand und Pause schadet oft nicht, grade, weil man vor dem Ende des Jahres immer noch soviel unterbringen und reinquetschen will. Es ist gut, sich Zeit zu nehmen um durchzuschnaufen, ein bisschen digitale Entgiftung zu betreiben und sich die Freiheit zu nehmen, nicht rund um die Uhr erreichbar zu sein, einfach mal abzuschalten und etwas liegen zu lassen.

Diese Phase sollte bei mir geplanterweise ohnehin etwas länger dauern als sonst, da wir unsere „Zwangsurlaubstage“ nicht so verpuffen lassen wollten und uns im September entschieden hatten, einen Bucketlist-Punkt (oder eigentlich zwei) über diese Zeit abzuhaken. Das ist uns auch gelungen – die Kosten dafür waren allerdings ganz schön hoch.

So sitze ich nun mit einer Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündung und einem ziemlichen Medikamentencocktail daheim und hoffe, dass mein beim Fliegen geplatztes Trommelfell in den nächsten Wochen wieder verheilt und ich am Ende wieder normal höre und alles funktioniert wie es soll.

So habe ich mir – wie ihr euch vorstellen könnt – den Start ins neue Jahr nicht vorgestellt.

In meinem Kopf drehen sich gerade unheimlich viele Gedanken. Der Abstand zum Schreiben und Bloggen war wichtig, allerdings herrscht nun ziemliches Chaos, das irgendwie wieder geordnet werden will und muss. So viele Eindrücke, Gefühle und Erlebnisse. Was davon soll ich euch erzählen? Und wie? Gedankensplitter, erzählende Texte, metaphorische Essays? Keine Ahnung – ich beginne nun erstmal und sehe dann schon, wohin es führt.

2015 endete für mich irgendwie abrupt. Durch einige Begebnisse bis zum November letzten Jahres stand ich extrem unter Strom. Als diese dann erledigt waren, kam der erste große Breakdown und November und Dezember verbrachte ich weitgehend in einem Pausemodus, Advent und Vorweihnachtszeit zogen relativ unbemerkt an mir vorbei. Kurz vor Weihnachten schien das meiste wieder einigermaßen auf Schiene zu laufen, sodass der alljährliche Weihnachtsurlaub nicht gefährdet war und alles gut aussah, dass wir die Irlandreise auch wie geplant antreten konnten.

Weihnachten war vorbei noch bevor es richtig für mich angefangen hatte. Gleich darauf waren auch die Koffer erneut gepackt und wir saßen im Flugzeug nach Dublin. Doch die Stadt meinte es nicht gar so gut mit uns. Wir bekamen einiges von den Ausläufern von Storm Frank zu spüren, über die Feiertage waren viele interessante Spots geschlossen und andere überfüllt. Weiters wussten wir nicht, ob wir den kleinen Roadtrip in den Norden überhaupt starten konnten, weil Überschwemmungen der Straßen und starke Stürme vorhergesagt wurden.

Letztendlich hatten wir jedoch Glück. Alles flaute soweit ab, dass unsere Reiseroute leicht abgeändert doch möglich war und wir sowohl Belfast, als auch den Giant’s Causeway und die Dark Hedges – die Highlights und Gründe für unsere Reise – besuchen konnten.

Am vorletzten Tag wachte ich mit Schmerzen am Hals auf. Das ganze entwickelte sich dann zu dem, was ich eingangs schon beschrieben habe. Ein sehr fragwürdiger Arzt bescheinigte mir allerdings Flugfähigkeit, die sich als falsch herausstellte. Bei der Zwischenlandung in Köln hörte ich nichts mehr und mein Ohr war voller Blut. Der Flughafenarzt war eine Stunde zuvor nachhause gegangen, also fuhren wir – nachdem wir unser Gepäck aus dem Anschlussflieger holen ließen und in ein Hotel gebracht hatten – erstmal in eine Notfallambulanz ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort wurde ich weitergeschickt auf die HNO der Uniklinik, die mir die Diagnose bestätigten.

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Glück im Unglück hatten wir mit dem Standort Köln, da die Heimreise mit dem Zug von dort wenigstens möglich war.

Zuhause angekommen, nach einer weiteren eher nicht so prickelnden Aussicht beim hiesigen HNO telefonierte ich mit meiner ehemaligen Vorgesetzten, die mir eine sehr traurige Vermutung bestätigte, die mir nun ganz schön in den Knochen sitzt.

Wieso schreibe ich all das hier? Und was in aller Welt hat dieser ziemlich düstere Text mit den fröhlichfreundlichwinterlichen Strandbildern zu tun? Nun. Ich weiß noch nicht, mit welchem Gefühl ich in einigen Monaten oder noch später auf diese Reise zurückblicken werde – das hängt wohl mitunter auch davon ab, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden. Einen Moment gab es jedenfalls, der in mir wieder etwas verändert hat. Einen Schalter umgelegt. Denn die letzten Wochen des letzten Jahres waren düster. Diese Düsternis begegnet mir immer wieder, oft am Ende des Jahres, nicht immer, manchmal dazwischen, manchmal leicht, manchmal schwer. Dieses Mal hat sie sich besondere Mühe gegeben mich zu umfangen und einzulullen und fast wäre es ihr gelungen. Bis an diesem einen Nachmittag, am Strand in Sandymount. Denn dort schlug mein verkapptes Kinderherz beim Anblick tausender Muscheln höher. Begeistert suchte ich die hübschesten aus, um Freunden und Familie ein kleines Andenken mitzubringen. Bis ich über etwas stolperte.

Eine zertretene und zerbrochene Muschel. Ein Herz.

Ein Bild, das mich daran erinnert hat, dass jedes Ding zwei Seiten hat und Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Das mir wieder gezeigt hat, dass die Wahrnehmung des Lebens in mir selbst wurzelt.

Mein Herz ist der Pinsel, der die Szenerien des Lebens coloriert.

Das Leben ist kurz. Nicht immer fair, nicht immer lustig, nicht immer schön. Aber wir haben nur das eine. Wir sollten alles dafür geben, es mit soviel Liebe und Freude zu füllen, wie wir nur finden können. Lasst uns die Herzen sehen und nicht die zerbrochenen, toten Muscheln.


 

Für Claudia.