Projekt 52 – Auf dem Kopf (Woche 13)

Anfangs hat sich das Thema recht gezogen, ich hatte überhaupt keinen Plan irgendwas umzusetzen. Idee 1: auf dem Kopf, sprich eine Kappe, einen Hut, Haare, irgendwie wollte mir das nicht so richtig zusagen. Idee 2: auf dem Kopf, sprich auf den Kopf gestellt – zuerst dachte ich daran, einfach etwas zu fotografieren und um 180 Grad zu drehen, dann hab ich bei Renee eine tolle Umsetzung gesehen – eine Spiegelung. Leider ist mir keine schöne vor die Kamera gekommen. Aus dem Grund ist es letztlich eine Abwandlung der ersten Idee geworden. Schlussendlich sogar zwei Bilder.

Voilà…

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Die Mitte der Welt

Ein Ort, an dem ich ein bisschen Ruhe finde. Unabhängig vom Rundherum.
Im Neubau, im Eck, auf der halbrunden roten geflickten Bank, dem uralten Kaffeetisch, dem aus dem Museum und dem Blick aus den großen Fenstern. Wenn ich hier sitze mit einer Schale strawberry flavoured Früchtetee vor mir, dann ist meine Welt in Ordnung.

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Ein politisch unkorrekter Eintrag

Zur Abwechslung gibts hier mal wieder eine Ubahnbeobachtung. Ich bin mir dessen bewusst, dass der Eintrag, der jetzt folgt, nicht politisch korrekt ist, aber ich hoffe ich werde dafür nicht gegeißelt.

Es war ein trostloser, frustrierender Montagmorgen mit wenig Aussicht weder auf Besserung des Tages noch der Woche. Dementsprechend hocherfreut saß ich in der Ubahn, die ich Freitagnachmittags nach einer Störung verlassen und die ich an eben diesem Montagmorgen wieder nach einer Störung betreten hatte. Ich war spät dran und es lagen äußerst anstrengende Tage vor mir. Hätte man meine Gesichtszüge interpretieren wollen wären vermutlich keine besonders erbaulichen Ergebnisse dabei herausgekommen.
Und in eben diesem Moment, in dem ich gerade ausgesprochen grantig (um es wienerisch auszudrücken) dreinschaute, entdeckte ich gegenüber von mir jemanden, der gewisse Ähnlichkeiten mit einem österreichischen Kabarettisten hatte. Besagter österreichischer Kabarettist ist allerdings persischer Abstammung. Und genau zu diesem Zeitpunkt machte sich ein breites, stupides Grinsen in meinem Gesicht breit. Weil mir genau zu diesem Zeitpunkt ein exorbitant politisch unkorrekter Witz eingefallen ist, der mir am Wochenende zuvor zu Ohren gekommen war:
Sitzt ein Perser im Restaurant. Ein Kellner kommt vorbei und fragt, ob er noch ein Dessert haben wolle. Darauf antwortete der Gast: „Oh, nein danke, ich explodier‘ gleich“.
So. Ich bin gewissermaßen verzagt das hier posten zu müssen, da es wirklich fies ist. Aber samt all dem Wissen ob der eigentlichen Gesellschaftsunfähigkeit dieses Kommentars musste ich in eben diesem Moment einfach mein schrecklich deprimiertes Gesicht ablegen und ein gewissermaßen debiles Grinsen aufsetzen. Und das war an genau diesem Montagmorgen eine oscarreife Meisterleistung…

Bekanntschaft mit dem Spiegelbild

An einem recht sonnigen Frühwinter- (oder war es ein Spätherbst-?)tag traf ich in der Ubahn doch tatsächlich mein Spiegelbild. Nein, ich habe keine Doppelgängerin, so meinte ich das nicht. Aber ich habe jemanden gesehen, der genauso Ubahn zu fahren scheint wie ich selbst. Amüsant sowas, aber auch immer irgendwie beängstigend, wenn man Tiques, die man an sich nur von sich selbst kennt, doch plötzlich bei anderen wieder findet.

Das Mädchen schien in meinem Alter zu sein, sie trug ihre Jeans in die Stiefel gesteckt und eine schwarze Tasche sowie einen schwarzen Mantel. Die Jacke trug sie offen (es war warm in der Ubahn), sie hatte blonde Haare und blaue Augen. Doch das war es alles nicht was sie mir ähnlich machte. Nein – sie beobachtete alle Leute um sich herum. Gekonnt, verstohlen. Ihr Blick folgte denen der anderen Fahrgäste, und wenn sie dann doch einmal aufeinander trafen schaute sie ins Nichts, in die Leere, als ob es dem anderen nur so vorgekommen wäre beobachtet zu werden.  Ich frage mich immer ob so etwas nur mir auffällt, weil ich es selbst schon bis zur Perfektion betreibe oder ob es auch andere merken, die sich die Zeit nicht damit vertreiben über Unbekannte nachzudenken. Aber dieser unbeteiligte Blick wenn das beobachtete Subjekt einen ertappt, der könnte von mir sein. Es amüsiert mich – ich hätte Lust gehabt sie darauf anzusprechen. Besonders als sie sich dann noch unauffällig am Kopf kratzt denke ich mir, hey, du bist ich – in deiner Welt.

Ein Querschnitt durch die persönliche Mediennutzung als Spiegel des Charakters

Ich entferne mich nun zum ersten Mal von meinem Hauptthema, das sich durch diesen Blog ziehen soll – die öffentlichen Verkehrsmittel. Denn über der Thematik des Unterwegs-beobachtens steht die Thematik des Beobachtens. Und gestern gab es in meinem derzeit gewohnten Umfeld ein wenig Beobachtungspotenzial.

Ein neues Fach hatte begonnen – Mediaplanung. Wie üblich durften sich siebenundzwanzig Leute, die einander doch schon mäßig kannten, an einer wiederholten Vorstellungsrunde ergötzen. Allerdings gab es diesmal doch gewisse Aspekte, die des Zuhörens wert waren. Die Lektorin wollte etwas über das Medienverhalten der Kursteilnehmer erfahren. Welche Medien, wann, in welchem Ausmaß, wie. Und – siehe da – man kann Menschen tatsächlich nicht nur an ihrem Musikgeschmack ‚einschätzen‘, nein, auch der Mediengebrauch war so richtig schön ‚typisch‘.
Die Business-fokussierten lesen täglich Presse und Standard, surfen auf ORF.at, schauen die ZiB und abends noch berieselnde Serien. Die High Society Dame konsumiert zusätzlich regelmäßig Magazine. Die Alternative liest keine Zeitung, hört dafür hauptsächlich FM4. Der heillos seltsame verweigert jegliche Werbung und prahlt damit im gleichnamigen Wahlfach. Der vermeintlich Coole ist der Sport-Schauer und die zusätzlich-an-der-Uni-Studierende liest überhaupt lieber Bücher als Zeitungen, schaut beim Frühstück 3sat und arte und benutzt hauptsächlich das Internet als Informationsquelle. Die Abendstudentin, die immer wieder betont wie alt sie nicht alle schon sind hört Radio Arabella und hat das Zeitunglesen aufgegeben.

Das Mädchen mit gefleckten Haaren

Ich startete heute in den dritten Seminartag und war schon recht ermüdend, da es sich um ein eher zermürbendes Seminar handelte. Zudem hatte ich die Aussicht darauf, etwa zwölf Stunden im Rad der Institution gefangen zu sein und war daher dementsprechend motiviert. Allerdings etwas wacher als die Tage zuvor, da ich immerhin den Wecker abgedreht und beschlossen hatte, einfach ein wenig zu spät zu kommen wenn mein Körper den Schlaf braucht.
Ich enterte somit in aller Gemütlichkeit (im Wissen, Stress würde es heute noch genug geben) den ersten Ubahnwaggon und hatte sogar (fast) die freie Sitzplatzwahl. Ich kam dazu, schräg gegenüber von einem Mädchen zu sitzen, dessen Alter einzuschätzen mir schwer fiel. Es musste sich irgendwo zwischen dreizehn und sechzehn bewegen. Der Leser wundert sich vielleicht, warum gerade in DEM Alter ich nicht in der Lage war, dies einzuschätzen. Nun, dies mag daran gelegen sein, dass das Mädchen derart schwarz umrandete Augen hatte, dass ich sie ungeschminkt bestimmt nicht wieder erkannt hätte. Aus ihren Kopfhörern dröhnte laute Musik (sogar bis zu mir her). So alles in allem, mit Ihren Leinenballerinas und dem Vans-Rucksack sowie dem zarten Gesicht hätte sie Avril Lavignes kleine Schwester sein können.
Was mich aber wirklich faszinierte waren ihre Haare. SIhre Naturhaarfarbe schien mittelbraun zu sein, sie trug sie offen mit Strähnen ins Gesicht und sie reichten ihr bis unter die Schulterblätter. Auffällig waren ihre blonden…Flecken. Ich bin es ja gewöhnt, dass Mädchen und Frauen blonde Haarpartien tragen, normalerweise aber längs gestreift. Diese waren nun quer gestreift. Es hatte etwas individuelles an sich, das aber entfernt an Raubkatzenfell erinnerte. Es wirkte unruhig und ich musste immer wieder hinschauen. Je öfter mein Blick sich in ihren Haaren verfing, desto mehr fing ich an nachzudenken, welche Musik wohl in ihren Ohren dröhnte und welche Gedanken ihr durch den Kopf gehen mochten. Was sie um diese Zeit (die Schule müsste längst schon begonnen haben – hatte sie vielleicht Freistunden gehabt?) in der Ubahn trieb und ob sie ihre Eltern belügte.
Sie war sehr hübsch. Ich fragte mich, ob sie das wusste.

Ein weinendes Mädchen

Letzte Woche saß ich mal wieder in meiner ‚Heimlinie‘, am Weg von der Bibliothek in die Einkaufsstraße, um mein Handy aus der Reparatur zu holen. Wie so oft pendelte mein Blick gedankenverworren zwischen Fenster und anderen Fahrgästen hin und her. Und wieder ist er hängen geblieben. Bei einem Mädchen (ich glaube, ich beobachte gerne Mädchen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich immer frage – sind sie mir ähnlich, kenne ich jemanden wie sie, könnte ich mich mit ihr verstehen?), einem blonden, hübschen Mädchen. Es wird etwa so alt gewesen sein wie ich, vielleicht ein wenig jünger. Doch etwas irritierte mich an ihr. Ich schaute doch noch einmal hin (unauffällig – oder zumindest versuchte ich nicht allzu auffällig zu wirken). Ja, das war das Zwerchfell, das sich da ruckartig bewegte, denn ihr kullerte eine Träne über die Wange. Vorsichtig wischte sie sie weg und tupfte mit dem Taschentuch über die geschminkten Augen. Es war deutlich zu merken, dass sie es gerne unterdrückt hätte, doch sie konnte nicht (war wohl ein Fall von ‚ich kann mich mit ihr identifizieren‘). Je länger ich da saß und sie verstohlen beim Weinen beobachtete, umso stärker wurde das Bedürfnis, mich ihr gegenüber hinzusetzen und sie zu trösten. Doch dann waren da die Hemmungen. Wie würde sie das finden? Vermutlich würde sie nicht mit jemand wildfremdem reden wollen. Doch ich hätte gerne gewusst, was sie so traurig machte. Ich kämpfte lange mit mir – bis sich eine beleibte Frau (wie häufig in der Gegend war sie wohl aus dem Süden. Vielleicht Rumänien) ihr gegenüber setzte. Auch ihr fiel auf, dass das Mädchen weinte und sie deutete es ihrem Begleiter.
Ich war verärgert über meine eigene Feigheit und darüber, dass ich die Chance verpasst hatte, jemandem ein Lächeln zu schenken – denn nun war der Platz gegenüber von ihr besetzt.
Trotzdem konnte ich meine Gedanken nicht vollständig von ihr wenden und bemerkte, dass sie immer wieder aufs Handy stierte. Es in die Hand nahm – aufklappte, zuklappte. Wütend, verletzt, verzweifelt.
Es schien zu läuten, sie hob ab. „Kannst du jetzt nicht noch kurz auf mich warten?“ – wütend, verletzt. Der Anrufer schien aufgelegt zu haben. Verzweifelt. Die Tränen ronnen ihre Wangen entlang.

T.straße – ich musste aussteigen