Letztes Jahr zwischen Mai und Juni, da war ich endlich einmal zuhause, frei im Kopf und in der Lage, mich auf Mohnblumenjagd zu begeben. Wie manche von euch vielleicht schon wissen, sind sie meine allerliebsten Pflanzengewächse. Ich habe in Summe nicht so arg viel übrig für Blumen, meist wachsen sie in Wiesen, wo es kreucht und fleucht, summt und surrt und Sechs- und Achtbeiner mag ich ja – mal abgesehen von Hummeln, Bienen, Marienkäfern und Grashüpfern – nicht so besonders. Das hohe Gras sticht, irgendwas läuft einem immer über die Beine, Mücken stechen und überhaupt. Jaja, ich bin ein Draußenkind, trotzdem. Aber Mohnblumen, die haben mich erwischt. Als sie damals zwischen den Bahngleisen wuchsen, obwohl im Viertelstundentakt ein Zug über sie hinwegfuhr, als ich erkannte, dass sie so fragil sind, so großen Kräften ausgesetzt sind, auf den Boden gedrückt werden, sich immer wieder aufrichten, verblühen und im Jahr darauf wieder kommen, habe ich etwas Grundlegendes über das Leben verstanden und darum sind und bleiben sie für mich etwas Besonderes. Die erste Mohnblume des Jahres, die ich entdecke, muss ich immer fotografieren, so will es mein Gesetz. Ich bemerke sie immer, ich genieße ihren Anblick, ich jage vermutlich für immer „meinem perfekten Foto“ hinterher. Ein paar vom letzten Jahr kommen dem schon recht nahe (für mich).

Unlängst bei Jim Kopf zitierte ich Sartre:

Der sensible Mensch leidet nicht aus diesem oder jenem Grunde, sondern ganz allein, weil nichts auf dieser Welt seine Sehnsucht stillen kann.

Ich kenne es schon lange, dieses geflügelte Wort doch erst vor einiger Zeit konnte ich seine wahre Bedeutung nachvollziehen. Meine Freundin hingegen schrieb es schon vor 18 Jahren auf ihre Uboot-Nickpage, was mir heute deutlich sagt, dass sie damals schon einiges mehr von der Welt verstanden hatte als ich.

#notsponsored !!! Muss man ja dazu sagen.

Im Dezember entschied ich mich dafür, mein iPhone 6s gegen ein neueres Modell einzutauschen, da mein Akku langsam aber sicher den Geist aufgab und es auch sonst anfing, die ersten Macken zu zeigen. Da es mein ununterbrochener Begleiter und vor allem: mein am intensivsten genutzter Fotoapparat ist, wollte ich diesmal in die „Plus-Version“ investieren.

Platon schrieb in seinem philosophischen Lebenswerk über die Ideenwelt. Kurz umrissen stellt er sich vor, dass in unseren Köpfen zu allen Dingen, die wir kennen, eine „perfekte Idee“ existiert, aus der wir dann reale Dinge ableiten und erkennen können. Das bedeutet also, wenn wir ein Pferd sehen, erkennen wir es als solches, obwohl das Pferd in unserer Vorstellung, wenn wir an den Begriff denken, vermutlich anders aussieht, als ein x-beliebiges, das wir in der Realität sehen. Dennoch wissen wir, dass es ein Pferd ist. Ich finde diese Gedanken durchaus spannend und entdecke doch in der Realität immer wieder Dinge, bei denen mir sofort das Konzept der „perfekten Idee“ durch den Kopf schießt. So passierte es mir bei den ur, uralten Bildern aus Kos, über die ich unlängst stolperte.

Wenn’s ums Reisen geht, dann geht es oft um so Vieles. Reisen bedeutet für jeden, der es gerne tut, etwas anderes. Und für die, die es nicht gerne tun, auch. Flucht, Selbstfindung, Erfahrungen sammeln, Fotografieren, Seele baumeln, das Leben verstehen, es gibt tausende und abertausende Facetten der Gründe, es zu tun (oder zu lassen). Jeder davon ist individuell, auch wenn uns das Internet so oft und gerne vorgaukelt, dass dem nicht so wäre. Denn Reisen, das zieht eine Assoziationskette hinter sich her wie kaum ein anderer Begriff. Wahrscheinlich gibt es außer fürs Glücklichsein (und Reisen wird ja oft als Allheilmittel dafür angepriesen) kaum ein anderes Konzept, für das auch nur annähernd soviele vermeintlich SEO wirksame 7 Punkte-Listen geschrieben wurden. Da ich ein Medienmensch bin, kann auch ich nicht behaupten, frei von diesen Einflüssen zu sein. Instagram, Pinterest und Co. machen genial einfache Planung möglich, laden die künftig verbrachten Urlaubstage aber schon im Vorhinein mit einer Menge bestimmter Erwartungen auf.

Ich weiß noch gar nicht, wieviel Zeit vergehen wird, bis der erste spezifische Beitrag über unsere große Reise dieses Jahr online geht. Ich bin noch relativ weit entfernt davon, selbst genug Distanz und Überblick zu haben, um einzelne Bilder auszuwählen und euch davor zu bewahren, in einer Bilderflut zu ertrinken. Daher gibt es vorerst etwas, das schon länger zurückliegt.

Vor einiger Zeit schrieb ich in einem Kommentar an Markus:

Wasser hat einfach eine besondere Aura. die Geräuschkulisse am Wasser hat etwas, das für mich enorm beruhigend ist und Wasser hat so etwas Metaphorisches. Wenn ich am Wasser stehe, fühle ich mich einfach irgendwie auf einmal mit der Welt verbunden. Aber nicht auf eine smartphone art und weise.

Dazu passend wurde mir das Wort „aquaholic“ geschenkt.

Nachdem ich 351 Fotos von meiner Nikon Kamera bearbeitet aus Lightroom exportiert habe, sowie 132 Bilder aus der Olympus Unterwasserkamera, von denen ich das eine oder andere gerne als Poster bei helloprint drucken lassen will, ist es Zeit für einen ersten Post über unseren „Honeymoon in weit weit weg“ und dafür, euch zu erzählen, was ich die letzten drei Wochen in meiner vollständigen Blogabstinenz so getrieben habe.

Vor mittlerweile schon wieder einer Ewigkeit habe ich begonnen, unter meinem Fotorgafinnennamen ein Portfolio aufzubauen. Dafür war natürlich eine Sache wichtig: ein gewisser durchgängiger Bildstil. Ich hatte viel probiert und mich dann in etwas verliebt, das ich in meinen Presets „folk style“ genannt habe, da es ein bisschen in die Richtung des Folk Magazines geht. Meine Begeisterung für diesen Stil war (und ist) überschwänglich, sodass ich auch hier ein bisschen davon zeigen möchte. Manche von euch, die mir schon lange folgen, wird es vielleicht langweilen. Allen anderen zeige ich gerne eine Fotostrecke von meiner wichtigsten Reise, mit der ich begonnen habe, mein Leben und meinen Alltag, meine Gefühlswelt und Wahrnehmung umzukrempeln und zu begreifen, dass mein Leben mir gehört.