Fotostopps durch Portugal: Ponte Dom Luís I bei Nacht & How to: Nachtaufnahme/Langzeitbelichtung

Eine kurze Pause mit den den intensiven emotionalen Themen (Spoiler: nächste Woche geht es weiter!). Diesmal aber ein bisschen Fototechnik.

Seit einer gefühlten Ewigkeit gab es hier keine Nachtstadtaufnahmen mehr. Wobei, die Silvesterbilder von 2016/17 fallen in die Kategorie, sind aber doch irgendwie was ganz anderes. Wie auch immer, ich liebe es, Städte bei Nacht und beleuchtete Bauwerke zu fotografieren. Wenn dann noch Wasser drumherum ist, macht mein Herz einen Hüpfer.Damit war klar: wenn wir in Portugal sind, dann ist es fast ein Muss, einen Abstecher nach Porto zu machen – in die zweitgrößte und namensgebende Stadt des Landes, von der ich euch in früheren Beiträgen schon Fotos bei Tag gezeigt habe. Einer der ausschlaggebenden Gründe, die Stadt im Norden Portugals in unseren Roadtrip zu integrieren, war die Brücke Dom Luís I. Der Architekt der Brücke hatte einige Jahre bevor diese Brücke gebaut wurde, mehrere hundert Meter weiter flussaufwärts gemeinsam mit Gustave Eiffel eine andere Brücke über den Duoro gebaut. Die Ponte Dom Luìs I ist praktisch ein identisches Ebenbild, allerdings mit hübsch beleuchteter Stadt im Hintergrund – im typischen Eiffel-Design.

How to: Langzeitbelichtung

Da ich leidenschaftlich gerne mit Langzeitbelichtungen spiele, aber mich noch gut erinnere, dass es anfangs recht lange gedauert hat, bis ich einmal grundlegend den Dreh raus hatte, worauf man achten muss, dachte ich, ich schreibe einen kleinen Mini-Guide über die wichtigsten Dinge, die für gelungene Langzeitbelichtungen (aus technischer Sicht. Aus fotografischer Sicht ist das ja wiederum Geschmackssacke) notwendig sind.

Praktischerweise habe ich nämlich während meinem London-Aufenthalt Bilder desselben Motivs mit unterschiedlichen Einstellungen gemacht und kann diese gut benutzen, um euch den Unterschied zu zeigen:

In beiden Galerien seht ihr links das „kurz“ belichtete Bild aus einer Freihandaufnahme und rechts das lang belichtete Bild. Für die Helligkeit wäre die Langzeitbelichtung hier also nicht unbedingt notwendig (im Gegensatz zu dünkleren Motiven). Allerdings glättet sich das Wasser – einer meiner liebsten Effekte bei Langzeitbelichtungen.

Grundsätzlich führen natürlich viele Wege nach Rom, hier beschreibe ich die wichtigsten Punkte, auf die ich achte, damit Langzeitbelichtungen gelingen, ohne in einem absurden Aufwand zu enden. Dafür braucht ihr:

  • Eine Kamera mit manuellem Modus, in dem ihr Blende, Belichtungszeit und ISO einstellt
  • Ein Stativ
  • Einen Fernauslöser oder Selbstauslöser
  • Einen ausgeschalteten Bildstabilisator

Einstellungen an der Kamera

Zuerst stellt ihr das Stativ auf, wie ihr es braucht und schraubt die Kamera dran (eh logisch). Dann überlegt ihr euch, was ihr gerne mit dem Bild erreichen wollt. Man erkennt bei den EXIFs ganz klar die Unterschiede: während ich in den Motiven links die Blende (f) möglichst weit geöffnet habe, um soviel Licht wie möglich auf den Sensor zu bekommen, habe ich diese aufgrund der langen Belichtungszeiten in den Bildern rechts geschlossen, da in einer Großstadt wie London die Bilder sonst schnell überstrahlen, bevor das Wasser noch Gelegenheit hat, weich zu werden. Möglich ist natürlich auch, einen Graufilter (ND-Filter) zu verwenden, allerdings finde ich persönlich, dass das in der Nacht nicht notwendig oder auch hinderlich ist.

Achtung! Bildstabilisator:

Der heiß- und vielgeliebte Bildstabilisator ist bei Aufnahmen mit dem Stativ, die lange belichtet werden, unter Umständen ein Hemmschuh. Da der Bildstabilisator mit Bewegungen rechnet, stabilisert er, wo es nichts zu stabilisieren gibt und verwackelt so das Bild. Bei langzeitbelichteten Nachtaufnahmen daher sicherheitshalber ausschalten.

(Nicht vergessen, ihn danach wieder einzuschalten!)

Achtung! Auslösen:

Durch das Drücken des Auslöseknopfes kann die Kamera auch auf dem Stativ wackeln. Daher unbedingt den Selbstauslöser wählen. Drücken, warten, Kamera löst selbst aus – kein manueller Eingriff. Manche verwenden bei DSLR auch Spiegelvorauslösung. Mache ich persönlich nicht, kann aber ebenfalls helfen.

Was bringt mir die Langzeitbelichtung?

Auch das erkennt man an den Motiven relativ deutlich: während die kurz belichteten Freihandaufnahmen ebenfalls scharf geworden sind und sich die Belichtung der Gebäude in beiden Bildern ähnelt, gibt es zwei gravierende Unterschiede: der vordergründigste: die Art und Weise, wie das Wasser abgebildet wird. Die lange Belichtungszeit „glättet“ das Wasser, verdeutlicht Spiegelungen und macht das Bild im gesamten ruhiger, während man auf den Freihandaufnahmen deutlich den Wellengang der Themse erkennt.

Ein zweiter Effekt, den ich persönlich sehr gerne mag, sind die Lichtsterne. Während auf Freihandnachtaufnahmen mit großer Blende Lichter üblicherweise nur helle (weiße) Flecken sind, werden in der langen Belichtung durch die kleine Blende Sterne daraus. Je nachdem, wie euer Motiv gestaltet wird, fällt das mehr oder weniger auf, wirkt aber finde ich auf jeden Fall mit.

Abgesehen von den beiden optischen Effekten habe ich noch den Vorteil, die Darstellung meines Motivs besser steuern zu können. Während ich in der Freihandaufnahme „nehmen muss, was ich kriegen kann“, kann ich es mir bei der Langzeitbelichtung aussuchen. Wie weich soll das Wasser sein, wie sternig die Lichter, wie hell die Gebäude? Je nach Justierung der Einstellung lässt sich dies in kleinen Schritten verändern.

Merke:

  1. Offene Blende – hoher ISO – kurze Belichtungszeit –> Freihandnachtaufnahme (möglicherweise ungewollte Tiefenunschärfe durch Offenblende, Unschärfe durch Verwackeln, Unschärfe durch Rauschen)
  2. Geschlossene Blende – niedriger ISO – lange Belichtungszeit (Achtung: Bildstabilisator und Fern- oder Selbstauslöser) –> Stativnachtaufnahme

Und nun: viel Spaß, viel Glück, viel Erfolg 🙂